Autor: Kirche verharmlost eigene Krise

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    • 29.01.13
    • Grafing
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Autor: Kirche verharmlost eigene Krise

Grafing - Auf Einladung des Kreisbildungswerkes Ebersberg und des Pfarrgemeinderats hat der ehemalige Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande im Grafinger Pfarrheim die aktuellen Krisen der katholischen Kirche analysiert.

„Die heutige Krise der Kirche ist größer als die Krise zur Zeit der Säkularisation“: Thomas von Mitschke-Collande.

„Die heutige Krise der Kirche ist größer als die Krise zur Zeit der Säkularisation“: Thomas von Mitschke-Collande.

Im vergangenen Jahr hatte der Autor und engagierte Katholik bereits mit seinem Buch „Schafft sich die Kirche selbst ab?“ bereits für großes Aufsehen gesorgt. Von Mitschke-Collande konfrontierte die Zuhörer mit zahlreichen statistischen Untersuchungen, die immer wieder vor Augen führten, warum die katholische, aber auch die evangelischen Kirchen so viele Probleme haben.

Er sagte: „Die heutige Krise ist größer als die Krise zur Zeit der Säkularisation.“ Damals habe eine Volksfrömmigkeit, die es heute so nicht mehr gibt, die Kirche gerettet. Von Mitschke-Collande führte wissenschaftliche Studien an, so hätten zum Beispiel 66 Prozent der Katholiken das Vertrauen in ihre Kirche verloren und nur neun Prozent sähen den Papst als Vorbild. Weiterhin hielten 50 Prozent der deutschen Katholiken Aussagen des Papstes für unwichtig. Deshalb müsse man, so Mitschke-Collande, nicht nur von einer Glaubens- und Vertrauenskrise sprechen, sondern auch von einer Autoritäts- und Führungskrise.

Er kritisiert auch den Umgang der Kirchenleitungen mit den erhobenen Daten: „Sie stellen die Aussagen in Frage, versuchen die Krise zu verharmlosen, schieben den Grund der Krise auf die heutigen Menschen und verschanzen sich in einer ,Wagenburg’ und ziehen sich auf das Gebet zurück.“ Dass es auch anders gehe, zeigte er anhand Aussagen des Erfurter Altbischofs Joachim Wanke und des im vergangenen Jahr verstorbenen Kardinal Martini. So bemängelt Wanke die „Gegenwartsverweigerung der Kirche“ und Martini bat in seinem letzten Interview darum umzukehren und einen radikalen Weg der Veränderung zu gehen. Er stellte der Kirche das Urteil aus, sie sei „müde und reich und weit weg vom Menschen“.

Von Mitschke-Collande zeigte aber auch Wege zur Bewältigung solcher Probleme auf. Laut Mitschke-Collande muss die Kirche sich zu einer dienenden und lernenden Kirche wandeln und menschlicher werden. Sie müsse ihre Sprachlosigkeit überwinden und sich tatkräftiger einsetzen für Frieden, Menschenrechte, humanere Arbeitsbedingungen und vor allem für die Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft. fa

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