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Ein wenig mehr an Fleischverzicht fördert unsere Gesundheit

„Lobby der Agrarindustrie“; Leserbriefe 14. Februar

Solange dem Verbraucher Urlaub und Luxusgüter wichtiger sind als seine Nahrungsmittel, und es Menschen gibt, die es sich nicht leisten können, täglich im Bioladen einzukaufen, wird es Haltungsformen geben müssen, die möglichst tiergerecht, aber auch kostengünstig Nahrungsmittel produzieren.

Martin Stadler Peiß

Der Mensch gab die Hoheit über seine Nahrung ans Großgewerbe ab. Fleisch wird produziert wie Autos. 900 Tonnen Antibiotika werden in deutschen Ställen verabreicht. Dreimal so viel wie an die Menschen. Von Salmonellen befallene Hähnchen dürfen in der EU geschlachtet und verkauft werden. Dazu meint unsere Ministerin Ilse Aigner – ich kann doch nicht jeden Hof persönlich kontrollieren. Aber es gäbe genügend Amtstierärzte und könnte diese ausweiten, wenn es zum Schutz der Verbraucher ist.

Eugen Simbeck Wolfratshausen-Waldram

Die Antibiotika: In populärwissenschaftlicher und populistischer Art und Weise wird von ihrem unsachgemäßen Einsatz in der Tierhaltung berichtet. Schnell werden auch Schuldige an den Pranger gestellt, Tierärzte und Landwirte. Kausal hängen Billigmärkte, Verdrängungswettbewerb, Verbraucherverhalten und die damit verbundenen wirtschaftlichen Zwänge für Landwirte und der Antibiotikaeinsatz am Tier zusammen. Schlagzeilen wie, Massentierhaltung, industrielle Tierhaltung, Autobahnerszene oder unverhältnismäßiger Antibiotikaeinsatz im Masttierbereich bauen einen immensen öffentlichen Druck für die Politik auf. Der endet fast regelmäßig in hastigem Aktionismus, bzw. nur halb durchdachten Gesetzesvorlagen. Die eigentlichen Ursachen bleiben jedoch weiterhin unangetastet im Nahrungsmitteldschungel. Und hier zeigt sich, dass wir es nicht allein mit einem äußerst komplexen, sondern auch gleichermaßen gesellschaftspolitischen Geschehen zu tun haben. Die Tendenz des Verbrauchers zu billigen Lebensmitteln ist nur ein Teil dieses Geschehens. Gefordert sind hier in ganz besonderem Maße die Lebensmittelindustrie, speziell die Discounter. Ein nicht zu übersehender Verdrängungswettbewerb mit immer billigeren Lebensmittelpreisen drückt die Landwirtschaft ökonomisch buchstäblich an die Wand. Um in der Tiermast konkurrenzfähig zu bleiben und wirtschaftlich zu überleben, bedarf es deshalb immer größerer Betriebe, die in der sogenannten Massentierhaltung mit all den bekannten Folgen enden. Diese sind unter anderem, dichter Tierbesatz bei immer größeren Tierzahlen und immer höherem Infektionsdruck. Um die betriebliche Existenz zu sichern, dürfen nahezu keine Tierverluste auftreten und dies ist ohne antibiotischen Einsatz nur schwer zu erreichen. Metaphylaktisch (hohes Krankheitsrisiko) ist der Antibiotikaeinsatz legal und aus Gründen des Tierschutzes erforderlich. Erschwerend kommt hinzu, dass bei einer hohen Besatzdichte vermehrt immunitätsbelastende und krankheitsfördernde Situationen entstehen können. Jedes erkrankte Tier hat aber das Recht auf Heilung. Genau hier beginnt die Gratwanderung, denn Antibiotika dürfen nicht eingesetzt werden, um einen Betrieb auf Dauer wirtschaftlich lohnend am Laufen zu halten. Ist dies der Fall, so muss dessen Sinnhaftigkeit hinterfragt werden. Diese Tatsache zu ändern, sind zu gleichen Teilen Lebensmittelhandel wie auch Verbraucher gefordert. Nur über höhere Lebensmittelpreise könnten die in der Kritik stehenden „industriell“ geführten Betriebe den Tierschutz weiter verbessern und endlich wirtschaftlich rentabel existieren. Die bessere, Rentabilität ermöglichte es außerdem die kostenintensiven hygienischen Verhältnisse wesentlich zu verbessern und damit die Tiergesundheit bei deutlich geringerem Antibiotikaeinsatz zu steigern. Die Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Tierhaltung und ein verändertes Kaufverhalten ist wohl langsam reif. Durch die katastrophale Geiz ist Geil-Mentalität von uns Verbrauchern tragen wir einen gewissen, wenn auch geringen, Teil Mitschuld an den Schwierigkeiten der Landwirte und stehen somit letztendlich auch in der Mit-Verantwortung. Wir müssen endlich begreifen, dass Lebensmitteln die ihnen zustehende Wertigkeit benötigen. Wir Verbraucher haben die Macht den Billigdiscountern die Stirn zu bieten und neue Wege im Kaufverhalten einzuschlagen. Und ein wenig mehr an Fleischverzicht fördert unsere Gesundheit und stärkt die kleinen bäuerlichen Betriebe! Ach ja, da wäre noch etwas. Lassen wir die Humanmediziner auch Ihren Anteil an der Resistenzproblematik haben.

Dr. Paul Münsterer 1. Vorsitzender Tierärztlicher Bezirksverband Oberbayern, München

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