Die Gemeinderätin will keinesfalls als „Tierfeindin dastehen“, sondern einfach „keine Tiere leiden sehen“ und appelliert, das von ihr aufgegriffene Thema „differenziert zu betrachten. Es sei durchaus wichtig, Tiere in einem Tierheim unterzubringen. Auch die Tagespflege eines Tieres gegen Entlohnung findet sie okay. Dann kommt aber Roths großes Aber: Ein Haustier sei ein Tier, das auf den Menschen fixiert ist. Und wenn das Tier keinen Menschen mehr habe, „verkümmert es seelisch“. Es fühle sich dann wie im Gefängnis. „Damit wird man dem Tier nicht gerecht.“ Dass dem so ist, sagt sie aus eigenem Erleben: „Selbst das Kaninchen im Stall freut sich, wenn ich auf es zugehe.“
Und deshalb sieht Roth auch den vom Tierschutzverein geplanten Bau eines Tierheims im Gewerbegebiet im Ebersberger Norden skeptisch. Grünen-Fraktionssprecher Helmut Obermaier war es, der sich in der Sitzungsrunde noch am weitesten im Sinne seiner FW-Kollegin hinauslehnte: Er könne ihre Aussage durchaus verstehen, die 25 Euro pro Tier und Tag lägen schließlich „weit über dem Hartz IV-Satz“. Eine Lösung sei aber schwierig. Noch zwei Tage später bewundert und lobt er Roths Mut. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) zeigte sich von der Diskussion „schon überrascht“ und verwies darauf, dass eben die Gemeinde ihre ordinäre Aufgabe, sich um Fundtiere zu kümmern, dem Tierschutzverein übertragen habe. Es sei nicht Aufgabe des Gremiums, „hierüber die ethische Diskussion zu führen“, appellierte er.
In diese Kerbe schlägt auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis, Evelyn Bauer aus Vaterstetten: Roth solle sich „nicht wegen des Geldes zur Herrscherin über Leben und Tod aufspielen“. Wie komme Roth dazu, einen gesunden Hund einschläfern zu wollen, „der einfach nur das Pech hat, zur falschen Zeit gerade keinen Besitzer zu finden“, fragt Bauer. Für die Vorsitzende des Tierschutzvereines ist Roths Diskussionsanstoß „unfassbar“. Tiere im Tierheim würden „nicht verkümmern, sondern auch betreut“. Bauer weiter: „Dort gibt es auch Gassi-Geher.“ Die vom Tierschutzverein eingeforderten 40 Cent pro Einwohner und Jahr summieren sich zu einem respektablen Betrag, bei dem der Zornedinger Anteil nur 3560 Euro beträgt. Zahlen alle Landkreisgemeinden den beantragt höheren Zuschuss, kämen insgesamt 51 905,60 Euro zusammen, rechnet Bauer vor. Die tatsächlichen Kosten für die Betreuung liegen laut Tierschutzverein aber bei 63 473 Euro.
Eberhard Rienth

© FWUrsula Roth (FWG) will herrenlose Tiere einschläfern lassen.













