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Fulminantes Musical des Grafinger Gymnasiums

Grafing - Es geht um Flower-Power und um Woodstock-Feeling. Um Hippies und Friedensbewegung. Mit dem „Musical“ Sunny haben sich Gymnasiasten dieser Epoche genähert, ja sogar das Stück selbst geschrieben.

Das Peace-Zeichen leuchtet hell über der Skyline von New York. Auf einem Sonnenstrahl fährt der geblümte VW-Bus und beleuchtet die Buchstaben: „Sunny“. Es ist das Plakat zum selbstverfassten Flower-Power-Musical des Gymnasiums Grafing.

Die Stadthalle ist bis auf den letzten Platz gefüllt mit erwartungsfrohem Publikum. „Sunny“, von ihren Eltern Susan genannt, entwindet sich den guten Ratschlägen ihrer Eltern – immer gesund essen und warm anziehen – und verabschiedet sich zum Studium nach New York. Ihre Eltern haben sie zu einem Jura-Studium überredet, obwohl sie lieber tanzen möchte. Sie schlüpft in einer Hippie-Kommune unter und begibt sich auf den Weg der Selbstfindung.

Als ein Mädchen der Hippie-Kommune schwanger wird, findet eine Auseinandersetzung mit der neuen Situation statt. Interessant sind dabei Sätze wie: „Abtreibung kommt nicht in Frage“ und: „ich hab’ ja gar kein Geld, ich kann dem Kind nichts bieten“. Spätestens hier würde jeder Hippie einhaken. Aber darum geht es den Gymnasiasten nicht in erster Linie. Schön ist, dass die Handlung ausführt, wie die Kommune als Familie der Schwangeren hilft. Die Geschichte wendet sich zu einem Gemeinschaftsanliegen aller Gymnasiasten: „Lasst uns Träume haben und leben!“ Auch wenn das Anliegen der Eltern verständlich ist, dass Kinder „einen Beruf mit Verstand und Zukunft ergreifen“, so können doch Kinder nicht einfach vorgezeichnete Wege gehen – und sei es noch so gut gemeint. Leben heißt ausprobieren, eigene Wege gehen, hinfallen und wieder aufstehen und dabei entdecken, wer man ist.

Sunny im Stück gewinnt den einträglichen Tanzwettbewerb für ihre schwangere Freundin und erkennt dabei: „Zum ersten Mal konnte ich wirklich so sein, wie ich mich fühle“. Die Geschichte ihrer Selbstfindung ist ein Gemeinschaftsprojekt der P-Seminare Theater, Musik und Bühnenbild. Was ihr Projekt auszeichnet, ist, dass sämtliche Darsteller im Programm aufgeführt sind, jedoch keiner als Star heraussteht. Sie begleiten das Musical mit ganz viel toller, selbst gespielter 70er-Jahre Musik. Anklänge an „Hair“ werden genauso passend eingesetzt wie „I Have A Dream“ von Abba.

Bilder: Flower-Power in Grafing

Die Darsteller singen und tanzen in bunten Kostümen mit Trompetenärmeln, Schlaghosen, Batik-Shirts und Blümchenröcken. Interessante Bühneneffekte wie schwarz-weißes Schattenspiel hinter einer Leinwand bringen zusätzliche Dramatik ins Stück. „Die Hippies sind meine Freunde“, bekennt Sunny im Stück. Spannend ist wirklich die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der Hippie-Zeit. Was sagt sie ihnen heute noch, warum ist sie nach wie vor aktuell? Und wenn nach vielen Zugaben und rasendem Applaus der letzte Vorhang fällt, dann haben sie auch darin ihre eigene Botschaft gefunden. Sentimental berührt und nachdenklich gehen viele Erwachsene nach Hause. Draußen vor der Stadthalle johlen aufgewühlte Jugendliche die Texte einer rebellischen Zeit und machen sich schon mal daran, die Spuren ihrer Generation zu hinterlassen, um gelebt zu haben.

Nicole Sutherland

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