Frau als Sklavin ihres Mannes

"Aus dieser Ehe kommst du nur tot raus"

Poing/Ebersberg - Ehrenmord, 20 000 Euro „Brautgebühr“, eine Ehefrau als Sklavin ihres Mannes: Was vor dem Ebersberger Amtsgericht im Prozess gegen einen 32-jährigen Kurden aus Poing alles zur Sprache kommt, hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Vor dem Verhandlungssaal und darin sitzen bewaffnete Polizisten. Eine Vorsichtsmaßnahme, da Körperverletzungen und auch Todesdrohungen innerhalb einer kurdischen Familie verhandelt werden. „Wenn es um die Ehre geht, kann die Situation bei türkischen Familien schnell eskalieren“, erklärt einer der Polizisten.

Der Fall: Was für Freunde und Familie wie eine Musterehe aussah, war für Tülin P. (27, alle Namen geändert) über Jahre hinweg eine Tortur. Mehrfach soll ihr Mann Nuri (32) zugeschlagen haben.

Vor Gericht schildert die Ehefrau drei Fälle aus der gemeinsamen Wohnung in Poing, die ihr im Gedächtnis geblieben sind. Unter anderem ein Vorfall aus dem Jahr 2005, bei dem Nuri P. seiner Frau eine Tasche mit einer darin befindlichen Thermoskanne ins Gesicht geschlagen haben soll – die schwangere Tülin P. hatte sich geweigert, die Tante des Angeklagten zu besuchen. Bemerkenswerte Aussage von Tülin P.: „Viel schlimmer als die Schläge waren für mich die Beleidigungen gegen meine Eltern.“ Die Familienehre ist in ihrer Kultur unantastbar.

Tülin P. wollte das alles nicht mehr. Ihr Mann, so schildert sie vor Gericht, habe Dinge gesagt, wie „du bist meine Sklavin, ich habe dich gekauft“ und „aus dieser Ehe kommst du nur raus, wenn du tot bist“. Für die Ehelichung seiner Frau musste Nuri P. 20 000 Euro „Ablöse“ an den Vater der Braut bezahlen, weil dieser mit der Hochzeit nicht einverstanden war.

Im Türkei-Urlaub floh Tülin P. nach leidvollen Jahren vor ihrem Mann und ließ die gemeinsame Tochter zurück. Warum in der Türkei und nicht in Poing? „Damit die Schande für ihn noch größer ist“, erklärt die 27-Jährige vor Gericht.

Im Heimatdorf von Nuri P. war daraufhin die Hölle los. Eines von zahlreichen Gerüchten: Sie ist mit einem anderen Mann abgehauen. „Was dann passiert wäre, brauche ich Ihnen nicht zu erklären“, sagt ein Cousin des Angeklagten ganz offen vor dem Schöffengericht – ein „Ehrenmord“ stand plötzlich im Raum. Die gemeinsame Tochter hielt Nuri P. daraufhin in der Türkei fest. In einer SMS an seine Ehefrau schrieb er, dass die Tochter „so lange in der Türkei bleibt, bis ich das Sorgerecht erhalte“. Das war im übrigen der einzige Anklagepunkt, den der 32-Jährige vor Gericht einräumte.

Den Vorschlag einer kurdischen „Dorfautorität“, das Sorgerecht für 600 Gramm Gold zu kaufen, akzeptierte Nuri P. nicht. Stattdessen brachte er die Tochter kurz vor einer anberaumten Verhandlung vor dem Familiengericht wieder nach Deutschland.

Das legte das Schöffengericht dem Angeklagten großzügig als Teil einer positiven Sozialprognose aus. Nuri P. hat großes Glück. Trotz schwerer Körperverletzung und Todesdrohungen kommt er mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten davon.

Für die gemeinsame Tochter hat der Angeklagte mittlerweile ein betreutes Umgangsrecht. Tülin P. ist nicht mehr im Gerichtssaal, als das Urteil verkündet wird. Sie hat sich aus der Unterdrückung befreit.

Zuvor hatte sie noch über ihren Noch-Ehemann gesagt: „Er selbst hat seine Ehre zu Schande gemacht.“

jodl

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