Der Notruf traf gestern Mittag um 11.55 Uhr bei der Polizei in Seefeld/Tirol ein. Ein Skitourengeher aus Benediktbeuern (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) rief um Hilfe, weil er gerade mit seinem Begleiter von einer Lawine auf der Hohen Munde bei Seefeld mitgerissen worden war. Der 54-Jährige, der sich selbst aus den Schneemassen befreien konnte, suchte verzweifelt nach seinem Freund.
Wie Erwin Vögele, Pressesprecher der Landespolizeidirektion Tirol, gegenüber unserer Zeitung berichtete, führt diese Skitour in sehr steiles, felsiges Gelände. Aufgrund der akuten Lawinengefahr konnten die Einsatzkräfte den Lawinenkegel nicht absuchen. „Ein Ortungsgerät wurde mit einem Seil an einem Hubschrauber montiert. Damit wurde der Verschüttete gesucht“, so Vögele. Um 14.30 Uhr wurde der Tourengeher geortet, eineinviertel Stunden später wurde ein Toter geborgen.
Rund 20 Einsatzkräfte waren mit drei Hubschraubern und einem Spürhund am Unglücksort. Die Leiche wurde nach Angaben des Polizeisprechers 500 Meter entfernt von der Abrissstelle der Lawine entdeckt – der Tourengeher wurde über steiles felsiges Gelände mitgerissen. Bei dem Toten handelt es sich um einen 63-jährigen Mann aus Benediktbeuern.
„Es ist schon sehr gefährlich derzeit in diesem Gelände“, sagte der Polizeisprecher. „Es gehen täglich in Tirol Lawinen ab, weil die Neuschneedecke noch nicht fest ist.“ Mit dem Opfer aus Oberbayern sind in dieser Saison bereits drei Wintersportler bei Lawinenabgängen ums Leben gekommen. Der schwerverletzte Tourengeher wurde mit einem Notarzthubschrauber nach Garmisch-Partenkirchen geflogen.
Er sollte noch gestern Abend im dortigen Krankenhaus operiert werden. Auch Thomas Bucher, Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV), bezeichnete die Tour als ausgesprochen anspruchsvoll. „Sie ist sehr steil, und bei Lawinengefahr kann es ziemlich kritisch sein.“ Gestern bestand in der Region unter 1800 Metern Höhe Lawinenwarnstufe 1 (gering), oberhalb Stufe zwei (mäßige Gefahr) von insgesamt fünf Gefahrenstufen. „Es ist sicher nicht so, dass man bei diesen Verhältnissen diese Tour nicht machen kann“, so Bucher. Jedoch brauche man dafür „sehr, sehr viel Erfahrung“.
Claudia Moellers

















