
Um bei den modernen Spielkonsolen vorne mit dabei zu sein, muss man sich auskennen bei Xbox, Wii oder PlayStation. Die Spiellkonsole der 80er Jahre, meiner frühen Jugend hieß „Atari 2600“. Sie wurde auch nicht als Spielkonsole bezeichnet, sondern war ein Telespiel. Ein großer klobiger Kasten mit Holzoptik und zwei simplen Joysticks. Als Zubehör gab es je ein Spiel auf einer Kassette, die die Größe eines Topfuntersetzers hatten. Ein Klassiker unter den Spielen war Pac-Man. Mit einem gelben Ball, der eine mundähnliche Öffnung hatte, galt es, Punkte aus einem Labyrinth zu fressen, während man sich vor Gespenstern in Acht nehmen musste. Unglaublich spannend. Zumindest für eine Generation, die nichts Vergleichbares kannte. © kn

Eines meiner Lieblingsspiele war Basketball. Wo man bei den heutigen Konsolen wohl jede einzelne Ader der Spieler erkennen kann, waren meine Helden rechteckige Klötze. Ebenso waren die Körbe rechteckig. Und wer hätte das gedacht, der Ball war ein Quadrat. Auch von Sound konnte man damals nicht wirklich sprechen. Trotzdem war diese Pling, Dülüp und Palim faszinierend. Ich weiß, heute würde kein Jugendlicher mehr auf die Idee kommen, mit dem Gerät, an dem ich Stunden meiner Freizeit verbrachte, nur eine Minute zu verschwenden. Was mich tröstet, ist die Tatsche, dass eine PlayStation 3 in 25 Jahren auch nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen wird.
Christian Chymyn
(Jahrgang 1976) © kn

Sie waren etwas Besonderes. Geschenkte Musikkassetten, die man wortlos von Freunden in die Hand gedrückt bekam – ohne jeglichen Hinweis, was einen erwartet. 90 Minuten voller Überraschungen. Auf jeder Kassette war ein neues Lieblingslied dabei, für das man immer und immer wieder umständlich zurückspulte – manchmal viel zu weit. Es gab kaum eine Chance, Titel oder Bandname herauszukriegen. Es sei denn, der Schenker wusste zufällig noch, was er als 5. Lied auf Seite B aufgenommen hatte. Solche Kassetten waren treue Begleiter, die in die Hosentasche passten, denen Kratzer nichts ausmachten. © kn

Nur leider gab es irgendwann kaum noch Geräte, diese musikalischen Unikate abspielen konnten. Die CD eroberte alle Autoradios – und irgendwie war es nicht mehr dasselbe. Kein lästiges Zurückspulen mehr, keine Lieder, die mitten im Refrain durch das Klicken vom Ende der Seite unterbrochen wurden, keine Radioansagen mehr, die in der Eile oft mit aufgenommen wurden. Die Kassetten wurden abgelöst von silbernen Sensibelchen, die schon wegen kleinen Kratzern streikten. CDs landen im Müll, wenn sie zu sehr veraltet sind. Geschenkte Musikkassetten hätte niemals jemand weggeschmissen. Denn sie waren als Begleiter fürs Leben gedacht!
Katrin Woitsch
(Jahrgang 1982) © kn

Die Sammlerwut war ausgebrochen, als 1996 das erste Pokémon-Videospiel die Kinderzimmer des Planeten eroberte. Auf einmal war der Gameboy wieder in aller Hände, und auch ich begleitete Protagonist Ash bei seinem Abenteuer durch die fiktive Welt Kanto. Doch der digitale Spaß war nicht genug, dank einer klugen Vermarktungsstrategie war der Hype um sämtliches Pokémon-Zubehör bald nicht mehr zu bremsen. Besonders beliebt: das Sammelkartenspiel. Der Pausenhof entwickelte sich zum größten Umschlagplatz. Die gut behütete Ware: Pikachu, Shiggy, Bisasam und Konsorten, alle (damals noch) 151 Pokémon musste man haben. © kn

Sobald das Gerücht die Runde machte, ein Mitschüler habe seit gestern Glurak in seiner Sammlung (besonders selten, mit glitzerndem Hintergrund!), flattern bei ihm die Angebote ein. „Ein Relaxo, ein Kadabra und 20 Doppelte deiner Wahl.“ Der Nächste bot gleich seinen ganzen Stapel. Darüber konnte der Besitzer nur müde schmunzeln, den Glurak hat er nie hergegeben. Aber die Angebote hört er sich trotzdem an. Mit Genuss. Gespielt hat keiner mit den Karten, dafür hatte man die Pokémon-Sticker. Jeder legte einen Sticker auf einen Stapel. Den Stapel leicht anbiegen, danach durften die Mitspieler reihum mit der flachen Hand auf den Stapel klatschen. Wer es schaffte, die Karten umzudrehen, durfte sie unter lautem Fluchen der Konkurrenz behalten. Ein perfekter Pausenfüller. Und meist Grund für die Verspätung in der Bio-Stunde.
Dominik Göttler
(Jahrgang 1988) © kn

Eigentlich war es gar keine Revolution. Computerspiele zum Rumtragen gab es schom immer, jedenfalls so lange ich mich erinnern kann, und zwar als kleine LCD-Geräte. Aber: Bei denen gab es nur ein Spiel pro Gerät. Und das war auch noch kurz. Doch dann kam der Gameboy. Tetris war schon mit dabei, aber Super Mario Land musste man sofort dazu kaufen, sonst wäre ja der Sinn des Ganzen verschwunden: die Auswahl. Und dann saßen wir, Lici, Jani, Resa und ich, stundenlang, und haben gespielt – und zwar gegeneinander. Nein, nicht mit diesem seltsamen Kabel, das die beiden Gameboys miteinander verbunden hat, sondern im „echten Battle“: Wer erreicht schneller das nächste Level von Super Mario Land? Was erstens wirklich bescheuert war, schließlich hätten wir auch alle einfach zu Hause bleiben und für uns alleine spielen können, und zweitens wirklich nervig – dieses Gedudel! Doppelt! © kn

Aber die größte Enttäuschung kam erst am Schluss. Als alle Level durch waren. Wir hatten wochen-, ja monatelang darauf hingefiebert: Was würde dann passieren? Ist die Prinzessin dann endlich unser, wird sie uns in einer pompösen Zeremonie ehelichen? Kommt dann ein zweites, verstecktes Spiel zutage? Oder schickt Nintendo gar eine Ehrenurkunde, oder einen Weltmeisterschaftspokal? Nix da. Das Ende war maßlos ernüchternd: kurzes Gedudel, blöder Abspann. Ab da war uns klar: Computer ist nix für uns. Wir brauchen das echte Leben.
Nina Praun
(Jahrgang 1980) © kn

Ein Ritual war in unserer Klasse heilig: der krachende Auftritt der Neulinge. Wollten sie zu unserem verschworenen Haufen gehören, mussten sie während des Unterrichts einen Knallfrosch oder Chinaböller zur Explosion bringen. Wir mimten kollektiv die Ahnungslosen. Niemals wurde einer erwischt. Bis Stefan Schwayer eine Jahrgangsstufe höher sitzenblieb und zu uns versetzt wurde. Stefan hatte ein ganzes Arsenal an Pyrotechnik mitgebracht. Und er war damals glühender Che-Guevara-Fan. So kam es, dass der Kerl jeden seiner Knaller mit: „Viva la Revolution!“ eskortierte. Religionslehrerin Rosemarie Eder bekam einen Nervenzusammenbruch, Schwayer einen Direktoratsverweis mit angedrohtem Schulausschluss. Stefan und uns war’s wurscht. Für uns war er fortan: der wahre Revolutionär. © kn
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Später im Chemie-Leistungskurs wurden die Detonationen professioneller. Das lag daran, dass völlig durchgeknallte Typen mit Sprengstoff experimentierten, was das Zeug hielt – oder eben nicht. Stefan Ebert (Spitzname: 15-Punkte-Ebi) drückte mir eines Tages ein Blasrohr in die Hand, in das er ein kleines Kügelchen gesteckt hatte. „Blas das Ding mal an die Wand“, befahl er und setzte sich eine Schutzbrille auf. Ich blies. Das Ding flog an die Mauer. Als es auftraf, gab es einen Wumm, als hätte eine Cruise Missile eingeschlagen. Bis heute ist ein Loch in der Mauer zu sehen. Den Zerstörer suchte Rektor Herbert Dengler bis zu seiner Pensionierung vergebens.
Thomas Zimmerly
(Jahrgang 1962) © kn
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Ja, ich gebe es zu: Auch ich war damals in der Grundschule total infiziert mit dem Diddlfieber. Ganze Ordner mit fein säuberlich sortierten Diddlblättern schleppte ich tagaus, tagein mit in die Schule – immerhin musste man den anderen schließlich etwas bieten können, wollte man beim Tauschen in der Pause einen guten Deal abschließen. Dabei wurde nämlich um jedes Blatt, um jedes Motiv gefeilt wie auf einem arabischen Basar. © kn
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Große Blätter waren wertvoller als kleine, Sondereditionen, die zum Beispiel komplett farbig waren oder dufteten, sowieso fast „unbezahlbar“. Doch damit nicht genug: Auch sonst war einfach alles, bei dem Maus mit den riesengroßen Füßen drauf war, der Renner schlechthin: Diddlmäuse als Kuscheltier, Diddlkugelschreiber, Diddlradiergummis, Diddlpostkarten, Diddltassen, Diddlgläser, ja sogar Diddlhandtücher und Diddlwaschlappen – die Diddlmaus war in allen Lebenslagen immer präsent. Auch bei mir.
Claudia Schuri
(Jahrgang 1992) © kn