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Jimmy Kazanas ist Türsteher - unter anderem arbeitet er vor der Roxi in Dachau

Der Dazwischengeher

Jimmy Kazanas ist Türsteher. Und das schon seit 20 Jahren. Der 38-Jährige liebt seinen Beruf - aber er kennt auch die Schattenseite. Denn einmal ist sogar auf ihn geschossen worden.

© kn

Jimmy Kazanas ist Türsteher - aus Leidenschaft

Jimmy, wie wird man Türsteher?

Eigentlich habe ich nach meinem Abitur eine Kochlehre angefangen. Ich wollte auf eigenen Beinen stehen und mein Essen selber zubereiten können. Ein Freund hat mich dann gebeten, am Güterbahnhof in Dachau an der Tür manchmal auszuhelfen. Das hat mir so Spaß gemacht, dass ich 20 Jahre dabei geblieben bin.

Braucht man eine Ausbildung?

Ja, ich habe eine Sachkundeprüfung bei der IHK machen müssen. Da lernt man, welche Rechte man hat, was man darf, was nicht. Ohne sich aber selbst fit zu halten, kann man den Beruf nicht ausüben. Ich mache seit zwölf Jahren Thai-Boxen. Ein Kampfsport ist einfach wichtig, dass ich mich im Notfall auch wehren kann.

Wann darfst Du handgreiflich werden?

Erstmal muss ich abwarten. Wenn der erste Schlag kommt, darf ich mich wehren. Ich muss also immer in Notwehr handeln. Aber auch dann müssen meine Handlungen dem Angriff gerechtfertigt sein.

Stehst Du nur an der Tür?

Nein ich mache auch Konzerte, Fußballspiele, arbeite als Kaufhaus-Detektiv und biete Personenschutz. Bei einem reichen Kerl zum Beispiel, der zwei Leute braucht, die ihn beschützen können.

Ist Dir dabei schon mal was passiert?

Ja. Ich hab mal im A9 einen Barhocker übers Kreuz gezogen bekommen. Es war aber nicht so schlimm. Am nächsten Tag hatte ich zwar Schmerzen, aber es ist alles wieder gut verheilt. In Indersdorf sind wir auch mal angeschossen worden. Wir haben zwei Italiener rausgeworfen, die dann mit Pistolen wiedergekommen sind. Sie haben sich knapp 20 Meter vor uns aufgestellt und abgedrückt. Ich hatte zum Glück nur einen Streifschuss am Knöchel. Meine Kollege allerdings hatte einen Bauchschuss. Er wurde mit dem Hubschrauber sofort ins Krankenhaus gebracht. Dort haben sie ihn gleich versorgt.

Hast Du seitdem Angst?

Klar war es am Anfang komisch. Mit so etwas habe ich einfach nicht gerechnet. Deswegen will ich mich aber nicht aus meinem Beruf drängen lassen. Natürlich ist immer ein Risiko dabei. Zu Hause warten schließlich meine Frau und zwei Kinder auf mich. Es ist aber auch eine Art Kick. Es ist eben mein Job, den hab ich mir so ausgesucht.

"Man wird sehr oft beschimpft. Aber darüber muss man stehen."

Ist es für dich schlimm, nachts zu arbeiten?

Es ist nicht einfach, aber die Nachtschichten sind nur dreimal die Woche. Tagsüber arbeite ich dann als Kaufhaus-Detektiv.

Kriegst Du oft ein böses Feedback?

An einem Abend wird man sehr oft beschimpft. Ich wäre nicht intelligent, hätte doch eh keinen Abschluss und nichts im Kopf. Da steh ich aber drüber. Ich sehe das als Schutzreaktion an, weil ich jemanden nach Hause schicken musste. Ich bin aber trotzdem nett, geh auf die Leute ein. Ich versuche ihnen zu erklären, warum sie gehen müssen. Ich sehe meinen Beruf eben nicht als Machtposition an, sondern vielmehr als Dienstleistung an unseren Gästen, die einfach nur gerne feiern möchten.

Haben alle Deine Kollegen so eine Einstellung?

Ja, es gibt auch schwarze Schafe, die sich einfach nur profilieren wollen und die nur Leute schlecht behandeln. Sie meinen, damit kommen sie weiter. Das ist aber nicht die richtige Art. Mit so jemandem arbeite ich nicht zusammen.

Hat man als Frau eine Chance?

Natürlich. Manchmal ist es sogar besser, weil Frauen Situationen viel besser deeskalieren können als Männer. Auf der anderen Seite ist es aber auch schwierig, weil Frauen oftmals unterschätzt werden und sie nicht richtig respektiert werden.

Greifst Du auch privat ein, wenn Du eine Schlägerei siehst?

Ich gehe immer dazwischen. Vielleicht ist es einfach der Instinkt. Ich geh immer mitten rein. Natürlich schaue ich auf auf mich selbst, aber in so einem Augenblick denke ich nicht viel darüber nach. Ich versuche einfach zu helfen!

Interview: Regina Peter

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