Virtuelle Schulgemeinschaft in Poing

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    • 23.01.13
    • Poing
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Experiment in Poing

Schüler und Lehrer Facebook-Freunde: Funktioniert das?

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Poing - Dürfen Pädagogen über Facebook mit Schülern befreundet sein? Das Kultusministerium sieht das ungern, doch an einer Mittelschule in Oberbayern ist man klipp und klar dafür. Ein Experiment mit Hintergedanken.

© dz

„Jas Poing“ – so heißt Sozialpädagogin Adriana Simelka auf Facebook. Sie ist in dem sozialen Netzwerk mit mehr als 150 Schülern der Poinger Mittelschule befreundet – genau wie Lehrer und Schulleiterin.

Adriana Simelka ist Sozialpädagogin an der Mittelschule in Poing (Kreis Ebersberg) und hat über 150 Freunde – Schüler der örtlichen Mittelschule, mit denen sie über Facebook kommuniziert. Täglich, über Gott und die Welt. Über Liebeskummer, Zickenkrieg unter Mädchen, Mobbing unter Buben. Auch über die strammen Jungs von Abercrombie & Fitch, dem furchtbar angesagten Modehaus in der Sendlinger Straße in München mit seinen seltsamen Models. Wenn die Mädchen auf Facebook darüber quatschen, muss Adriana Simelka auch mal schmunzeln. Aber manchmal muss sie auch eingreifen, Streit schlichten. Sie möchte Facebook nicht missen. „Schon in der 5. Klasse haben 99 Prozent ein Handy, die meisten ein Smartphone. Da musst Du mithalten.“ Einem Schüler das Handy wegzunehmen, sei die Höchststrafe. Schlimmer als ein Verweis. Facebook gebe neue Möglichkeiten, mit den Schülern zu kommunizieren. Und viele Entwicklungen seien früher erkennbar.

Adriana Simelka ist keine Lehrerin. Aber sie hat ihr Büro in der Mittelschule. Jetzt sitzt sie im Büro der Schulleiterin. Für das Gespräch hat sie sich die wichtigsten Stichpunkte auf ein Blatt notiert. Sie habe die Schüler auf Facebook neu kennengelernt, sagt sie. Schüchterne sind auf Facebook plötzlich ganz stark. Muntere Schüler im Netz plötzlich depressiv. Die Jugendsozialarbeiterin ist von der Gemeinde allein für die Schule angestellt. „Poing leistet sich das“, sagt Schulleiterin Simone Fleischmann. „Wir sind glücklich darüber.“

Auch die Schulleiterin hat ihre Schüler neu kennengelernt, seit sie bei Facebook ist. Da öffneten sich neue Welten. Sie sei schon erstaunt, „wie sich die Schüler auf dieser Plattform outen, was alles mitteilungswürdig ist“. Manche Schüler posten mit ihrem Smartphone jeden McDonald’s-Besuch. Privatsphäre, sagt Fleischmann, ist für einen Siebt- oder Achtklässler „überhaupt nicht wichtig“. Freizügige Fotos, verräterische Nachtaufnahmen – wo Schüler überall „abhängen“, ist erstaunlich. Einmal fand die Lehrerin Aufnahmen einer Schülerin, die nachts um 23.30 Uhr am Marienplatz entstanden – mitten unter der Woche. Einmal entdeckte sie ein diskriminierendes Foto, das ein Siebtklässler während des Unterrichts mit seinem Handy von einem Mitschüler geknipst hatte, versehen mit dem Kommentar „so ein Opfer“. Schon über 60 Kinder hatten das Bild, meist mit abfälligen Bemerkungen über „das Opfer“, kommentiert, ehe Adriana Simelka darauf stieß. Sie hat dann ein Gespräch mit dem Schüler geführt, der jetzt so ein Bild gewiss nicht noch einmal bei Facebook einstellen wird. Und die Sozialarbeiterin Simelka weiß jetzt ein Stück mehr über die schwierigen Beziehungsgeflechte in der Klasse Bescheid.

Fast täglich ist Adriana Simelka bei Facebook unterwegs. Sie trennt strikt zwischen ihrem persönlichen Auftritt und ihrer offiziellen Anmeldung als „Jas Poing“. Sie hat schon so manchen Liebeskummer mitverfolgt. Nicht immer interveniert sie, nur dann, wenn sie spürt, dass etwas aus der Bahn geraten könnte. Manchmal verwickelt sie auch eine Schülerin, der nur langweilig ist, in Smalltalk via Facebook: „Hallo, wie geht’s Dir?“ Eine kurze Antwort, auch wenn man eigentlich mit etwas anderem beschäftigt ist, gehört sich dann einfach, findet Adriana Simelka. Man darf nicht nur schimpfen. Und so hat sie sich auch zu den Typen von Abercrombie & Fitch mit ihrem abnormen Waschbrettbauch einen schwärmerischen Kommentar abgerungen.

Eigentlich lehnt das Kultusministerium Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern ab. „Von einer unterrichtlichen Nutzung sozialer Netzwerke ist mit Blick auf die besondere Schutzbedürftigkeit der Schülerinnen und Schüler abzusehen“, heißt es in einer Bekanntmachung vom Oktober vergangenen Jahres. Doch das Ministerium weiß um den „Zwiespalt“ dieser Verfügung. Simone Fleischmann findet es wichtig, dass die Schule bei Facebook präsent ist. Das ist für sie „Medienkompetenz“. „Früher hieß das, dass man weiß, wie der Videorekorder funktioniert.“ Heute müsse sich der Lehrer in den sozialen Netzwerken auskennen.

Von Dirk Walter

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Kommentare

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A.S.25.03.2013, 12:53Antwort
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Frau Simelka ist aber keine Lehrerin! Sondern die Sozialpädagogin an der Schule. Ihre Aufgabe ist, genau das Gegenteil von Distanz zu den Jugendlichen zu haben. Bei LehrerInnen ist es anders, da gebe ich Ihnen recht.

Eliza Weizenbaum30.01.2013, 15:11Antwort
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Moodle ist tatsächlich gut, aber leider sehr langsam und auch alles andere als intuitiv zu bedienen. Und ob Facebook nur ein Hype ist... ich hoffe es zumindest...

Gemeindeplag25.01.2013, 07:56
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Facebook hat bei diesem Thema die selben Tücken wie sonst auch.
Jeder vernünftige Mensch/Lehrer muss bei der Nutzung genau im Auge behalten, wie weit er/sie gehen kann oder will.

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