Musikvideos, Freestyle-Ski-Aufnahmen und ein Dreh für das Bayerische Fernsehen - das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Josef Schilchers filmischem Schaffen, und das obwohl der Indersdorfer erst 19 Jahre jung ist. Sein aktuelles Projekt: Ein Hiphop-Dreh. Auf bayerisch.

© fkn
Drehort Klosterbrauerei: Josef Schilcher filmt den Boarischen Bou.
Dreimal erklingt ein lauter Piepton. Dann rollt der Synthie-Beat gemächlich an, „viva la Bavaria, eich Oaschlecha“ poltert eine Stimme, bis schließlich die schweren Drums und ein stampfender Bass einsetzen und der Refrain durch die alten Gemäuer dröhnt. Mit „mei Maul is mei Kanona, de Lyrics de Patrona“, legt der Boarische Bou aka BBou aka Michael Honig beim Dreh seines neuen Musikvideos los. Hinter der Kamera, gut versteckt unter Mütze und Kapuze: Der erst 19-jährige Josef Schilcher.
Der Indersdorfer fühlt sich wohl mit der Kamera in der Hand. Ausgestattet mit einem Schwebestativ schreitet er auf und ab. Stets neben ihm: ein Kumpel mit Lampe, damit auch alles im richtigen Licht erscheint. Ihnen gegenüber rezitiert der BBou fleißig seine Punchlines. Der 25-jährige oberpfälzer Battle-Rapper und selbsternannte Chefgrantler ist extra aus Amberg angereist, um mit Josef Schilcher ein Video für seinen Track „Kanona“ zu drehen. Schauplatz: die leer stehenden Räume der ehemaligen Klosterbrauerei in Indersdorf.
Vor zwei Jahren hat sich Josef seine erste Kamera gekauft, imposante Bilder und Aufnahmen hatten ihn schon lange fasziniert. Dann kam eines zum anderen und Schritt für Schritt hat sich Sepp Morrison, wie er sich hinter der Kamera getauft hat, einen Namen gemacht. Mittlerweile hat er für das Jugendmagazin on3-Südwild des Bayerischen Fernsehens ein Vorstellungsvideo über die Stadt Dachau gedreht und der Rockband Shenaniganz ein Musikvideo auf den Leib geschneidert.
Jetzt ist der BBou an der Reihe. Die Musik tönt aus einem kleinen Rucksack mit Boxen, Quelle ist ein Mp3-Player, nicht mehr als zwei Finger breit. Doch der Sound breitet sich aus im Sudhaus der alten Brauerei, die grünen Kacheln an den Wänden und die zwei großen kupfernen Braukessel werfen den Beat zurück in den Raum. Im Hintergrund: sieben wuchtige Kerle, Oberkörper frei, die Gesichter maskiert mit weiß-blau karierten Tüchern. Der Rap ist bayerisch, die Maskerade demzufolge auch. In den Händen halten die Statisten Hackebeile und Schaufeln, während sie mit dem Kopf zum Beat nicken. Ein wenig Gepose darf nicht fehlen, es wird ja schließlich ein Hiphop-Video. Nur die leicht bekleideten Damen fehlen. Aber dafür ist es dann doch zu kalt in dem unbeheizten Sudhaus. Vor der Tür schneit es gerade kräftig. Trotz Gänsehaut haben die Jungs den größten Spaß.
Freestyle mit den Nine Knights:
Ebenfalls über ein Ski-Video war der Kontakt zum Boarischen Bou entstanden. Josef war auf der Suche nach geeigneter Hintergrundmusik für eines seiner Videos und stieß dabei auf die blau-weißen Raps des Ambergers. Er rief ihn an, um über die Verwendungsrechte zu verhandeln, und der BBou war gleich Feuer und Flamme. So entstand auch die Idee, bei einem gemeinsames Projekt zusammenzuarbeiten.
Der Nachmittag bricht an, zwei Stunden sind die Jungs jetzt schon am Drehen. Immer und immer wieder beginnt der Song von vorne, und bei jedem Neuanfang wechseln der Rapper und seine Crew den Schauplatz. Sogar in den alten Braukessel steigt der Protagonist. „Oder is des zu lächerlich?“, fragt er und grinst. Es wird sich noch bis in die Abendstunden hinziehen. Bei jeder Unterbrechung scharen sich die Teilnehmer um Josefs kleine Kamera und blicken erwartungsvoll auf das Ergebnis. Dann wird diskutiert. Hier könnte man sich doch anders hinstellen, das müsste doch noch mit drauf. Und wieder von vorne.
Nach dem Drehtag folgt die mühevolle Kleinarbeit. Sequenz für Sequenz müssen die einzelnen Passagen zusammen geschnitten werden. „Das dauert noch ‘ne ganze Weile“, meint Josef, der derzeit die Fachoberschule in Karlsfeld besucht. Das Filmen ist dennoch mehr als ein Hobby: „Im Moment füllt die Filmerei meinen Freizeitplan von November bis April komplett aus.“ Die Arbeit mit der Kamera ist für ihn auch eine Berufsperspektive: „Es soll definitiv in die Richtung weitergehen, mal sehen, wo mich die Reise hinführt.“
In nächster Zukunft führt sie erst einmal nach Glonn. Dort ist ein Shooting mit bekannten Dirt-Bike-Fahrern geplant, inklusive Seilkamera. Das Projekt stand eigentlich schon für 2011 im Kalender, die dichten Nebelwolken im Herbst machten Josef und seinen Fahrern aber einen Strich durch die Rechnung. Im zweiten Anlauf soll es jetzt klappen.
Josef wird dann wieder hinter der Linse sitzen. Mit vollem Einsatz. Und mit Mütze und Kapuze.
Dominik Göttler
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