Dachau - Das Ausmaß der Brandkatastrophe von Dachau-Ost wird langsam deutlich. Ergreifend schildern Squash-Insel-Betreiber Stephan Walottek und Bowlingcenterbesitzer Stefan Eder ihre Eindrücke. Im Video kommen auch Augenzeugen zu Wort.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Stefan Eder wurde bei der Leitung beider Unternehmen von seiner Familie unterstützt. Mama Magdalena, Vater Anton, Bruder Andreas und Lebensgefährtin Sonja griffen ihm unter die Arme. Daneben hat Eder insgesamt sechs Festangestellte sowie 14 Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis. „Was wird jetzt aus meinen Leuten?“, meint Eder verzweifelt.
Stefan Eder hat zwar eine Versicherung. „Aber ich weiß doch nicht, wie alles weitergeht.“ Ihn plagen schreckliche Ängste – um sich, seine Familie und seine Angestellten.
Stephan Walottek, Geschäftsführer und Mitbesitzer der Squash-Insel GmbH, kann 24 Stunden nach dem Flammeninferno kaum glauben, dass alle Gäste und Mitarbeiter unverletzt die Räumlichkeiten im hinteren Bereich der abgebrannten Halle verlassen konnten. „Im Fitness-, Nass- und Gastronomiebereich der Insel befanden sich bei Ausbruch des Feuers rund 30 Personen, die alle von unserem Personal rechtzeitig ins Freie geleitet worden sind.“ Zunächst bekam man im hinteren Teil des Gebäudes vom schon länger schwelenden Brand gar nicht viel mit. „Erst als sich leichter Brandgeruch bemerkbar machte, wurden meine Leute stutzig – und dann ging alles rasend schnell.“
Als die Dachfenster über der Bowlingbahn platzten, entstand ein sogenannter „Flashbrand“, so Walottek: „Da explodierte das Feuer regelrecht, da haben die Flammen blitzschnell auch auf unseren Teil des Gebäudes übergegriffen.“ Der Hallenkomplex sei zwar mit einem High-Tech-Dach ausgestattet gewesen, „aber wenn es erst einmal richtig brennt, dann kann die Flammen nichts mehr stoppen“. Er wolle den Gutachtern nicht vorgreifen, aber es sei wohl relativ sicher, dass die Ursache des Brandes im Bereich der Bowlingbahn zu suchen sei, so Walottek. „Ich hoffe, dass mit unserer Versicherung alles okay ist, denn wir wollen auf jeden Fall weitermachen.“ Man werde sich bald auf die Suche nach geeigneten Objekten begeben und versuchen, den Kunden eine Alternative zu bieten. „Aber das ist jetzt alles zweitrangig, zunächst gilt es, Ursachenforschung zu betreiben und das ganze Geschehen gemeinsam aufzuarbeiten.“
Dass man den Schaden im zweistelligen Millionenbereich ansiedele, sei sicherlich nicht übertrieben, so der Insel-Boss, es sei in den vergangenen Jahren viel in die Ausstattung investiert worden.
Seit Anfang der 80er Jahre wurde in Dachau-Ost gesquasht. Zunächst im damaligen Squashbury, später, ab 1984, in der von Stephan Walottek und dessen Kompagnons betriebenen Squash-Insel. In ihren Glanzjahren Ende der Achtziger bis Ende der Neunziger Jahre war die Squash-Insel auch international ein Begriff, zeitweise führte das Männerteam die Tabelle der 1. Bundesliga an.
von Thomas Zimmerly und Rolf Gercke
Der Tag danach: Im Schneckentempo schleichen die Autos durch die Robert-Bosch-Straße. Viele wollten sehen, wie das Sportcenter nach dem Brand aussieht. Die Kriminalpolizei hat das Gebäude gesperrt und versucht, zu ermitteln. Eine Brandortbegehung war aufgrund der Einsturzgefahr jedoch nicht mehr möglich. „Es ist fraglich, ob die Brandursache jemals festzustellen ist“, sagt Polizeisprecher Günther Beck. Die Betonpfeiler weisen einen starken Zerstörungsgrad auf. „Der Beton wird porös und spröde“, erklärt der Polizeisprecher. „Das Center wird wohl gezielt mit der Abrissbirne abgerissen und mit dem Bagger komplett abgetragen.“ Bis gestern früh um 7 Uhr waren die Einsatzkräfte der Dachauer Feuerwehr zur Brandwache und zu Nachlöscharbeiten vor Ort. Den Komplex zu betreten, war den Feuerwehrmännern schon in der Nacht auf Mittwoch zu gefährlich. „Wir sind ab 23 Uhr nicht mehr rein“, so Kreisbrandmeister Maximilian Reimoser. Stahl- und Holzkonstruktionen seien bereits durchgeglüht gewesen. Mit der Nachalarmierung waren insgesamt 200 Feuerwehrkräfte aus 14 Wehren im Einsatz.
cc
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