"Aus dieser Ehe kommst du nur tot raus"

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2xva2FsZXMvZWJlcnNiZXJnL3BvaW5nL2F1cy1kaWVzZXIta29tbXN0LXJhdXMtMjQ3Njc0Mi5odG1s2476742"Aus dieser Ehe kommst du nur tot raus"0true
    • 27.08.12
    • Poing
    • Drucken
Frau als Sklavin ihres Mannes

"Aus dieser Ehe kommst du nur tot raus"

    • recommendbutton_count100
    • 1

Poing/Ebersberg - Ehrenmord, 20 000 Euro „Brautgebühr“, eine Ehefrau als Sklavin ihres Mannes: Was vor dem Ebersberger Amtsgericht im Prozess gegen einen 32-jährigen Kurden aus Poing alles zur Sprache kommt, hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Vor dem Verhandlungssaal und darin sitzen bewaffnete Polizisten. Eine Vorsichtsmaßnahme, da Körperverletzungen und auch Todesdrohungen innerhalb einer kurdischen Familie verhandelt werden. „Wenn es um die Ehre geht, kann die Situation bei türkischen Familien schnell eskalieren“, erklärt einer der Polizisten.

Der Fall: Was für Freunde und Familie wie eine Musterehe aussah, war für Tülin P. (27, alle Namen geändert) über Jahre hinweg eine Tortur. Mehrfach soll ihr Mann Nuri (32) zugeschlagen haben.

Vor Gericht schildert die Ehefrau drei Fälle aus der gemeinsamen Wohnung in Poing, die ihr im Gedächtnis geblieben sind. Unter anderem ein Vorfall aus dem Jahr 2005, bei dem Nuri P. seiner Frau eine Tasche mit einer darin befindlichen Thermoskanne ins Gesicht geschlagen haben soll – die schwangere Tülin P. hatte sich geweigert, die Tante des Angeklagten zu besuchen. Bemerkenswerte Aussage von Tülin P.: „Viel schlimmer als die Schläge waren für mich die Beleidigungen gegen meine Eltern.“ Die Familienehre ist in ihrer Kultur unantastbar.

Tülin P. wollte das alles nicht mehr. Ihr Mann, so schildert sie vor Gericht, habe Dinge gesagt, wie „du bist meine Sklavin, ich habe dich gekauft“ und „aus dieser Ehe kommst du nur raus, wenn du tot bist“. Für die Ehelichung seiner Frau musste Nuri P. 20 000 Euro „Ablöse“ an den Vater der Braut bezahlen, weil dieser mit der Hochzeit nicht einverstanden war.

Im Türkei-Urlaub floh Tülin P. nach leidvollen Jahren vor ihrem Mann und ließ die gemeinsame Tochter zurück. Warum in der Türkei und nicht in Poing? „Damit die Schande für ihn noch größer ist“, erklärt die 27-Jährige vor Gericht.

Im Heimatdorf von Nuri P. war daraufhin die Hölle los. Eines von zahlreichen Gerüchten: Sie ist mit einem anderen Mann abgehauen. „Was dann passiert wäre, brauche ich Ihnen nicht zu erklären“, sagt ein Cousin des Angeklagten ganz offen vor dem Schöffengericht – ein „Ehrenmord“ stand plötzlich im Raum. Die gemeinsame Tochter hielt Nuri P. daraufhin in der Türkei fest. In einer SMS an seine Ehefrau schrieb er, dass die Tochter „so lange in der Türkei bleibt, bis ich das Sorgerecht erhalte“. Das war im übrigen der einzige Anklagepunkt, den der 32-Jährige vor Gericht einräumte.

Den Vorschlag einer kurdischen „Dorfautorität“, das Sorgerecht für 600 Gramm Gold zu kaufen, akzeptierte Nuri P. nicht. Stattdessen brachte er die Tochter kurz vor einer anberaumten Verhandlung vor dem Familiengericht wieder nach Deutschland.

Das legte das Schöffengericht dem Angeklagten großzügig als Teil einer positiven Sozialprognose aus. Nuri P. hat großes Glück. Trotz schwerer Körperverletzung und Todesdrohungen kommt er mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten davon.

Für die gemeinsame Tochter hat der Angeklagte mittlerweile ein betreutes Umgangsrecht. Tülin P. ist nicht mehr im Gerichtssaal, als das Urteil verkündet wird. Sie hat sich aus der Unterdrückung befreit.

Zuvor hatte sie noch über ihren Noch-Ehemann gesagt: „Er selbst hat seine Ehre zu Schande gemacht.“

jodl

zurück zur Übersicht: Poing

Kommentare

Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Wetter für Ebersberg

Bilder aus der Region

Bilder: Motorradfahrer stirbt nach Frontalcrash

weitere Fotostrecken:

Kfz-Betriebe in der Region

Servicetermine im Landkreis

Besonders beliebte Artikel

  • kommentiert
  • gelesen
  • Themen
Provisorium als Dauerlösung: Asylbewerber bleiben nach Schulbeginn in den Grafinger Containern am Gymnasium. jro

Asyl: Aus "vorübergehend" wird "dauernd"

Landkreis - Aus „vorübergehend“ wurde „bis auf weiteres“: Die Asylbewerber, die in Ebersberg in einer Turnhalle der Realschule und in Grafing in Schulcontainern untergebracht wurden, bleiben dort auch nach Schulbeginn. Das bestätigte Norbert Neugebauer, Büroleiter von Landrat Robert Niedergesäß.Mehr...

Radler bringt Reiterin zu Fall

Markt Schwaben - Ein Unbekannter hat eine Reiterin aus Markt Schwaben zu Fall gebracht. Wie die Polizei erst jetzt mitteilte, ereignete sich der Vorfall in der Finsingerau bereits am 5. September.Mehr...

Bub rettet seinen Papa - aber der bleibt gelähmt

Poing - Kenan (14) hat seinem Vater das Leben gerettet. Seitdem hat sich das Leben der Familie Kocan aus Poing komplett verändert. Der Papa wird querschnittsgelähmt bleiben. Jetzt gibt es erste Spenden-Aktionen für die Familie.Mehr...

FTO: Motorradfahrer (47) stirbt nach Frontalcrash

Anzing - In der Nacht auf Freitag ist ein Motorradfahrer im Bereich der Flughafentangente Ost mit einem BMW frontal zusammengestoßen. Der Fahrer starb noch an der Unfallstelle.Mehr...

Dartspiel Ebersberg

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.