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Maxi Schünemann aus Vierkirchen macht Graffitis - und hat bereits an vielen Orten in Deutschland ein Kunstwerk hinterlassen

Sprühende Phantasie

Buchstaben faszinieren Maxi Schünemann. Wenn sie bunt sind. Und auffällig. Mit Buchstaben hat seine Leidenschaft begonnen. Inzwischen sprayt der 20-jährige Vierkirchner seit sechs Jahren – und verdient mit Graffitis sein Geld.

© kwo

Sprayer aus Leidenschaft: Maxi Schünemann verdient mit Graffitis sein Geld

Mauern, Häuser, Leinwände, Wohnwagen oder Bäckereien – Maxi Schünemann kann aus allem ein buntes Unikat machen. Er hat Farbe ins Haus seiner Eltern gebracht, ans Vierkirchner Jugendzentrum , an die Mauer einer Dachauer Hauptschule. Und sogar an den Wohnwagen eines Lehrers. Nicht heimlich und illegal – sondern mit Auftrag.

Er ist einer der Graffiti-Künstler, die es geschafft haben, mit ihrer Leidenschaft Geld zu verdienen. Gerade kommt er zurück aus Berlin. Sein Onkel hat ihm und einigen seiner Freunde dort einen neuen Job vermittelt. Eine Bäckerei möchte ihre Lieferwagen bunt besprayen lassen. Aus den tristen Autos sollen Hingucker werden, die auffallen. Ein Leichtes, für Maxi. Denn er hat den Kopf voller Ideen.

„Vieles ergibt sich einfach während dem Sprayen“, erzählt der 20-Jährige. Nur bei sehr aufwändigen Bildern macht er sich vorher eine Skizze. Aber viel lieber sprayt er einfach drauf los, ist impulsiv und vertraut auf seine Ideen. Die sprudeln manchmal stundenlang und überdauern viele Spraydosen. Und längst nicht mehr entstehen dabei nur Buchstaben.

Aber mit Buchstaben hat damals alles angefangen. Maxi malte erst mit Bleistift Namen auf einen Block, versuchte Buchstaben zu arrangieren, sie harmonisch aneinander zu setzen. „Man kann sich selbst viel beibringen“, sagt er heute, wenn er sich zurück erinnert. „Und man kann ständig Neues dazulernen.“ Wenn er heute seine Fotoalben durchblättert und seine ersten Graffitis betrachtet, ist er alles andere als stolz. „Schrecklich war das“, sagt er. Heute würde er vieles anders machen. Und das ist gut so, findet er.

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vor

Er hat sich in den vergangenen sechs Jahren viel beibringen lassen von anderen Sprayern, sich beeinflussen lassen und ständig Neues ausprobiert. Es hat sich gelohnt. In seiner Heimatgemeinde Vierkirchen haben sich Maxi Schünemann und seine Freunde längst einen Namen gemacht. Vor einigen Wochen haben sie aus der beschmierten Bahnunterführung ein buntes Kunstwerk gemacht. Nicht nur im Landkreis Dachau zieren seine Werke einige Mauern oder Fassaden – Maxi war schon in vielen deutschen Städten mit seinen Spraydosen unterwegs – und mit einem Kopf voller Ideen.

Wie wird man Sprayer?

Um eins kommt man nicht herum, wenn man Sprayer werden will, verrät Maxi. Üben! Er hatte Glück. Er lernte mit 15 einen zwei Jahre älteren Sprayer kennen, der ihm vieles beibrachte und ihn mitnahm an legale Übungswände in München. „Im Landkreis gibt es leider kaum Möglichkeiten, legal zu sprayen.“

Inzwischen hat Maxi an vielen Workshops teilgenommen und war bei vielen Graffiti-Projekten dabei. Zum Beispiel, als die Gruppe United Streetartists aus dem Abrissgebäude in der Wieninger Straße ein riesiges Kunstwerk machte. Auch an der Rückseite der ehemaligen Papierfabrik ist eines seiner Graffitis zu sehen. Dort darf legal gesprayt werden, Maxi und seine Freunde haben die Koordination übernommen. Sie sind im Internet  erreichbar unter: www.boomgrafixs.de

Wie reagieren Eltern und Freunde?

Sprayer sind nicht überall wohlgelitten. Es gibt viele Vorurteile. Dabei hat Graffiti-Kunst mit verschmierten S-Bahnen oder Kritzeleien an Hauswänden nichts zu tun. „Das war der Ursprung“, erklärt Maxi. „Aus Kritzeleien hat sich eine Kunstform entwickelt.“

Natürlich waren seine Eltern skeptisch, als er vor sechs Jahren begann, mit Spraydosen zu hantieren. Inzwischen haben sie im Wohnzimmer zwei große von ihm besprayte Leinwände hängen – und sind sehr stolz auf das, was er kann.

„Ich habe durch dieses Hobby unheimlich viele Leute kennengelernt“, erzählt der 20-Jährige. Nicht nur im Landkreis – auch bei deutschlandweiten Projekten. Er merkte schnell, dass es ein riesiges Netzwerk gibt. „Genau das ist es, was ich so spannend finde“, sagt er. „Ständig lerne ich neue Künstler kennen. Und jedes Mal lerne ich dabei etwas dazu.“

Wie viel Geld fließt in ein Graffiti?

Maxi verdient mit seinen Aufträgen soviel Geld, wie er momentan zum Leben braucht. Allerdings wohnt er noch zu Hause. „Ich will jetzt ausziehen“, erzählt er. „Dann werde ich mir noch einen Nebenjob suchen müssen.“

Das Sprayen ist ein teures Hobby. Als er mit seinen Freunden das Vierkirchner Jugendzentrum verschönerte, sind rund 600 Euro in Spraydosen geflossen. Auch die Bahnunterführung hätten sie nicht ohne finanzielle Hilfe der Gemeinde umgestalten können. „Bei meinen Aufträgen bleiben immer einige Farben übrig“, sagt Maxi. Sie reichen aus, um privat zu sprayen. Denn das will der 20-Jährige weiterhin machen. „Ich möchte nie so viele Aufträge annehmen, dass ich keine Lust mehr habe, in meiner Freizeit Graffitis zu machen.“

von Katrin Woitsch

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