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Durchhalten oder aufgeben

„Herr Bundespräsident, erlösen Sie uns“; Politik 24. Januar

Man könnte, was da mit uns und vor uns geschieht, als „Provinzposse“ abtun, mit einem Hauptdarsteller, der sich unter immer neuen Attacken windet: Der Zuschauer wartet gespannt, wann er endlich entnervt aufgibt. Leider kein Bühnenstück, sondern real: Das ganze deutsche Volk ist betroffen mit einem Mann, der das höchste Amt bekleidet, das der Staat zu vergeben hat. Er repräsentiert Deutschland in der Welt. Von ihm erwarten wir Integrität, Untadeligkeit, Ehrlichkeit, Überparteilichkeit, er schwebt gewissermaßen über uns als die oberste Instanz, die über Recht und Ordnung wacht. Kann ein solches Amt von einem Mann versehen sein, den man ungestraft „Lügner“ nennen darf, der sich mit halbherzigen, langwierigen Erklärungen, mit Versprechungen, die nicht oder nur unzulänglich eingehalten werden, herauszuwinden sucht aus einem Geflecht von Vorhaltungen, das sich immer dichter um ihn schlingt? Man stelle sich vor, Derartiges wäre mit Vorgängern von ihm, einem Richard von Weizsäcker, einem Gustav Heinemann, einem Theodor Heuss geschehen – undenkbar! Diesem Mann, Christian Wulff, fehlt entschieden das Format für das Amt, er ist überfordert, ein Produkt von Merkels Gnaden. Nerven wie Drahtseile muss dieser Mensch haben, um solchem Druck bislang standgehalten zu haben. Oder ihm fehlt ganz einfach, überzeugt von sich, der Weg zur Selbsterkenntnis, derweil der deutsche Wortschatz um ein Verb bereichert ist: „wulffen“. Eine Schlüsselrolle in dem Spektakel könnte, neben der Bundeskanzlerin, Gattin Bettina innehaben, die sich in ihrer Aufgabe als First Lady sichtlich zuhause fühlt, sie mit Charme und Glamour versieht: ein Absturz in die namenlosen Niederungen des gemeinen Volkes wäre für sie eine Katastrophe, die selbst durch die Labsal lebenslangen, materiellen Trostes kaum gemildert sein könnte. Wir hören förmlich – in unserer Phantasie – ihre morgendliche Aufmunterung „Durchhalten, Christian, durchhalten!“ durch die präsidialen Gemächer schallen; wer könnte da widerstehen? Hält ihretwegen ihr Christian so unbeirrt an seinem Amte fest? Mit Frau Künasts Worten möchten wir ihm zurufen: „Herr Bundespräsident, erlösen Sie uns!“

 Michael Gerke Farchant

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