Aying - Ein Internetvideo schockt die Welt: Eine unbekannte Frau wirft vor der Kamera Hundewelpen in einen Fluss. Jetzt wurde eine 18-Jährige aus Bayern als Täterin denunziert. Laut Polizei ist sie völlig unschuldig. Doch die Hetzjagd hat begonnen.

„Das Mädchen auf dem Video ist definitiv nicht Melanie S.“, betont der Münchner Polizeisprecher Peter Reichl. „Da gibt es keinen Zweifel.“ Doch der wütende Protest ist nicht mehr zu stoppen. Die Angriffe auf Melanie S. beginnen. Die 18-Jährige lebt in Aying (Kreis München). Das Telefon steht nicht mehr still. Völlig fremde Menschen rufen an, beschimpfen sie, drohen, sie zu töten. Die Familie sucht verzweifelt Hilfe bei der Polizei.
Die Beamten ermitteln jetzt in drei Richtungen: Erstens gegen die Drohanrufer. Zweitens wegen „falscher Verdächtigung“ gegen den Unbekannten, der Melanie mit der angeblichen Entschuldigung denunziert hat. Und drittens gegen das Mädchen aus dem Video. Es gebe Hinweise, dass es in Bosnien-Herzegowina entstanden ist.
Kurze Sprachfetzen sind zu hören - jetzt analysieren Spezialisten der Polizei das Material. Dabei müssen die Fachleute auch klären, ob das Video überhaupt echt ist. Das Mädchen scheint zwar tatsächlich Welpen aus dem Eimer zu nehmen und zu werfen, doch dann verschwinden die Hunde jedes Mal aus dem Bild. Ob es wirklich die Welpen sind, die ins Wasser fallen, ist nicht sicher.
Ob die Polizei die wahre Täterin und den Denunzianten tatsächlich findet, ist fraglich. Doch nicht unmöglich. Jeder Computer, mit dem man ins Internet geht, hinterlässt eine IP-Adresse - sozusagen ein individuelles Nummernschild für den PC. Der Internet-Betreiber kann anhand dieser Nummer Rückschlüsse auf den Nutzer ziehen. Doch wer sich auskennt, kann mit Tricks seine IP-Adresse verschleiern.
Das alles ist wenig Trost für Melanie S., die unschuldig Ziel einer wirren Hetzkampagne wurde.
Thomas Schmidt
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