Dachau - Zwei Wochen nach dem Mord an Staatsanwalt Tilman Turck hat ein Bauunternehmer vor dem Dachauer Amtsgericht für einen Eklat gesorgt. Der Mann sprach im Sitzungssaal eine Morddrohung gegen seine Mieterin aus.

© dapd
In diesem Gebäude wurde ein Staatsanwalt getötet
Das Amtsgericht Dachau kommt nicht zur Ruhe. Vor zwei Wochen hat der Transportunternehmer Rudolf U. die tödlichen Schüsse auf den Staatsanwalt abgegeben, jetzt sorgte ein Unternehmer aus Hilgertshausen (Kreis Dachau) für eine makabre Morddrohung. „Ich weiß schon, wie ich die loswerde. Das habe ich ja vor ein bis zwei Wochen hier gelernt, wie das geht“, sagte er während einer Zivilsache gut hörbar über seine Mieterin. Bei der Verhandlung ging es um den Räumungstermin einer Wohnung.
Auch eine andere Entwicklung macht dem Amtsgerichtsdirektor Sorgen. Beim Amtsgericht geht seit dem Mord „jede Menge üble Post“ per Brief oder E-Mail ein, sagte er. Die Inhalte der Schreiben sind zum Teil an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Ein Beispiel: „Gebt mir die Kontonummer vom Täter. Ich habe eine Geldspende für ihn bereit.“ Auch viele andere Pamphlete seien „beleidigend und bitterböse“, so Sonnabend. „Durch diese Unverschämtheiten werden die langsam verheilenden Wunden wieder aufgerissen.“
„Das war zu befürchten“, sagte Walter Groß, Vorsitzender des Bayerischen Richtervereins. „Das ist das Phänomen des Trittbrettfahrens. Ganz spontan gesagt ist bei so was Ignorieren das Beste.“ Allerdings kann so ein Schmähbrief auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Es kann sich je nach Einzelfall um eine Verleumdung oder die Billigung einer Straftat handeln.
sts/zim
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