Phil Vetter hat es geschafft. Er macht seine Musik, frei von Zwängen und Vorgaben. Und er kann davon leben. Und so heißt auch die erste Single aus seinem frisch gepressten Album „Karate“, das er in der Dachauer Kultur-Schranne präsentierte: "Geschafft".

© Habschied
Phil Vetter mal ohne Melancholie.
Immer wieder zieht es den verlorenen Sohn zurück in die Heimat, zum Amperitif, ins Café Gramsci, oder eben jetzt in die Kultur-Schranne. Geboren wurde er „da drüben“, sagt er, während er in einer Pause seine Gitarre stimmt und in Richtung der ehemaligen Koschade-Klinik zeigt.
Schon mit acht Jahren wollte er unbedingt Trompete spielen und kam so zur Jugendkapelle Karlsfeld. Ein Jahr später kam das Schlagzeug dazu, mit 14 die Gitarre und später auch noch das Klavier. Bei seinem Auftritt in Dachau beschränkt sich der Multiinstrumentalist auf seine Gitarren- und Klavierkünste. An den Drums sitzt Wompmasa MC, die Saiten am Bass zupft der Argentinier Francisco Perez Mazon, der gemeinsam mit Phil Vetter die neue CD produziert hat.
Doch das neue Album, das er in Dachau vorstellt, ist anders. Elektro-Effekte, Stilbrüche, die Texte mal auf deutsch, mal auf englisch. Ein Sammelsurium aus vielen Genres: Blues, Soul, Pop, Reggae, Indie-Rock, alles mit dabei. Phil Vetter hat sich verändert, auch optisch. Frisch rasiert, mit Nerd-Brille und braunem Hut steht er auf der Bühne. Keine Spur mehr vom Image des traurigen, einsamen Mannes. Und auch die E-Gitarre packt er in Dachau wieder aus, an einigen Stellen bricht seine Rockervergangenheit wieder durch.
Doch woher kommt die neue Fröhlichkeit? Vielleicht von Vetters Mitbewohnern. Gemeinsam mit Mitgliedern der Münchner Reggae-Kombo Jamaram bewohnt Vetter ein Musiker-Haus in Weßling. Möglicherweise wirkten die Gute-Laune-Songs von Jamaram für Phil Vetters wie ein Antidepressivum. In Dachau kommt der Vorzeige-Melancholiker jedenfalls nur kurz zum Vorschein. Mit den Worten „es war schön mit Euch, doch ich brauch Euch jetzt nicht mehr“ schickt Vetter seine Kollegen für einige Songs von der Bühne und stimmt zu einem Solo-Teil an.
Und da ist sie wieder, die wehmütige Stimme, kombiniert mit ruhigen folklastigen Gitarrenklängen und melancholisch-traurigen Texten. Aber es bleibt ein Einschub. Für die Zugabe kommt die Band und damit auch der Schwung zurück. Das Publikum zeigt sich begeistert, schon weit vor Beginn des Auftritts waren keine Sitzplätze mehr zu haben. Die Leute blieben trotzdem, auch im Stehen. Denn jedes Konzert von Phil Vetter ist anders, er lässt sich in keine Schublade stecken. Die Melancholie hat er mit „Karate“ besiegt. Und Phil Vetters Gäste sind immer wieder gespannt, was er als Nächstes aus seinem Hut zaubert.
Dominik Göttler
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