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Experten beantworten Fragen zu Krebs

Experten beantworten Fragen zu Krebs

Kaum eine Krankheit weckt mehr Ängste: Krebs. Patienten und Angehörige haben viele Fragen: Welche neuen Therapien gibt es? Wie kann man vorbeugen? Bei einer Telefonaktion konnten Leser Experten ihre Fragen stellen. Eine Auswahl der Antworten.

© Lutz Langbein/ DKFZ

Brustkrebszelle der Brustkrebszelllinie mcf7

Leserin (68): Letzte Woche wurde ich wegen Brustkrebs operiert, auch Lymphknoten sind befallen. Muss ich mich jetzt in jedem Fall einer Chemotherapie unterziehen?

© RKExperten am Telefon: Die Krebsexperten Prof. Wolfgang Hiddemann, Prof. Nadia Harbeck und Prof. Roland Schmid (v. li.) beantworteten die vielen Fragen der Leser.

Prof. Nadia Harbeck: Das hängt davon ab, wie die Tumore beschaffen sind. Sind sie hormonempfindlich, das heißt, dass sie unter dem Einfluss von Hormonen wachsen, kommt auch eine andere Therapie infrage: die Antihormontherapie. Bei dieser Methode verordnet Ihnen der Arzt sogenannte Antihormone, die das Wachstum von bösartigem Gewebe verhindern sollen. Diese Medikamente greifen nur Tumorzellen an. Gesunde Körperzellen bleiben so gut wie unbeschadet. Deshalb ist eine Antihormonbehandlung schonender als eine Chemotherapie. Sind jedoch viele Lymphknoten befallen, benötigen Sie zusätzlich eine vorbeugende Chemotherapie.

Leserin: Meine Tochter hat Leukämie. Ihr soll Knochenmark transplantiert werden. Was ist der Unterschied zu einer Stammzelltransplantation?

Prof. Wolfgang Hiddemann: Das ist dasselbe. Transplantiert werden die blutbildenden Zellen. Die sitzen im Knochenmark. Um diese zu erhalten, entnahm man früher stets etwas Knochenmark aus dem Beckenkamm. Das macht man heute nur noch selten. Seit einiger Zeit gibt es ein Medikament, das die blutbildenden Stammzellen aus dem Knochenmark löst. Sie lassen sich dann durch eine Blutwäsche gewinnen. Das ist für den Spender weniger belastend.

Leser: Ich habe gehört, dass die Darmspiegelung gar nicht schlimm ist. Doch die Darmreinigung davor sei recht unangenehm. Ist die wirklich nötig?

Prof. Roland Schmid: Auf jeden Fall. Der Darm muss völlig sauber sein, sonst sieht der Arzt bei der Untersuchung nichts. Das ist immer wieder ein Problem. Halten Sie sich bei der Darmreinigung darum genau an die Anweisungen und trinken sie alle angegebenen Lösungen – auch wenn das unangenehm ist. Ist der Darm nicht richtig sauber, übersieht man leicht Krebsvorstufen. Dann hat die Untersuchung keinen Sinn.

Leserin (50): Ich habe Angst vor der Strahlenbelastung bei der Mammographie. Ist die Ultraschalluntersuchung ein Ersatz?

Harbeck: Die wichtigste Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs ist die Mammografie. Das gesetzliche Screeningprogramm betrifft Frauen im Alter zwischen 50 und 70 und beinhaltet eine Mammografie alle zwei Jahre. Eine Ultraschalluntersuchung ersetzt dies leider nicht – zusätzlich ist sie aber durchaus sinnvoll. Vor schädlichen Strahlen brauchen Sie keine Angst haben. Die heutigen Mammographie- Techniken kommen mit einer sehr geringen Strahlendosis aus. Viel schlimmer wäre es, den Krebs erst in einem späten Stadium zu erkennen.

Leser, 62: Ich leide an einem follikulären Lymphom. Nach einer Therapie kam es zur Remission. Es ist Grad 1. Was bedeutet das?

Hiddemann: Der Grad beschreibt, wie die bösartigen Zellen aussehen. Er weist auch darauf hin, wie aggressiv die Erkrankung verläuft. Bei einem follikulären Lymphom ist die Prognose beim Grad 1, 2 und 3 a aber gleich gut. Nur 3 b verläuft aggressiver. Da sie aber in Remission sind, das Lymphom sich also zurückgebildet hat, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit lange keine Probleme mehr haben.

Leser: Ich bin bereits über 80 und habe seit zwei, drei Monaten ständig Probleme mit Durchfall. Kann das Krebs sein?

Schmid: Durchfall kann viele Ursachen haben. Weit häufiger als eine Krebserkrankung steckt dahinter eine Infektion, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder ein Reizdarm- Syndrom. Sie sollten sich also nicht so viele Sorgen machen. Doch muss man die Beschwerden unbedingt abklären. Dazu ist auf jeden Fall eine Darmspiegelung nötig.

Leserin: Mein Vater und mein Bruder sind sehr jung an Krebs gestorben. Ich selbst leide an Brustkrebs. Muss ich jetzt Angst um meine Kinder haben?

Harbeck: Bei so vielen Krebsfällen in der Familie sollten Sie eine genetische Risiko- Beratung aufsuchen. In einer Blutuntersuchung kann man herausfinden, ob die Krebsfälle erblich bedingt sind. So lässt sich ein mögliches Risiko für Ihre Kinder rechtzeitig einschätzen und entsprechende Vorsorge-Untersuchungen einleiten.

Leserin, 43: Bei mir wurde ein Non-Hodgkin- Lymphom festgestellt. Meine Blutwerte sind normal und ich habe keine Beschwerden. Ich werde auch nicht behandelt. Warum?

Hiddemann: Ich gebe zu, dass das schwer zu verstehen ist: Sie haben eine bösartige Krankheit, werden aber nicht behandelt. Dennoch ist das bei Ihrer Krankheit der richtige Weg. Es kann sein, dass Sie noch jahrelang keine Probleme haben. Erst wenn welche eintreten, beginnt man mit der Therapie. Diese kann Ihre Krankheit zwar nicht heilen, aber in der Regel zu einer chronischen machen. Bis dahin können Sie eigentlich nur eines tun, auch wenn das ein bisschen platt klingt: Versuchen Sie, die Nerven nicht zu verlieren. Lassen Sie die Finger von Krebsdiäten und auch vom Internet. Und auch von naturheilkundlichen Mitteln wie Mistel und Thymusextrakt. Die regen höchstens das Immunsystem an – und damit auch das Wachstum der bösartigen Zellen. Ernähren Sie sich normal. Bei der Krankheit gibt es übrigens zurzeit große Entwicklungen. Es kann also durchaus sein, dass man, sobald Sie Beschwerden haben, noch wirksamere Therapien hat.

Leserin: Bei mir wurden in der Bauchspeicheldrüse viele IPMNs gefunden. Der Arzt rät, das Organ zu entfernen. Muss das wirklich sein?

Schmid: Die Abkürzung IPMN steht für intraduktale papillär muzinöse Neoplasien. Das sind kleine Tumore in den Gängen des Organs. Doch sollte man eine Entfernung der Bauchspeicheldrüse gut überlegen. Das Pankreas bildet wichtige Enzyme und Hormone wie Insulin. Wird sie entfernt, fehlen diese und müssen ersetzt werden. Die Patienten leiden an Diabetes, müssen Insulin spritzen. Der Blutzucker lässt sich aber weit schwerer einstellen als bei einem Typ-I-Diabetiker. Die Gefahr, in Unterzucker zu fallen, ist viel höher. Wir am Klinikum rechts der Isar raten zur OP, wenn die IPMNs im Hauptgang des Organs liegen oder mindestens eines davon größer als drei Zentimeter ist. Vor so einem Eingriff ist es auf jeden Fall ratsam, eine zweite Meinung einzuholen.

Leserin: Mir musste kürzlich die linke Brust abgenommen werden. Kann sie mit körpereigenem Gewebe wieder aufgebaut werden? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung?

Harbeck: Bei Brustkrebspatientinnen übernehmen die Kassen wiederherstellende Eingriffe an der Brust. Ob Ihre Brust aber mit körpereigenem Gewebe oder etwa mit Silikon aufgebaut werden kann, muss Ihr behandelnder Arzt entscheiden. Müssen Sie sich etwa nach der Operation einer Strahlentherapie unterziehen, könnte der sofortige Wiederaufbau problematisch sein. Durch die Bestrahlungen könnte sich Ihr Gewebe verändern. Deshalb sollten Sie noch einige Zeit abwarten. Ein bis zwei Jahre nach der Behandlung kann Ihr Arzt den Brustwiederaufbau- Eingriff besser planen.

Die Experten

Prof. Roland Schmid leitet die II. Medizinische Klinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM).

Prof. Nadia Harbeck leitet das Brustzentrum am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Prof. Wolfgang Hiddemann leitet die Medizinische Klinik III und Poliklinik am Klinikum der Universität München (LMU).

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