Was geht es eigentlich den EU-Kommissar Andor an, ob wir unseren Eltern ein Betreuungsgeld zahlen möchten?
Solange unsere Jungen nicht einmal einen Arbeitsplatz finden (in manchen EU-Ländern sind es 20 und mehr Prozent), besteht vorrangig die Notwendigkeit, diesen einen Arbeitsplatz zu beschaffen. Darum sollte sich Herr Andor Sorgen machen. Natürlich sollen auch Frauen einen Arbeitsplatz bekommen, wenn sie einen wollen, aber es sollte auch jeder Mutter überlassen werden, ihr Kind vor allem in den ersten Jahren zu Hause aufzuziehen und ihm die Liebe zu geben, die es in einer Krippe sicher so nicht bekommen wird. Ein Betreuungsplatz in einer Krippe steht damit für andere zur Verfügung, die ihn dringend brauchen, sofern überhaupt einer vorhanden ist. Ich lese immer, dass es viel zu wenige gibt. Und ein solcher Krippenplatz, den sich die darbenden Kommunen damit ersparen, kostet mehr als das Betreuungsgeld. Von „Herdprämie“ zu sprechen ist eine Unverschämtheit. Dies wäre neben „Dönermorden“ auch ein Unwort des Jahres.
Wolfgang Fischbacher München
Thomas Lautenschlager Olching
Als Mutter und Oma macht mich die Anmaßung, mit der sich die EU-Kommission in die deutsche Familienpolitik einmischt, sehr zornig. Was ist so positiv daran, ein Kleinkind, das noch nicht einmal imstande ist, seine Gefühle in Worte zu fassen, in einer Kinderkrippe unterzubringen, und dies in einem Alter, in dem die meisten, den Charakter eines Menschen prägenden Verknüpfungen stattfinden? Was spricht dagegen, seinem Kind die Möglichkeit zu bieten, Geborgenheit zu erfahren, Vertrauen zu entwickeln und seine Eltern lieben und kennen zu lernen? Oder will irgendjemand ernsthaft behaupten, ein Kind in der Krippe erfährt das gleiche Ausmaß an Liebe, Zuwendung und, sofern nötig, auch an Tröstung wie zu Hause bei Mutter und Vater? Ich habe Frauen kennengelernt, die während der Schwangerschaft beteuerten, nach der Geburt so bald wie möglich wieder arbeiten zu wollen und dann unter der zeitweiligen Trennung von ihrem Baby sehr litten. Mir scheint, Herr Laszlo Andor zählt zu den Menschen, die einer kollektiven Erziehung von Kleinkindern den Vorzug geben, offensichtlich geht es auch hier um Gleichmacherei. Individuell angelegte Charaktere sind bei vielen (vor allem ideologisch angehauchten) Politikern mittlerweile unerwünscht.
Annemarie Fischer Wielenbach
„EU rügt das Betreuungsgeld“; Titelseite 2. Februar
Münchner Merkur
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