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Alkoholexzesse: Sozialarbeiter will Vorglüher kalt stellen

Alkoholexzesse: Sozialarbeiter will Vorglüher kalt stellen

Dorfen - Party machen setzen immer mehr Jugendliche mit Rauschtrinken gleich - und das nicht nur in der Faschingszeit. Jugendsozialarbeiter Andreas Götz fordert härtere Maßnahmen. Etwa Zugangskontrollen in Diskotheken und Gaststätten.

Gefährliche Entwicklung: Für immer mehr Jugendliche gehört Rauschtrinken einfach zu einer guten Party dazu. Foto: MM

Gefährliche Entwicklung: Für immer mehr Jugendliche gehört Rauschtrinken einfach zu einer guten Party dazu. Foto: MM

Obwohl es Diskotheken und Veranstalter zumeist mit dem Jugendschutz sehr ernst nehmen, und etwa an unter 16-Jährige keine Alkoholika verkaufen, sind betrunkene Jugendliche bei Partys die Regel. Sie haben vorgeglüht. Noch bevor man überhaupt zur Party oder in die Disko geht, treffen sich Jugendliche um sich in Stimmung zu trinken. Nach den Erfahrungen von Andreas Götz von der mobilen Jugendhilfe der Stadt sind rund ein Fünftel der Jugendlichen bei Beginn der Veranstaltungen bereits betrunken. Den Alkohol zum Vorglühen würden sie meist von Zuhause organisiert haben. In vielen Fällen könnten sich die jungen Leute problemlos an der Hausbar der Eltern bedienen.

Für Götz reicht daher der praktizierte Jugendschutz nicht aus, um der Sauferei Herr zu werden. Für ihn Bedarf es neuer Wege, wie er bei einem Pressegespräch in der Stadt zum Auftakt der Aktion „Durchblick behalten“ sagte. So sollten etwa Veranstalter, Diskotheken oder Gaststätten Jugendliche wieder heimschicken, wenn diese schon mit einer „Fahne“ kämen. Und der Sozialarbeiter geht sogar noch einen Schritt weiter. Sinnvoll wären seiner Meinung nach auch Alkoholkontrollen beim Einlass. Jugendliche, bei denen man den Verdacht habe, dass sie getrunken hätten, sollten einen Atemalkoholkontrolle machen müssen. „So ein Gerät ist ja nicht teuer“, meint Götz.

Überhaupt müsse die Werbung für den Alkohol überdacht werden. Bei Veranstaltungen werde oft damit geworben, dass an eine bestimmte Personengruppe oder zu einer bestimmten Zeit Drinks gratis abgegeben würden. Dadurch würden junge Leute geradezu zum Trinken verführt. Als problematisch erachtet es Götz auch, dass in vielen Familien das Trinken nicht nur bei Feiern, sondern auch im Alltag üblich sei. Zudem würden betroffene Eltern das Problem Alkoholkonsum bei ihren Kindern herunterspielen.

Das ist freilich verheerend. Denn die Folgen einer Alkoholkrankheit bei einem Jugendlichen sind beträchtlich, wie Ärzte warnen. Das zentrale Nervensystem, das bei Jugendlichen weitaus empfindlicher ist als bei Erwachsenen, wird extrem in Mitleidenschaft gezogen. Depressionen, Wahnvorstellungen, Sprachstörungen und ähnliches sind oft die Folgen. Da der junge Organismus den regelmäßigen Alkoholkonsum nicht verarbeiten kann, entwickelt sich sehr schnell auch eine körperliche Abhängigkeit. Ein Leben als Alkoholiker ist hier nicht selten die Folge.

Laut einer Studie der Krankenkasse DAK mussten im vergangenen Jahr 66 junge Menschen aus dem Kreis Erding aufgrund einer Alkoholvergiftung klinisch behandelt werden. Tendenz weiter steigend. Zieht man das Jahr 2003 als Vergleich heran, haben die alkoholbedingten Klinikeinlieferungen in der Region sogar um 200 Prozent zugenommen. Bayernweit nahmen die Krankenhäuser zuletzt 3300 Buben und über 2000 Mädchen mit der Diagnose Komasäufer auf.

Auch die Polizei sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Für den stellvertretenden Dorfener Inspektionsleiter Armin Weinberger gilt hier: „Erziehung fängt im Elternhaus an.“ Eltern müssten einfach einschreiten, wenn sie bemerkten, dass ihre Kinder trinken. Doch anstatt sich selbst der Verantwortung bewusst zu werden, würde immer mehr Verantwortung „auf den Staat umverlagert“. Polizei, Schulen und Jugendämter könnten aber nicht als alleinige Problemlöser gesehen werden.

Wenn minderjährige Kinder feiern gingen, reiche es eben nicht aus, dass Eltern nur eine Erziehungsbeauftragung ausstellten, damit die Kids auch bis nach Mitternacht feiern dürften. Weinberger: „Die Eltern müssen darauf achten, was ihre Kinder tun.“

Anton Renner

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