Landesamt für Gesundheit schlägt Alarm

Die Blitz-Grippe hat München im Würgegriff

München - Influenza-Alarm – jetzt leiden auch immer mehr Münchner und Oberbayern unter der Virenexplosion: Das Landesamt für Gesundheit schlägt Alarm!

Influenza-Alarm – jetzt leiden auch immer mehr Münchner und Oberbayern unter der Virenexplosion: „Die Grippewelle ist bei uns angekommen“, berichtet Claudia Schuller vom Landesamt für Gesundheit. „Seit Jahresbeginn sind schon 3311 Menschen im Freistaat daran erkrankt.“ Und die meisten Patienten hat’s blitzschnell erwischt.

"Es ging so unfassbar schnell"

Dino Konrad (41) ist das, was er gerade am eigenen Leib erfahren hat, fast ein bisserl unheimlich: „Ich habe im Büro innerhalb von gerade mal einer Stunde so stark abgebaut, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Es ging alles so unfassbar schnell“, erzählt der Münchner. Und Leidensgenossin Christa Hecht weiß sogar noch fast auf die Minute genau, wann ihre Beschwerden losgingen: „Ich bin nachts um 0.30 Uhr aufgewacht, fühlte mich unwohl. Kurz darauf hatte ich Schüttelfrost und hohes Fieber.“

Überfallartige Symptome – die Erlebnisse der beiden Patienten sind typisch für den Verlauf der echten Virus-Grippe. „Die Influenza beginnt oft wie aus heiterem Himmel“, berichtet Professor Georg E. Vogel (siehe Interview unten). Der Experte hat derzeit alle Hände voll zu tun, sogar samstags ist sein Wartezimmer rappelvoll. „Derzeit testen wir praktisch jeden Zweiten, der zur Tür hereinkommt, positiv auf Influenza.“

Andere Münchner Ärzte bestätigen die Entwicklung. „Unsere Praxis platzt aus Nähten. Wir haben etliche Influenza-Fälle“, sagt der Sendlinger Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Ritter. „Viele Patienten haben hohes Fieber und klagen über brennende Schmerzen hinterm Brustbein.“

Dazu kommen noch tausende Münchner, die „nur“ unter normalen Erkältungskrankheiten leiden. „Wir sehen verstärkt Patienten mit Infekten und Symptomen wie Reizhusten“, berichtet Dr. Karlheinz Zeilberger, der am Altheimer Eck in der Innenstadt praktiziert.

Insbesondere die Influenza dürfe man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen, warnen die Ärzte unisono. Professor Vogel: „Es handelt sich um eine gefährliche Infektionskrankheit, die sogar tödlich enden kann."

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"Influenza beginnt wie aus heiterem Himmel"

Als seine Tochter noch ein Baby war, da hat er sie fast verloren. Die kleine Chiara, davon ist Professor Georg E. Vogel (66) überzeugt, litt damals an einer Influenza mit schwerem Verlauf, überlebte nur knapp. Seitdem hat sich der Münchner Mediziner die Bekämpfung der Krankheit zur Lebensaufgabe gemacht. Seine Erkenntnisse stoßen weltweit auf Beachtung, im Herbst wird er sie beim größten internationalen Influenza-Kongess in Kapstadt vorstellen. In der tz erklärt der Wissenschaftler, was die Viruserkrankung so gefährlich macht.

Woran erkennt man eine Influenza?

Professor Georg Vogel: Sie beginnt sehr häufig mit einem sudden onset. Der englische Begriff bedeutet so viel wie plötzlicher Beginn. Wie aus heiterem Himmel schwinden alle Kräfte, man fühlt sich unglaublich schwach. Viele Patienten können sich genau an den Moment erinnern, als es sie erwischt hat.

Wie muss man sich das vorstellen?

Vogel: Die Leistungsfähigkeit sinkt brutal schnell. Ich habe mal eine Putzfrau behandelt, die sich vor lauter Erschöpfung ins Bett eines Bankdirektors gelegt hat. Ein Handwerker konnte sich nicht mehr auf der ­Leiter halten. Manche Patienten geraten in Panik und bekommen sogar Todesangst, weil sie sich nicht erklären können, was gerade mit ihnen geschieht.

Was passiert nach diesem plötzlichen Beginn?

Vogel: Oft bekommen die Patienten binnen weniger Stunden unkontrollierbaren Schüttelfrost und hohes Fieber. Die Viren greifen die Zellen in den oberen Atemwegen an und zerstören deren Oberfläche. In den vorgeschädigten Zellen können sich Bakterien einnisten, die nicht selten eine Lungenentzündung verursachen. Wir Ärzte sprechen von einer Superinfektion.

Wie kann man diese Kettenreaktion stoppen?

Vogel: Nur, indem man sie bereits im ­Anfangsstadium bekämpft. Betroffene müssen frühzeitig zum Arzt gehen, die Diagnose muss schnell gestellt werden, am besten direkt in der Praxis mit einem Schnelltest. Wenn der positiv ausfällt, muss man sofort eine Behandlung mit Tamiflu einleiten.

Aber dieses Medikament ist nicht unumstritten. Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit und warnen vor Nebenwirkungen.

Vogel: Ich halte es für unverantwortlich, Tamiflu zu verteufeln. Denn nach wie vor ist dieser sogenannte Neuraminidasehemmer das einzige Medikament, das die Vermehrung der Grippeviren stoppen kann. Vor allem für Patienten mit Vorerkrankungen kann dies lebensrettend sein.

Andreas Beez

 

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