Ein sehr beliebtes Thema ist immer der richtige oder vermeintlich richtige Umgang mit unserer Sprache, wie Sie an diesen Leserbriefen sehen. Zu unserem Artikel von Christine Cornelius: „Servus, Tschüss!“; Bayern 6. Februar, und „Grimmige ,Mir-san-mir“-Typen‘“; Leserbriefe 7. Februar
Meiner Meinung nach reglementieren wir uns zu Tode. Dieses Thema kann doch im Unterricht besprochen werden, muss aber nicht als Grundsatz festgeschrieben werden. Grüßen ist für mich grundsätzlich positiv. Ich grüße alle!
Annelies Bicherel Miesbach
Nicht alles, was von nördlich des Weißwurstäquators kommt, stammt gleich aus Preußen. So auch nicht das Wort „Tschüs(s)“. Wenn auch für den Ursprung von „Tschüs(s)“ oder ursprünglich „Atschüs“ verschiedene Quellsprachen angenommen werden, gilt als sicher, dass es als Lehnwort aus dem romanischen Sprachgebrauch übernommen worden ist. Laut Wikipedia haben tschüs(s), adjüs, adios (spanisch), adeus (portugiesisch), adieu (französisch) sowie ade oder adele (schwäbisch, fränkisch) alle den gleichen lateinischen Ursprung: Ad deum = zu Gott. Gibt es etwas schöneres, als seinen Mitmenschen beim Abschied einen „Weg mit Gott“ zu wünschen? Niemand muss dieses „Tschüs(s)“ in Bayern verwenden. Aber gleich an einer Schule verbieten (tschüssfreie Zone)? Das macht mich sehr hellhörig. Heute wird der Gebrauch eines Wortes verbannt, morgen vielleicht dann schon ein Buch (Index) und übermorgen? Hatten wir doch schon einmal! Oder?
Kurt R. Hiller München
Vielen Dank Herr Walter Büttel für Ihren Leserbrief. Wir leben als Preußen seit 37 Jahren in Bayern. In den ersten Jahren mussten wir uns ständig mit dem Bayern-Preußen-Stress auseinandersetzen. Ich dachte diese Zeit ist vorbei und siehe da, es geht schon wieder los. Die „jungen“ Bayern sagen bestimmt auch Hallo und noch andere Begrüßungen. Wer sagt, dass dies alles Preußen sind?
Roswitha Pillasch Germering
Die Schule ohne das Tschüss und Hallo ist eine nette Werbung für die Schule. Bringen tut es nichts. Sprache hat eine ständige Entwicklung hinter sich. Würde ein Vorfahre aus dem Mittelalter auferstehen, wir würden ihn nicht verstehen. Den gegenwärtigen Sprachstand konservieren zu wollen ist Humbug. Eine Generation früher regten sich noch Leute über die Wörter Pullover und Jeans auf, die inzwischen Standard sind. Die gleichen Bewahrer stoßen sich an Tschüss und Hallo. Meist rückwärtsorientierte und stockkonservative Menschen. Dabei ist nichts statisch. Auch unsere Sprache nicht. Niemand wird verhindern können, dass unsere Kids hallo sagen und gerne shoppen und im Internet surfen.
Toni Steinherr Grafing bei München
Lasst der Jugend die Freiheit, sich in dieser doch geordneten Weise auszudrücken. Bayerisch hin oder her – wir sind doch alle global eingestellt.
Gerd Wenzel Grünwald
Hans Jürgen Menge Gmund am Tegernsee
Tschüß und hallo sind sicher nicht so schlimm, dass man es generell abschaffen sollte. Aber grundsätzlich stimme ich der Passauer Lehrerin zu. Die Norddeutschen sollten sich da nicht besser geben als sie sind, denn „tächlich“ hört man statt Guten Tag nur noch „Tach“, und dies und das ist nicht „möchlich“ usw. Jede Gegend hat ihren Dialekt und andere sollten sich nicht darüber erheben.
Inge Schael Geretsried
Wie kann eine Direktorin sich anmaßen vorzuschreiben ob man „Tschüss“ oder Grüß Gott sagt? Ich empfinde es keineswegs respektlos einen Freund oder Bekannten mit „Tschüss“ zu verabschieden. Es ist für mich sogar eine klares Zeichen, dass ich diesen Menschen mag indem ich ihm ein freundliches Tschüss entgegenbringe. Dies ist doch viel ehrlicher als jedes Gespräch mit Grüß Gott – also es beschütze euch Gott oder Gott grüßt euch zu beenden. Vielleicht mag auch nicht jeder einen Segen zum Gruß bekommen. Im Übrigen ist es bis heute nicht eindeutig geklärt woher das Wort Hallo und Tschüss überhaupt kommen. Ich finde diese Regelung diese Worte in der Schule nicht benutzen zu dürfen eine Anmaßung der Direktorin. Dann sollte sie auch so konsequent sein und nur Hochdeutsch in der Schule gelten lassen. Da gehört jedoch auch kein Grüß Gott hin. Die Direktorin möchte ihre Schützlinge auf das Berufsleben vorbereiten. „Gott sei Dank“ sitzen mittlerweile auch in vielen bayrischen Personalbüros Menschen die nicht aus dem südlichstem deutschen Bundesland kommen und denen ist es egal ob sie ihre Kollegen mit Hallo oder Grüß Gott begrüßen. Man muss nur wissen wann es angebrachter ist Guten Tag zu sagen. Viel besser wäre es in Bayern wenn man ihren Schülern Freiheit zum denken, Zeit zum spielen, weniger Druck und Kreativität lassen würde. Aber da ist ja leider kein Platz, weil man nur lernen muss für das spätere Leben. Ob das so sinnvoll ist wage ich sehr stark zu bezweifeln. Tschüss!
Friedel Goeken Gilching
Grundsätzlich ist Sprache eines der wichtigsten Kulturgüter. Dazu gehört das Grüßen. Nicht nur in Deutschland ist ein Gruß mit einem Wunsch verbunden: Guten Tag, guten Morgen etc. und Auf Wiedersehen, machs gut usw. Im süddeutschen Raum ist das Grüß Gott und das Behüt Dich Gott üblich. Alles Aussagen mit Sinn. Was sagt da ein Hallo? Nix. Das Tschüss gehört nach Norddeutschland, denn es ist Platt. Hier wirkt es wie ein maulfauler Zischlaut. Dass Jugendliche eine eigene Art der Sprache nutzen ist alt. Aber auch sie werden erwachsen und sollten die Grundbegriffe der Höflichkeit kennen. Deshalb begrüße ich den Mut der Passauer Lehrerin. Im Übrigen halte ich so manche Stellungnahme von hier lebenden Norddeutschen für überheblich. Als ich als junger Kerl nach Norden kam und lange Jahre dort mit den Menschen lebte und arbeitete „hätt i da Katz gheat“ wenn ich nicht schnell plattdeutsch gelernt hätte. Hier in Bayern ist man toleranter, so „tolerant“, dass man sogar norddeutsche Ausdrücke nachäfft. Wenn ich (und bayerische Bekannte) droben bin, fällt es mir im Traum nicht ein, Griaßde oder Pfiatdi zu benutzen. Das gebietet die Achtung vor den dort lebenden Menschen und deren Kultur.
Günter Braun Warngau
Was mich an diesem Leserbrief ganz massiv stört, ist dieser absolute, jede anders geartete Meinung von vorne herein ausschließende Anspruch, ganz alleine zu wissen, was richtig und was falsch ist, und wie in Bayern zu sprechen ist. Zitat: „Sollen sie es tun. Aber bitte schön nicht in Bayern.“ Einem Nichtbayern (Gast in unserem schönen Land) die Benutzung seiner Muttersprache verbieten? Was dieser Herr wohl sagen würde, wenn er in Hamburg zu hören bekäme: „Sie können Grüß Gott sagen, wo sie wollen, aber nicht hier.“ Ich liebe die Vielfalt unseres Landes und ich habe bisher noch in allen Bundesländern nette, freundliche Menschen kennen gelernt mit denen ich viel Spaß (Gaudi) hatte und jede Menge lachen konnte. Aber dazu gehört eben Humor.
Robert Kronthaler Glonn
Bravo! Die Initiative gegen „Tschüss“ und „Hallo“ der Passauer Rektorin Seibert gefällt mir ausgezeichnet. Ich bin vor gut 2 Jahren aus der nördlichen Hälfte Deutschlands nach Bayern gezogen und habe mich eigentlich von Anfang an über die meines Erachtens gedanken- und kulturlose Verwendung des „Tschüss“ und „Hallo“ in Bayern nicht nur etwa bei jungen Mneschen, sondern quer durch alle Altersgruppen gewundert. Es liegt doch in der Logik der Globalisierung, daß regionale - nicht etwa provinzielle - Kulturaspekte eine größere Rolle spielen. Kaum etwas wird häufiger gebraucht, als ein Gruß zum Willkommen und Abschied und deshalb sollte die Pflege solcher durchaus sinnvollen Grußformeln wie „Grüß Gott“ und „auf Wiedersehen“ gefördert werden. Zumal „Hallo“ überhaupt kein Gruß ist, sondern nur eine Anwesenheitsfrage- oder Bestätigung. Das „Tschüss“ wiederum kommt vermutlich über „Adieu“ eingedeutscht zu „Adjes“ und anschließend „Tschüss“ aus dem Französischen und heißt „Gott befohlen“ und entspricht inhaltlich dem „Pfüet di Gott“. Aber das weiß (fast) keiner und daher sollte es im Sinne einer guten Traditions- und Beziehungspflege bei „Grüß Gott „ bleiben.
Hildegard Priessnitz Gauting-Königswiesen
So sehr ich mich über die tapfere Passauer Rektorin, Frau Petra Seibert gefreut hatte, so sehr habe ich mich heute über den des Herrn Walter Büttel aus Gmund aufgeregt. „Wo Toleranz, Weltoffenheit, Vielfältigkeit und Verständnis gelehrt werden solle, werde den Schülern ein Maulkorb umgehängt“, schreibt er. Wo wird denn mit dem verständlichen Verlangen, hier in Bayern statt mit „Hallo!“ jemand mit „Grüß Gott!“ zu grüßen, Toleranz, Weltoffenheit, Vielfältigkeit und Verständnis missachtet? Wo wird denn mit einer baierischen Verabschiedung „Pfüat Gott“ oder „Auf Wiedersehn“ statt des unpersönlichen, norddeutschen „Tschüss“ Hetze und Verächtlichmachung betrieben? Ich wünschte mir, es gäbe noch viele weitere so couragierte Rektoren, die an ihren bayerischen Schulen eine „hallo- und tschüssfreie Zone“ einführten, das wäre ein Segen für unsere bayerische Sprachkultur. Denn dass zum Beispiel nur noch ein Prozent der Münchner Kinder bayerischen Dialekt spricht, ist halt auch eine traurige Tatsache. Vielleicht könnte man mit diesem „unbilligen“ Verlangen nach baierischen Grußformen bei dem einen oder anderen Kind wieder ein Interesse an unserer schönen baierischen Sprache wecken.
Josef Gillitzer Berg/Starnberger See
Münchner Merkur
Ressort Leserbrief
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