Dachau - Sieben Frauen hatten die Nase voll von dem, was aus dem Weiberfasching geworden war. Sie „strickten" sich ihren Ball so, wie sie selbst ihn favorisieren: ohne Mann.

Sie kennen sich aus, denn sie sind über die Jahre viel herumgekommen im Landkreis auf ihrer Suche nach dem perfekten Weiberball: Zufrieden gestellt hat sie keiner. „Frauen wollen beim Weiberball einfach nur Spaß, ausgelassen sein und tanzen, tanzen, tanzen, da braucht es keinen Man-Strip oder die späte Stippvisite der Herren“, sagt Doris Wittmann. „Wenn da ein Mann auftaucht, kippt die Stimmung“, weiß Maria Kaltner: „Das ist, als wenn man einen Schalter umlegt.“
Zusammen mit Silvia Rabl, Sonja Schönwetter, Susanna Neumeier, Michaela Pauli und Manuela Wächtler organisieren die faschingserprobten Damen nun schon im vierten Jahr ihren eigenen Weiberball: Von Weibern für Weiber. So heißt auch der Verein, den sie dafür ins Leben gerufen haben. Seit dem vergangenen Jahr haben sie Verstärkung bekommen: Die Mitgliedszahl ist jüngst auf acht angewachsen. „Wenn wir ein paar mehr wären, könnten wir auch über andere Aktivitäten nachdenken“, sagt Michaela Pauli und spricht den Kolleginnen aus der Seele. Denn allesamt sind berufstätig, haben Familie und sind ziemlich eingespannt. Da kann es passieren, dass sich die Nachbesprechung des Faschingsball bis in den Sommer hinein verzögert.
Den Weiberball allerdings stemmen sie mit Verve. Sie lassen sich allerhand einfallen und schalten ihre Netzwerke ein. So konnten sie zum Beispiel heuer bereits zum zweiten Mal die Marktweiber vom Viktualienmarkt für einen Auftritt gewinnen. Denen hat es im vergangenen Jahr so gut gefallen, dass sie für ihre Dachauer Fans sogar ein Extraprogramm einstudiert haben.
„Es macht riesig Spaß, soe ein Echo zu bekommen“, lacht Sonja Schönwetter und Michaela Pauli bestätigt: „Von Jahr zu Jahr klappt es reibungsloser“, weil ja „Jede genau weiß, was sie zu tun hat“, ergänzt Silvia Rabl.
Die sieben „närrischen Weiber“ kaufen die Katze nicht im Sack. Sie wählen die richtige Band mit Bedacht, denn sie wissen, dass sich auch ihr Publikum vorher schlaumacht. Heuer kommen die „Dirty Tones“ zum Zug, und Manuela Wächtler packt den Laptop aus, zeigt den Mitstreiterinnen das Video vom Tanztraining der Münchner Marktweiber.
Deren Engagement flößt ihnen allen Respekt ein: Um drei Uhr morgens in der Großmarkthalle, den ganzen Tag am Stand - und dann zweimal die Woche noch für zwei Stunden ins Tanzstudio. Nicht zu vergessen die Kostüme, die individuell auf das jeweilige Standlangebot abgestimmt ist. „Viele glauben, das ist ein Fake“, sagte Maria Kaltner, aber das sind wirklich die echten Marktweiber vom Viktualienmarkt.
Von der Unsicherheit des Balldebüts 2009 ist nichts geblieben: Inzwischen brummt die Nachfrage und es gibt für heuer nur noch Saalkarten. Was die närrischen Weiber besonders freut: Keiner muss besonders hipp drauf sein, ihr Publikum genießt die fröhliche und entspannte Atmosphäre - bis ins hohe Alter. Sogar eine 88-Jährige hatte beim ersten Ball ihren Spaß. Das war 2009 beim noch etwas verkrampften, ungewissen Start in der Ziegler-Veranda mit viel Mut zum Risiko. Inzwischen hat der Weiberball als Veranstaltung von Weibern für Weiber im Thomahaus eine Heimat gefunden. Und begeisterte Fans: Die Nachfrage ist im Vergleich zum Vorjahr wieder um 30 Prozent gestiegen.
(don)
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