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Dachauer Traditionsgasthaus Hörhammerbräu seit zehn Jahren geschlossen

Dachauer Traditionsgasthaus Hörhammerbräu seit zehn Jahren geschlossen

Dachau - Gesucht wird ein solventer Liebhaber. Aber Anfragen kommen nur „spärlich herein, wie der Dachauer Bauamtschef Michael Simon zugeben muss. Also kein Märchenprinz in Sicht, der ein paar Millionen übrig hat und die Traditionsgaststätte wachküsst. Der Hörhammerbräu ist und bleibt dicht - jetzt seit genau seit zehn Jahren.

Im Juli 2007 geriet so mancher Dachauer Stadtrat in Wallung. Es ging um eine Anfrage der Salvator Grundbesitz AG. Die Eigentümerin des Hörhammerbräus wollte das Gebäude abreißen und noch drei benachbarte Anwesen dazu. Die Fassaden zur Konrad-Adenauer-Straße hin blieben bestehen, kündigte der Architekt an. Den Hang hinunter wollte man Wohnungen und ein Hotel bauen. Und natürlich werde die Gastwirtschaft wiederbelebt.

Doch das mit dem Abriss kam nicht an bei den Stadträten, weshalb sich die Salvator Grundbesitz AG rasch wieder zurückzog. Das mehrheitliche Nein im Stadtrat entsprach auch der Sichtweise von Michael Simon. Ein Abriss wäre ein „fataler Fehler“, sagte der Leiter des städtischen Bauamts damals. Ein Bauherr müsse sich vielmehr mit dem Bestand auseinander setzen.

Und genau hier lag und liegt das Problem. „Es dreht sich alles im Kreis“, sagt Simon heute. Salvator wolle verkaufen und nicht mit einer Planung für ein tragfähiges Konzept in Vorleistung gehen. Doch potenzielle Käufer haben nur ein Interesse: Was geht auf dem Grundstück? Und kommen so in Konflikte, weil Denkmalschutz-Belange zu beachten sind.

Der Hörhammerbräu, mit 5000 Quadratmetern ein riesiger und extrem verwinkelter Komplex, steht zunächst grundsätzlich unter Denkmalschutz. Aber bei konkreten Vorschlägen, was gebaut werden solle, seien „Abwägungen möglich“, sagt Simon. „Dann könnten auch Landesamt für Denkmalpflege und die Stadt mitgehen.“ Doch welche Kompromisse sind vertretbar?

Im Grundsatz hat sich also nichts geändert zur Situation 2005. Denn Kompromisse lassen sich nur schwer finden mit Investoren, die Geld verdienen wollen. Dr. Edgar Forster, Stadtrat der Freien Wähler und bekannt wegen seiner beliebten Führungen durch Dachauer Bierkeller und Biergeschichte, will sich nichts vormachen. Es werde kaum jemand auftauchen, der ein paar Millionen in das zunehmend verfallende Wirtshaus reinrichtet und dann nur Bier und Schweinsbraten verkaufen will.

Mit anderen Worten: Es ist weit und breit kein Liebhaber in Sicht.

Das weiß auch Michael Simon. Er würde deshalb auf einen Nutzungsmix setzen: im Erdgeschoss „urbane, öffentliche Nutzung“. Das könnte wieder das Gasthaus sein, muss aber nicht. Simon: „Ob die fünfte große Wirtschaft in der Altstadt eröffnen muss, kann man hinterfragen.“ Alternativ wäre ebenso Einzelhandel oder eine öffentliche Einrichtung denkbar. Im Obergeschoss könnten Wohnungen gebaut werden. Gleichzeitig sollten die zugebauten Innenhöfe entkernt werden: „So käme auch wieder mehr Licht ins Gebäude.“

Ganz oben befindet sich der barocke und sehr wertvolle Dachstuhl. Der Denkmalschutz hier bedeutet große Einschränkungen in der Dachgestaltung. Allenfalls ließe sich der Dachstuhl in eine Edelwohnung integrieren.

Ein neuer Eigentümer müsste obendrein irgendwie Stellplätze für die Wohnungen herbringen, und zwar im Haus. Technisch schwierig, „aber das könnte man hinkriegen“, sagt Simon.

Obwohl das Haus alt ist und seit einem Jahrzehnt leer steht, seit es vergleichsweise in einem guten Zustand, weiß Forster aus vielen Besuchen.Vor etwa 25 Jahren sei das Dach repariert worden, es regnet also nicht rein. Dass hie und da der Putz runterfällt, sei kein großes Problem, „die Mauern sind so stabil wie bei einem römischen Kaiserpalast“. Dafür aber seien enorme Investitionen nötig, um die hochbetagte Haustechnik auf einen modernen Stand zu bringen.

So etwas schreckt jeden Investor erst einmal ab. Deshalb wird immer wieder eine Alternative ins Gespräch gebracht: Soll die Stadt doch kaufen.

Michael Simon nennt zunächst einen großen Vorteil, sollte die Stadt Eigentümerin werden: „Wir hätten Handhabe an dieser Stelle“. Soll heißen: Mit einer cleveren Nutzung ließe sich viel tun für die immer und immer wieder propagierte Belebung und Aufwertung der Dachauer Altstadt. Aber der Kauf wäre teuer, die Rede ist von mindestens drei Millionen Euro. Geld, das der Stadt dann woanders fehlt.

Außerdem hat die Stadt ebenso wenig Erfahrung mit der Entwicklung solcher Gebäude wie mit unternehmerischer Tätigkeit bei der späteren wirtschaftlichen Nutzung. Simon: „Wir müssten Know-How einkaufen.“

Die Salvator Grundbesitz AG wollte nicht viel sagen zum Thema, schon gar nichts Konkretes. Man sei in allen Richtungen offen, hieß es nur. Im April aber stünde eine Entscheidung an, dann gebe es Neues. Weklche Entscheidung das ist, blieb unbeantwortet. (tol)

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