Steinhöring - Wenn der Patient nicht zur Information kommen kann, dann kommt die Information eben zum Patienten - nach diesem Motto handelte Willi Daniels aus Steinhöring und rief die Internet-Plattform www.telemedizin-selbsthilfe.de für Schlaganfallpatienten und deren Angehörige ins Leben.

Willi Daniels Zugang zur Plattformgibt es auf Einladung.
„Wir haben bundesweit 480 Selbsthilfegruppen für Schlaganfallpatienten, in denen rund 15 000 Menschen eingebunden sind“, sagt Daniels, unter anderem Vorstandsvorsitzender der Insulthilfe e.V. Es gebe aber rund eine Million Betroffene. „Da frage ich mich, wo sind die anderen 985 000?“, sagt Daniels und fügt an: „Sicher, viele wollen nicht in so eine Gruppe. Aber viele haben auch nicht die Möglichkeit, daran teilzunehmen, weil sie durch den Schlaganfall nicht mehr mobil sind.“
Mit der Internetplattform wolle er keinesfalls eine Konkurrenz oder einen Ersatz zu den Selbsthilfegruppen schaffen. „Es soll vielmehr eine Ergänzung sein“, betont der 62-Jährige, der vor 14 Jahren selbst einen Schlaganfall erlitt. „Das Internet ist für viele Betroffene ein wichtiger Kontakt zur Außenwelt.“ Auf seiner Seite gehe es nicht nur um den Austausch, sondern vor allem um Information. Was die Interessierten dazu bräuchten, sei neben einem Laptop oder PC mit Internetzugang auch eine Kamera und ein Mikrofon, damit gemeinsames Sehen und Hören möglich wird. Auch Schaltungen zu Vorträgen oder Buchlesungen möchte Daniels erreichen, etwa im März, wenn er in Eisenach auf einen Kongress eingeladen ist. „Ich stelle dann meinen Laptop mit Kamera auf den Tisch und die Personen zuhause können das verfolgen“, sagt Daniels, der vor einem Jahr auch eine online-Gruppe auf Facebook angelegt hat.
Gesponsort wird die Plattform für ein Jahr von der Firma Klughammer aus Deggendorf, die sich unter anderem auf die Entwicklung von Telemedizin spezialisiert hat.
Eine finanzielle Unterstützung von den Kassen erhält Daniels bisher nicht. Zwar seien diese verpflichtet, die Selbsthilfe zu fördern. Dies gelte aber nicht für die Tele-Selbsthilfe. Der engagierte Steinhöringer hat deswegen eine schriftliche Anfrage an Wolfgang Zöller (MdB), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, gerichtet. In einem Antwortschreiben aus Berlin heißt es dazu: „Wir werden bei Gelegenheit das Thema der Finanzierung der Tele-Selbsthilfe in geeigneten Gremien zur Diskussion bringen.“
In dieser Woche ist Daniels auf einem Kongress in Kiel. Dort trifft er sich mit Vertretern der deutschen Schlaganfallstiftung, mit denen er über eine Kooperation reden möchte. „Wir sehen die Chance, dass man etwas bewegen kann“, zeigt er sich zuversichtlich.
Von Tanja Beetz
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