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Warum Hausnamen für einen Soldaten faszinierend sind

Warum Hausnamen für einen Soldaten faszinierend sind

Schwabniederhofen - Für Geschichte interessiert sich der gebürtige Sauerländer und Berufssoldat Herbert Wintersohl (45) schon seit Jahrzehnten. Jetzt hat er seine Arbeiten auch schriftlich niedergelegt und im „Welf“, dem Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau, die Hausnamen Schwabniederhofens veröffentlicht.

„Die Hausnamenforschung hilft bei der Familienforschung, aber auch bei der Bestimmung von Handel und Gewerbe in einem Dorf. Dabei reicht die Kenntnis der Kirchenbücher oft nicht aus“, erklärt der 45-Jährige, der viele Monate im Jahr als Mitglied der Luftwaffe und Besatzungsmitglied einer Transall in der ganzen Welt unterwegs ist. Dazu gehören auch regelmäßige Afghanistan-Einsätze. Entschieden widerspricht Wintersohl allerdings, fragt man ihn, ob die Beschäftigung mit der Geschichte als Kompensation teils schlimmer Bilder aus Kriegsgebieten dient. „Nein, mein Interesse begann schon 1985, da war ich gerade mal 19 Jahre alt.“

Und wie kam er auf die Hausnamen von Schwabniederhofen? „Schnell erklärt“, sagt Wintersohl mit einem Lachen und fügt hinzu: „Von 1991 bis 1997 war ich in Altenstadt in der sechsten Inspektion stationiert. Damals habe ich auch meine heutige Frau kennengelernt.“ Und: Stefanie Demmler, so hieß sie damals, ist eine gebürtige Schwabniederhofenerin.

In der Folge „verdonnerten“ die Demmlers den Schwiegersohn in spe, von dessen geschichtlichem Interesse sie wussten, dazu, sich mit ihrer Familiengeschichte zu beschäftigen. Der 45-Jährige tat’s gern und konnte das Ergebnis - die Familienchronik - 1999 an die Schwiegereltern übergeben. Parallel befasste er sich auch mit der Ortschronik Schwabniederhofens, zu der auch die Hausnamen gehören. Drei Jahre forschte er, entdeckte dabei immer wieder Erstaunliches.

Beispiel gefällig? „Der Hausname Lumper war lange nicht sicher zu erklären, bis ich fünf Jahre später bei einer Arbeit über die Landsberger Papiermühlen auf den Lumpensammler Michael Seemiller aus Schwabniederhofen stieß. Heute ist sicher, dass dieser Namen von dem Beruf herrührt.“ Eine Ortschronik von Altenstadt hätte er auch machen können, „doch hat sich das irgendwie nicht ergeben“. Wohl aber die Beschäftigung mit den Hausnamen der Gemeinde. „Die sind mittlerweile auch erschienen“, sagt Wintersohl, „aber nicht im Welf, sondern im Lech-Isar Land.“ Warum in unterschiedlichen Heften? „Weil der Platz für beide im Welf nicht gereicht hätte und ich beide im gleichen Jahr veröffentlichen wollte.“

Hausnamen sind für den 45-Jährigen in all den Jahren zur echten Liebhaberei geworden. „Weil das ein endloser Prozess ist, man eigentlich nie fertig wird und es ungeheuer spannend ist.“ Und es schwingt eine gehörige Portion Stolz in seiner Stimme mit, wenn er konstatiert, „dass man zu fast 100 Prozent die Herkunft der Hausnamen Altenstadts und Schwabniederhofens bestimmen kann“.

Was er dabei herausgefunden hat? „Es gibt einen Namen, der reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und das ist Müller.“ Zwei weitere - Auhorn und Schöllhorn - stammen aus dem 16. , etliche aus dem 17. Jahrhundert, die meisten aber aus dem 18. Jahrhundert.

Einer, der sich das Wissen Wintersohls zunutze gemacht hat, ist der 76-jährige Franz Brenzing aus Schwabniederhofen. Sein Hausname Heisl - so Wintersohl - Brenzing selbst spricht von Hiasl - stammt aus dem Jahr 1700. Das damalige Anwesen wurde von den Brenzings bis 1976 selbst bewohnt und 1996 abgerissen. Heute steht dort ein Stall, in dem über 50 Kühe und Jungrind ein Dach über dem Kopf haben. Und die Brenzings wohnen direkt gegenüber im neuen Heim.

Für Herbert Wintersohl ist die Familie Brenzing nur eine von vielen, denen er mit seinen Forschungen mehr geschichtliches Fundament an die Hand geben will. Und er hat noch viele Ziele,ist sich sicher, „dass ich, wenn ich pensioniert werde, keine Langeweile haben werde“.

Geschichtsbezogene Vorträge mit regionalem Bezug hält er jetzt schon - erst kürzlich über die Vögte von Schongau in Peiting - später sollen noch Bücher dazukommen. Und auch noch so manche Ortschronik. „Ich habe in den vergangenen 25 Jahren so viel Material gesammelt, da habe ich noch genug zu tun.“

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