Superbanner

Frust über Freizeitpolitiker

Dachau - Ursprünglich ging es einmal um den Pfarrkindergarten Mariä Himmelfahrt. Um den geplanten Neubau, zu kleine Räume und zu hohe Mauern. Doch mittlerweile ist zu dem Problem einiges hinzu gekommen: Enttäuschung, Frust und Wut - gegenüber der Politik.

Der Frust ist groß: Christoph Maier (links) spricht über seine Erfahrungen mit Politikern, die Stadträte Peter Denk (ÜB, Mitte) und Volker C. Koch (SPD) lauschen. Foto: Habschied

Der Frust ist groß: Christoph Maier (links) spricht über seine Erfahrungen mit Politikern, die Stadträte Peter Denk (ÜB, Mitte) und Volker C. Koch (SPD) lauschen. Foto: Habschied

Es gibt einen wunden Punkt. Einen Fehler. „Im Endeffekt haben wir die Frage falsch gefasst“, räumt Christoph Maier ein. „Denn wenn wir den Bürgerentscheid gewinnen, dann passiert einfach gar nichts.“

Doch über diesen Fakt (siehe Kasten) sehen die Zuhörer der Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative (BI) „Raum für Kinder“ nur zu gerne hinweg. Rund 100 Leute sind in den kleinen Theatersaal im ASV gekommen, um dabei zuzusehen, wie die Diskussion um den Pfarrkindergarten Mariä Himmelfahrt „wieder auf die sachliche Ebene“ geführt wird, wie Initiator Christoph Maier zuvor ankündigt hatte.

Diese sachliche Ebene wird gleich zu Beginn der Veranstaltung eingeläutet, als Moderator Steffen Jenter, Journalist, und deshalb, wie er betont, „neutral“, Namensschilder hochhebt. Diese Schilder seien für all die eingeladenen Teilnehmer gedruckt worden, die nicht erschienen sind: Oberbürgermeister Peter Bürgel, Dekan Wolfgang Borm, Grünen-Politikerin Susanna Tausendfreund und Architekt und Stadtrat Kai Kühnel (Bündnis). Diese Personen seien der Meinung, dass „alle Argumente ausgetauscht“ sind, erklärt Jenter - gefolgt von einem kleinen Aufruhr unter den Zuhörern.

Ein Großteil des Publikums ist schon über das Ausbleiben der Verantwortlichen nicht gerade erfreut. Und auch über vieles andere nicht, immer wieder werden laute Kommentare in den Raum hinein gerufen. Es scheint, als ob es den Gästen gar nicht so sehr um die Vor- und Nachteile des Kindergarten-Neubaus geht, und auch gar nicht so sehr um den Bürgerentscheid, sondern eher um Grundsätzliches. Viele haben einen gewissen Frust in sich, und auch: Wut. Wut auf den Oberbürgermeister, Wut auf den Stadtrat, Wut auf die Stadtverwaltung und Wut auf das System, das den Politikern erlaubt, Entscheidungen zu treffen, ohne die Bürger vorher um Rat gefragt zu haben.

Und so sind es diese Grundsatzfragen, die von Moderator Jenter gestellt werden. Ist es dem Oberbürgermeister egal, was die Bürger denken? Sind die Bürger zu wenig in die Entscheidungen der Stadt eingebunden? Sind die Dachauer Politiker noch von vorgestern, während die Bürger schon im Morgen angekommen sind?

Diese Fragen sollen erklärt werden - und zwar von den beiden Stadträten, die sich auf das Podium getraut haben: Volker C. Koch (SPD) und Peter Denk (ÜB). Die beiden „Freizeitpolitiker“, wie Moderator Jenter sie betitelt, versuchen zunächst tapfer, die Entstehung des Projekts zu erklären. „Wir haben in den Fraktionen das Für und Wider diskutiert“, berichtet Koch. „Wir haben uns überlegt, was das Beste für die Kinder ist“, fügt Denk hinzu. „Aber letztendlich muss man eben für eine Alternative stimmen“, so Koch. Und die beste sei ihrer Meinung nach der Neubau-Plan der Stadt.

Doch Peter Rehm und Christoph Maier, die als Redner der BI auf dem Podium sitzen, geht es um etwas anderes: Darum, dass sie und ihre Einwände nicht beachtet worden seien. „Es gab keinen Versuch, uns wirklich zu verstehen“, behauptet Maier. Die vielen Stadträte, die als Gäste gekommen sind, stöhnen hörbar auf. „Einspruch, Herr Maier!“ ruft Günter Heinritz (SPD). Ja, räumt Maier daraufhin ein, es habe sehr gute Einzelgespräche mit den Stadträten gegeben. Aber entschieden hätten die Stadträte letztendlich eben doch gegen die Bürgerinitiative.

Zudem habe Maier kein Rederecht im Stadtrat bekommen, er sei beleidigt worden, eine Antwort auf seinen Vorschlag habe er auch nicht bekommen, und zudem seien die Stadträte „fehlinformiert“ über Förderungen. Vorwürfe, die die Zuhörer fast zum Kochen bringen: „Da platzt mir ja die Rübe“, schreit ein Bürger wutentbrannt in Richtung Koch. Bis auch dem der Kragen platzt: „Also, für die Stadt und den OB halte ich den Kopf nicht hin.“

Schlussendlich sind sich die Anwesenden zumindest in zwei Dingen einig. Erstens: Es soll mehr Transparenz in der Politik geben. So sei es „bedauerlich“, so Professor Heinritz, dass die BI auf ihren Vorschlag keine schriftliche Antwort bekommen hat.

Und zweitens: Die Fragestellung des Bürgerentscheids ist nicht unbedingt gelungen. Aber um den geht es an diesem Abend sowieso nicht.

(np)

zurück zur Übersicht: Dachau

Kommentare

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Karte Landkreis DachauOdelzhausenAltomünsterMarkt IndersdorfKarlsfeldDachauPetershausenHaimhausenzurück zur Region

Wetter für Dachau

Aus dem Landkreis

Eltern von Profigolferin bei Unfall schwer verletzt

Eltern von Profigolferin bei Unfall schwer verletzt

Petershausen/Gut Häusern - Bei einem schweren Verkehrsunfall zwischen Ebersbach und Petershausen sind in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die Eltern einer britischen Profi-Golfspielerin schwer verletzt worden.Mehr...

Vierkirchner Turmlauf spannend wie nie

Turmlauf spannend wie nie

Vierkirchen - Spannend wie nie war der Vierkirchner Turmlauf: Bei den Herren stritten sich Roland Rigotti, Oliver Fahn und Benedikt Arzberger um die Krone. Bei den Damen beharkten sich Claudia Kaspar und Yvonne Kleiner. Darüber geriet sogar die Champions-League-Pleite des FC Bayern in Vergessenheit.Mehr...

Aktuelle Fotostrecken

Kein Abistreich am Taschner: Das sagen die Betroffenen

weitere Fotostrecken:

Aktuelle Videos

Videos werden geladen...0:00
Bild mit Ladehinweis

Weitere Informationen für dieses und andere Videos werden geladen...

Abspielen

Alle Videos

-cQsQSjKe1q6Y14uLo3ivuElQ2zsPqi5W8XyhmnDpmk.http://www.merkur-online.de/media/video/37063960011755456930

Berichte im Fokus

  • Meistgelesene Artikel
  • Meistkommentierte
  • Themen

Abistreich gestrichen: Schule droht mit Konsequenzen

Dachau - Am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium wird es keinen Abistreich geben. Die Schulleitung hat ihn unter Androhung von Strafe verboten - mit folgender Begründung:Mehr...

Kein Abistreich: Widerstand im Internet

Dachau - Die Abiturienten am Ignaz-Taschner-Gymnasium dürfen keinen Abistreich veranstalten. Nun regt sich Widerstand im Internet. Auf Facebook hat sich bereits eine Gruppe formiert, die Alternativen auslotet - mit wachsendem Zuspruch.Mehr...

Der Retter

Dachau - Dieter Schneider ist Chef im Autohaus Schneider, Liedtke-Chef, Löwen-Chef.Am heutigen Sonntag wird er 65 Jahre alt. Und denkt gar nicht erst ans Aufhören.Mehr...

Abistreich gestrichen: Schule droht mit Konsequenzen

Dachau - Am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium wird es keinen Abistreich geben. Die Schulleitung hat ihn unter Androhung von Strafe verboten - mit folgender Begründung:Mehr...

Kein Abistreich: Widerstand im Internet

Dachau - Die Abiturienten am Ignaz-Taschner-Gymnasium dürfen keinen Abistreich veranstalten. Nun regt sich Widerstand im Internet. Auf Facebook hat sich bereits eine Gruppe formiert, die Alternativen auslotet - mit wachsendem Zuspruch.Mehr...

Polizei stellt klar: „Wir tun alles“

Dachau - Wie berichtet, ist der 21-jährigen Diana Esch in der Disco „Nachtschicht" die Handtasche mit Autoschlüssel und später auch noch der Wagen gestohlen worden. Unserer Zeitung gegenüber hatte die Eschenriederin schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsarbeit der Dachauer Polizei erhoben. Die Inspektion stellt nun in einer Presseerklärung klar: Sie hat alles getan.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper