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Christy&Emily in der Ampermochinger Fabrikhalle

Ein diffuses Knäuel von Tönen

Der Punk ist nach Ampermoching zurückgekehrt. Eine Reminiszenz an die 80er-Jahre, die Blütezeit der revolutionären Rockmusik, die im Ampermochinger Gasthaus Zur Post ein lokales Zentrum gefunden hatte  mit Christy&Emily.

© Habschied

Christy&Emily in der Ampermochinger Fabrikhalle.

 Die Post hat nun schon seit einigen Jahren geschlossen, und so findet das Sonderkonzert des Vereins Tollhaus Dachau einige hundert Meter entfernt in einer Fabrikhalle am Ortseingang statt. Die Protagonisten: das außergewöhnliche Duo Christy&Emily. Die Besucher von damals sind erwachsen geworden. Genau wie „ihre“ Musik. Aus simplem Punkrock entwickelte sich eine Vielzahl von genreübergreifenden Strömungen. Und so warf der Punk seinen produktiven Schatten auch auf Christy & Emily aus Brooklyn, New York. Vor allem auf Gitarristin Christy Edwards. Sie ist Punk-Szene entschlüpft, um mit Pianistin Emily Manzo – sie kommt von der modernen Klassik – neue Wege zu beschreiten. Dieser Weg führte sie nun zu einer Fabrikhalle in Ampermoching. Im Gepäck: ihr viertes Album Tic-Tac-Toe. Bereits vor zwei Jahren war das Duo im Café Gramsci zu Gast. In die kleine Hinterhofkneipe verschlägt es hin und wieder auch Peter-Michael Zieger, Geschäftsführer der Firma ATD. Diesmal wechselte er vom Gast zum Gastgeber. Er stellte dem Tollhausverein die Räume seiner Firma für das Konzert der New Yorker Künstler zur Verfügung. Die Halle ist spärlich eingerichtet: zwei Biertischgarnituren, eine Handvoll einzelner Stühle. Wer leer ausgeht, steht eben. Eine provisorische Bar mit Wein aus Pappbechern und Bier aus der Flasche. Was nicht gebraucht wird, ist mit blauer und grüner Plane abgehängt. Mit den ersten Tönen wird es dunkel, die hellen Neonröhren an der Decke gehen aus. Nur ein paar Kerzen flackern im Raum, die Bühne ist kaum beleuchtet. Emily alleine sorgt für ein klassisches Vorprogramm. Chopin auf dem Klavier, dazu Zeichnungen, per Beamer an die Wand geworfen, die die Liebesgeschichte des Komponisten illustrieren. Und dann der Bruch. Emily wechselt vom Klavier zum mit silberner Paillettendecke geschmückten Keyboard. Der Auftritt des Duos beginnt. Ein Duo, das genau genommen inzwischen zu einem Quartett angewachsen ist. An den Drums sitzt eine begeisternde Kristin Müller, dazu Peter Kerlin am Bass. Gemeinsam fabrizieren die Künstler einen unvergleichlichen Sound. Ein Knäuel aus Tönen breitet sich in der provisorischen Konzerthalle aus. Sind die Stücke fröhlich oder melancholisch? In vielen Songs lässt sich diese Frage kaum beantworten. Der Auftritt ist geprägt vom zweistimmigen Gesang der beiden Protagonistinnen und einem ganzen Arsenal von Effekten. Ein diffuses Gesamtbild, das an die ungewöhnlichen Arrangements des Psychedelic Rock erinnert. Selbst bezeichnen die beiden Damen ihre Musik als avantgardistischen Folk-Pop. Die Zuhörer sind beeindruckt: Köpfe nicken und Fußspitzen tippen – wenn sie den Rhythmus finden. Lediglich die Zugabe fällt aus dem Rahmen. Ein Cover des 40er-Jahre-Klassikers „Good Night Irene“ zur Erinnerung an den verstorbenen Soulsuperstar Whitney Houston. Künstler treten ab, doch ihre Musik bleibt. Nur noch wenige Bands, die damals in Ampermoching ihre politische Botschaft verbreiteten, sind noch aktiv. Aber: Punk’s not dead. Er lebt weiter, wenn auch in neuem Gewand.

Domink Göttler

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