Schön – und teuer: Wer in München eine Mietwohnung sucht, muss tief in die Tasche greifen. Wie tief, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander. Foto: Ralf kruse

Kritiker nennt Erhebung realitätsfremd

Neuer Mietspiegel: Preise steigen nur leicht

München - Die Münchner Mieten haben nur leicht angezogen - angeblich. 10,13 Euro kalt weist der neue Mietspiegel pro Quadratmeter aus. Vor zwei Jahren waren es 9,79 Euro. Kritiker bemängeln, die Erhebung habe mit der Realität wenig zu tun.

Normalerweise feixt ein Vertreter der Hausbesitzer nicht, wenn der neue Mietspiegel vorliegt. Am Montag war das anders. „Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass wir weit entfernt sind von den Horror-Mieten, die Politiker in Wahlkampf-Zeiten herbeireden“, sagte ein hörbar gut gelaunter Rudolf Stürzer am Telefon. „Die Mieten sind weniger gestiegen als die Lebenshaltungskosten“, betonte der Chef von „Haus und Grund“.

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Am Montag stellten Bürgermeisterin Christine Strobl und Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) den neuen Mietspiegel vor, der übernächste Woche noch vom Stadtrat beschlossen werden muss. Und über das Ergebnis mag sich mancher, der häufiger in Wohnungsanzeigen schaut, die Augen reiben. Der wichtigste Wert: Die Durchschnittsmiete ist seit 2011 um 3,47 Prozent auf 10,13 Euro gestiegen. Untersucht wurden mehr als 3000 Wohnungen, für die in den letzten vier Jahren entweder ein neuer Mietvertrag vereinbart oder die Miete erhöht wurde. Der Mietspiegel gilt für mehr als 500 000 Wohnungen.

Christine Strobl betonte gestern, dass die Stadt hofft, auch Mieten, die nicht verändert werden, künftig in den Mietspiegel einbeziehen zu dürfen. „Sonst haben wir immer ein schiefes Bild.“ Der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer kündigte an, sich eben dafür einsetzen zu wollen. „Die Einbeziehung der Bestandsmieten wird für alle Mieter einen dämpfenden Preissteigerungseffekt entfalten“, sagte er. Eine Prognose, wann die Koalition in Berlin sich auf eine Neuregelung einigen könnte, wollte Singhammer nicht wagen. „Es ist ein sehr schwieriger Prozess“, räumte er ein.

Mieterhöhungen bald bei 15 Prozent gedeckelt?

Bereits beschlossen hat der Bundestag die Möglichkeit für die Bundesländer, Mieterhöhungen bei 15 Prozent zu deckeln. „Wir wünschen uns, dass der Freistaat das bald umsetzt“, betonte Brigitte Meier. Bisher dürfen Vermieter im Rahmen des Mietspiegels alle drei Jahre um 20 Prozent erhöhen. Voraussichtlich ab Mai darf der Freistaat die Regelung umsetzen. „Wir arbeiten intensiv an der Verordnung“, heißt es auf Nachfrage im zuständigen Justizministerium. Zum Zeitplan will man sich nicht äußern.

Die Werte des Münchner Mietspiegels waren von 1975 bis 2009 immer gestiegen, oft deutlich stärker als dieses Mal. 2011 sank er erstmals, was Kritik an den Methoden laut werden ließ. Rudolf Stürzer von „Haus und Grund“ verweist auch jetzt wieder auf eigene Erhebungen des Vereins. 8000 Mietverhältnisse seiner Mitglieder seien für die selben vier Jahre untersucht worden. Ergebnis: Bei Neuvermietungen werden durchschnittlich 14,50 Euro pro Quadratmeter verlangt, bei bestehenden Mieten, die erhöht werden, sind es 12,80 Euro. Würde im Durchschnitt 13,60 Euro machen - fast 3,50 Euro mehr als im Mietspiegel. „Das hat Tradition in München“, sagt Stürzer. „Der Mietspiegel liegt immer 20 bis 30 Prozent unter den realistischen Preisen.“ Er glaubt, dass die Bedeutung des Mietspiegels abnimmt. Zwei Drittel der neu vermieten Wohnungen hätten „Index-Mieten“, bei denen die Vermieter auch über den Mietspiegel hinausgehend die Miete erhöhen dürfen, je nachdem, wie sehr die Lebenshaltungskosten insgesamt gestiegen sind.

CSU: "Wir sind empört!"

Beatrix Zurek vom Mieterverein bestreitet das. Die Vorsitzende des Mietervereins sagt: „Es gibt immer noch unendlich viele Mietverhältnisse, die anhand des Mietspiegels erhöht werden.“ Die drei Prozent Erhöhung nennt sie „okay“. Wirklich unzufrieden war am Montag nur die Stadtrats-CSU. Dass die Zahlen veröffentlicht wurden, bevor sie der Stadtrat abgesegnet hat, nannte Marian Offmann eine „grobe Missachtung“. „Wir sind empört!“

Felix Müller

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