Ebersberg - Doris Rauscher ist die SPD-Kandidatin für die Ebersberger Bürgermeisterwahl am 11. März 2012. Die 44-Jährige wurde am Mittwochabend mit einem Wahlergebnis von 100 Prozent gekürt. Rauscher sagte, sie könne und wolle „Ebersbergs Aufbruch in die Zukunft lenken“.

„Ich stehe hier, weil ich am 11. März die Bürgerinnen und Bürger um den Auftrag bitten will, unserer Stadt eine Zukunft zu schaffen“: Doris Rauscher nimmt nach der Nominierung die Glückwünsche ihrer Mutter Marianne entgegen. Foto: jro
Der Saal auf der „Ebersberger Alm“ ist gut gefüllt. Rund 100 Interessierte sind gekommen, um in einem auch für Nichtmitglieder geöffneten Verfahren die Herausforderin von Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) zu küren, der die Kreisstadt seit fast 18 Jahren regiert. Die Grünen hatten schon vor Wochen Philipp Goldner ins Rennen geschickt, die Freien verzichten auf einen Kandidaten.
Doris Rauscher wählt das Thema „Zeit“ für ihre Nominierungsrede. Sie spricht unaufgeregt, aber bestimmt, sie wirkt seriös, aber nicht überkandidelt. Ähnlich wie Amtsinhaber Brilmayer lobt auch die SPD-Frau die Fähigkeit der Stadtratsfraktionen zur „überparteilichen Verantwortung“ als Glücksfall. Brilmayer habe daran seinen Anteil. Allerdings - und schon ist es vorbei mit den Streicheleinheiten - stünden die „notwendigen, zukunftsweisenden Projekte bis heute nicht wirklich überzeugend auf Ebersbergs Agenda“. In allen Fragen der Zukunft reagiere Ebersberg nur - und auch das oft reichlich spät. „Wir müssen endlich anfangen, vorausschauend zu handeln!“, ruft die zweifache Mutter, die beim Paritätischen Wohlfahrtsverband als pädagogische Leiterin arbeitet, in den weihnachtlich dekorierten Saal.
Neben der energiepolitischen Wende spricht Rauscher an diesem Abend vor allem das Thema Kinderbetreuung, ihr eigentliches Steckenpferd, an. Die Stadt müsse sich auf den „demographischen Wandel“, auf die Überalterung vorbereiten. Auch hier würden in den kommenden Jahrzehnten weit mehr hilfsbedürftige Menschen leben, „als wir mit den heutigen Angeboten versorgen können“. Rauscher fordert ein Gesamtkonzept, das alle Generationen einbezieht, mit einer „zuverlässigen Kinderbetreuung“. Damit würde man junge Menschen ermutigen, „bei uns eine Familie zu gründen. Sonst werden wir in 30 Jahren sagen: Die Menschen, die Ebersbergs Probleme hätten lösen können, sind leider nicht geboren worden“, fügt die Genossin an.
Nur ein einziges Mal nennt sie Rathauschef Walter Brilmayer an diesem Abend direkt beim Namen, ihre Kritik an der Stadtführung verpackt sie stest geschickt - so, dass der Adressat immer klar ist. Rauscher sagt, es sei beschämend, dass die Mittelschule erst jetzt, „nach 40 Jahren“ Abnutzung saniert werde. Den Bahnhof bezeichnet sie als Schandfleck, der zur Visitenkarte gemacht werden müsse. Ihr „ganz großes Ziel“ sei eine lebendige Stadt mit einer anziehenden Mitte, in der das Leben pulsiert.
Rauscher betont am Ende ihrer rund 20-minütigen Rede, dass sie nicht kandidiere, um sich lediglich für spätere Wahlen zu empfehlen. Dafür sei ihre Hochachtung vor dem Bürgermeisteramt zu groß. „Ich stehe hier, weil ich am 11. März die Bürgerinnen und Bürger um den Auftrag bitten will, unserer Stadt eine Zukunft zu schaffen. Unabhängig davon, wer sich oder mir welche Chancen errechnet: Ich stelle mich zur Wahl, weil mir Ebersberg zu wichtig ist für Rechenspiele“, sagt die Kandidatin. Niemand könne heute wissen, wie sich die Ebersberger am 11. März entscheiden. Was sich nicht wandle, stehe still, in einer bewegten Zeit heiße Stillstand Rückschritt. Rauscher: „Deshalb müssen mit vergangene Ergebnisse und daraus abgeleitete Wahrscheinlichkeiten gleichgültig sein.“
Zahlreiche Genossen treten im Anschluss an Rednerpult, um Rauschers Kompetenz zu preisen. Da ist zum einen Poings SPD-Bürgermeister Albert Hingerl, der mit seinem Markt Schwabener Kollegen Georg Hohmann nach Ebersberg gekommen ist. Hingerl lobt „die Doris“, die er aus der Zeit kennt, als Rauscher noch in Poing lebte und dort den Verein „Kinderland“ mitgründete, der heute mehrere Kinderhäuser betreibt. Mit ihr als Bürgermeisterin könne man gemeinsam die „Nord-Süd-Achse“ stärken. Das Ebersberger SPD-Urgestein Hans Mühlfenzl meint, Doris Rauscher könne „neue Antworten“ geben. „Doris kann's.“ Man brauche nicht jemanden, „der den Bestand verwahrt“.
Von Michael Acker
Einen Kommentar zu diesem Thema finden Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 2. Dezember.
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