Dachau - Ein irres Gedränge herrschte beim Dachauer Faschingszug. Viele tausende Besucher waren bei schönstem Wetter in die Altstadt gekommen, um die originellen Wagen zu bestaunen.

Beim Dachauer Faschingszug lagen Schrecken und Freude nah beieinander: Grauslige Hexen, Untote, Teufel und Steinzeitmenschen waren nichts für schwache Nerven, aber es gab auch freundliche Figuren aus Märchen, Sport und Politik.
Angeheizt von der trommelnden Brasil-Truppe der Dachauer Stadtkapelle und Musik wälzte sich der Faschingszug fast zwei Stunden lang durch die Altstadt. Dass heuer extrem viele Zuschauer die Straßen und den Rathausplatz bevölkerten, lag sicherlich auch an den Plusgraden und Sonnenschein.
Dabei herrschte keineswegs Grabesstimmung. Auf die vielen Kinder regnete es Bonbons und Stofftierchen, Bäckermeister Peter Denk und die Vorsitzende von „Unser Land“ Michaela Steiner hatten die Hölle verlassen, um teuflisch gute Krapfen zu verschenken. 36 Wagen und Fußgruppen aus Dachau und der Region waren mit überwiegend karnevalistischen Motiven, aber auch politischen Botschaften dekoriert: Zur Griechenland-Krise hatten die Walkertshofener das Rettungsschiff RMS Europa gechartert, die neue Piratenpartei war in Gestalt von „Black Mambas“ dabei, „Bye bye Offizierschule“ bedauerten die Schützenjäger aus Gernlinden und die Moosburschen stellten die „Arche Bayern“ für das nahende Ende bereit.
Im Übrigen waren die Motive bunt gemixt. Zweibeinige Bierflaschen trafen auf den im Februar 1902 hingerichteten Räuber Kneißl, Superhelden aus Esting auf Hexen aus Kammerberg und Cowboys aus dem Webling-Gündinger „Western Saloon“ auf blaugesichtige Schlümpfe aus Sigmertshausen. Die Niederrother hatten nicht nur Schneebar, sondern auch die eigene Skipiste dabei, die Burschen Lauterbach einen Wellnesstempel. Zwischen der Moosacher Puppenkiste, Asterix und Obelix und das Land der Zauberer und Hexen gratulierten Freunde dem Dachauer „Rudi“ mit einem Karnevalswagen zum 40. Geburtstag. Das Schlusslicht machte der „Hollywood“-Wagen von Radio Gong, der vor dem Rathausplatz freche Sprüche gegen die Stadträte auf dem Balkon abfeuerte. Die Rathausjury unter Vorsitz von Bürgermeister Peter Bürgel prämierte von dort oben die besten Wagen. SPD-Stadtrat Horst Ullmann grüßte ganz in weiß als Schiffs-Kapitän herunter, Claus Weber (CSU) schränkte den Karriereschub jedoch unmissverständlich ein: „Er ist der Schrott-Kapitän der Costa Concordia“. Den desolaten Zustand machten die Trachtenschuhe zum Kapitänsanzug deutlich.
Eine Auszeichnung für Originalität erhielt das Motto der Motorsportfreunde Olching. Als erster „Bürgerschlumpf“ stellt Andreas Magg die Frage: „Wo soll ich regieren?“. In der Kategorie Schönheit ging der erste Preis ebenfalls nach Olching. Die „PMFCO“- Crew führte die schneidigsten Piraten mit. Der Burschenverein Günding beeindruckte die Jury mit tanzenden Disney-Figuren und dem Märchenschloss, das durch die Altstadt rollte. Die keulenschwingenen Steinzeitler aus Ampermoching, die selbstbewusst postulieren „Die ersten wa(h)ren Mochinger“, wurden mit dem dritten Preis gekürt. Einen Preis bekam auch die jugendliche Fußgruppe „Franziskas 13. Geburtstag“, die sich der Schulreform des G 8 widmete: „Lernst Du schon oder lebst Du noch?“.
(sch)
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