Die Zeit des Sich-Wunderns ist wohl vorbei. Man kann sich doch eigentlich nur noch ärgern und Entscheidungen der mittleren Führungsebene der katholischen Kirche wie die der Bischöfe Müller (Regensburg) und Zdarsa (Augsburg) empörend finden.
Professor Hans Maier, einem der profiliertesten Katholiken und langjährigen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das Auftreten in einer katholischen Einrichtung zu verwehren, ist ein Skandal. Dabei hatte sich Bischof Müller vor kurzem noch bei der Verabschiedung des evangelisch-lutherischen Landesbischofs Friedrich mächtig bekenntnisübergreifend produziert. Und Bischof Zdarsa sollte bei Gott der Untergang von Pfarreien infolge Priestermangels wichtiger sein als der Kampf gegen die zu Unrecht mit dem Bann belegte Einrichtung namens Donum Vitae. Diese hat eine Aufgabe übernommen, die eigentlich von der Kirche selbst wahrgenommen werden müsste, nämlich den Versuch, Ungeborene zu retten, deren Mütter in existenziellen Nöten sind und abtreiben wollen. Ich kann nicht anders, als zornig zu fragen: Wo waren denn diese „Hirten“, als man Kindesmissbrauch durch Priester vertuschte und, wenn was aufkam, allenfalls die Täter versteckte und versetzte?
Dr. Winfried Zehetmeier München
Wenn die Bischöfe Zdarsa und Müller einen so hochangesehenen und integeren Katholiken, wie es Hans Maier bekanntermaßen ist, ausgrenzen, zeigen sie, welch’ Geistes Kind sie selbst sind. Ein beschämender Vorgang.
Dr. Franz Menges München
Werner Jennerwein Holzkirchen
Professor Maier, ein brillanter Politikwissenschaftler und Politiker (bayerischer Kultusminister), in späteren Jahren auch Theologe und Journalist (Rheinischer Merkur), beeindruckte mich stets. Umso mehr verwunderte es mich, dass er sich vor mehreren Jahren bis heute in „Donum Vitae“ engagierte, eine sicher gut gemeinte Laienorganisation, die 1999 gegründet wurde; Maier verlieh ihr als prominenter Katholik und früherer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sozusagen kirchliche Weihen. Diese Gruppe unterläuft jedoch die klare Anweisung des damaligen Papstes, dass die katholische Kirche keine Beihilfe zu Abtreibungen leisten dürfe. Tatsächlich stellen die Beratungsscheine, die Donum Vitae ausstellt, die eigentliche, rechtskräftige Abtreibungslizenz dar. Dies wird leider weder im Artikel noch im Kommentar deutlich. In wie vielen Fällen die Beratung im Sinn des Lebenserhalts des ungeborenen Kindes erfolgreich ist und wie viele Beratungsscheine demgegenüber ausgestellt werden, wird leider nicht bekannt gegeben. Es bestehen heute kaum mehr Zweifel daran, dass spätestens mit der Einnistung der befruchteten Eizelle personales menschliches Leben entsteht, abgesehen davon, dass man heute Abtreibungen auch an lebensfähigen Föten durchführt, wenn Missbildungen vermutet werden. Statistiken zeigen zudem, dass 80 % der Abtreibungen auf Druck der Kindsväter, der Eltern oder der sonstigen Umgebung der Schwangeren stattfinden; leider werden diese Gegebenheiten kaum thematisiert.
Die durch prominente katholische Persönlichkeiten suggerierte Nähe von „Donum Vitae“ zur katholischen Kirche relativiert die Tragik einer Abtreibung und die häufigen persönlichen Folgen (post abortion syndrom) –„wenn sich schon die Kirche beteiligt, kann es nicht so schlimm sein!“. Bei seinem umfassenden Wissen musste Professor Maier klar sein, dass er sich mit seiner Mitwirkung im Kuratorium von Donum Vitae in direkte Konfrontation mit dem damaligen und auch mit dem heutigen Papst begibt und dass kirchenrechtliche Konsequenzen die Folge sein könnten; die Absage des einen oder anderen Vortrags scheint mir dabei noch eine relativ milde Maßregelung zu sein. Die Wertungen „einer der katholischsten Katholiken in Deutschland“, „leidenschaftlicher Katholik“ u.ä. für Professor Maier scheinen mir aus heutiger Sicht doch stark übertrieben. Verglichen mit diesen Elogen ist die Pauschalkritik an den Bischöfen umso massiver – sollte da eine Tendenz durchschimmern?
Franz R. Huber Aßling
Claudia Möllers: „Ein Fußtritt“; Kommentar, und „Augsburger Bischof verbannt Hans Maier“; Bayern 7. Februar
Münchner Merkur
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