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Das Aussehen stimmt – und dennoch wirkt Tom Cruise als Rockstar Stacee Jaxx in dem Filmmusical „Rock of Ages“ manchmal wie ein Streber.

"Rock of Ages": Tom Cruise mal völlig anders

In der Kinoversion des gleichnamigen Musicals „Rock of Ages“ sehen wir Actiondarsteller Tom Cruise in einer völlig neuen Rolle. Wie er sich als zotteliger Rocker der 80er macht, lesen Sie in unserer Filmkritik.

Die Achtziger waren, musikalisch gesehen, die Jahre des Hardrock: lange Zottelmähnen, großflächig tätowierte Kerle in schwarzem Leder, nietenbesetzte Kostüme, Halbgötter der Gitarre und Luftgitarre mit obligatorisch nacktem Oberkörper. Die Gegenbewegung zum fröhlich-weichgespülten Discosound der Siebzigerjahre bestand aus harten Kerlen, die mit aufwändig verchromten Motorrädern auf die Bühne knatterten und dieselbe während eines Konzerts gerne in Stücke schlugen oder in Flammen aufgehen ließen.

Regisseur Adam Shankman setzt in seiner Kinofassung des gleichnamigen Musicals „Rock of Ages“ der letzten ungetrübten Ära von Sex, Drugs & Rock’n’Roll ein Denkmal. Dabei ist sein Film deutlich jugendfreundlicher und keimfreier ausgefallen, als sich das die alten Haudegen von damals wohl gewünscht hätten. Shankman erzählt, wie Landpomeranze Sherrie (Julianne Hough) im Jahr 1987 nach Los Angeles fährt, um Sängerin zu werden. Dank des Barkeepers Drew (Diego Boneta) kommt sie schnell als Serviererin im besten Rock-Club der Stadt unter. Die beiden werden ein Paar, trennen sich einiger Missverständnisse wegen wieder, wollen Karriere machen, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Ein paar schnulzige Bombast-Rockballaden-Nummern später dürfen sich Sherrie und Drew endlich und endgültig in die Arme schließen.

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Die mit ein paar Lederwestchen und E-Gitarren recht niedlich dekorierte Liebesgeschichte ist nett anzusehen. Ernst zu nehmen ist sie aber nicht – wie auch der restliche Film in vielen Szenen unentschlossen zwischen Hommage und Parodie schwankt. Hough und Boneta gelingt es immerhin, aus ihrem Newcomer-Status viel herauszuholen. Beide empfehlen sich absolut für weitere Hauptrollen – auch ohne die oft nicht allzu organisch in die Handlung eingebauten Gesangsdarbietungen.

Bis auf wenige Ausnahmen müssen sich alle Darsteller dieses Filmmusicals an den Sängern der bekannten Originalversionen messen lassen: von Joan Jett und Pat Benatar über Def Leppard und Foreigner bis hin zu REO Speedwagon und Starship. Das Ergebnis ist manchmal respektabel wie bei Catherine Zeta-Jones, die als biedere Bürgermeistergattin ordentlich einheizt.

Manchmal rumpelt’s allerdings schon arg. Tom Cruise, der im Laufe seiner beachtlichen Karriere schon clevere Agenten, mutige Widerstandskämpfer, gelähmte Vietnam-Veteranen oder tollkühne Flieger gespielt hatte, hat sich in „Rock of Ages“ daran gewagt, einen Rocker zu mimen. Eigentlich stimmt auch alles: Stramm sitzt die Leder-Röhre, strähnig hängt das Haupt und üppig wallt das Achselhaar. Sogar die Tätowierungen sind hübsch verrucht aufgetragen. Aber überzeugen kann dieser Stacee Jaxx nicht. Liegt womöglich daran, dass ihm die Ernsthaftigkeit eines Strebers aus allen Poren quillt, die einem Rockstar unangemessen erscheint. Da hätte sich Cruise mal den Kollegen Alec Baldwin ansehen sollen, wie er mit Russell Brand „I can’t fight this feeling“ schmalzt: respektlos, schräg, selbstironisch ist das – ganz große Klasse, auch wenn längst nicht jeder Ton sitzt.

Ulrike Frick

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