Zorneding - Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

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    • 13.07.12
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Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

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Zorneding - „Wenn ein herrenloses Tier länger als ein viertel oder halbes Jahr im Tierheim ist, gehört es eingeschläfert.“ Dieser provokante Satz stammt von Zornedings FWG-Gemeinderätin Ursula Roth und fiel im Sozial, Kultur- und Sportausschuss.

Wie finden Sie die Forderung der Zornedinger Gemeinderätin, Tiere im Heim einschläfern zu lassen?

Das Voting ist beendet. Es wurde wie folgt abgestimmt:

(92.4)%Grausam! Niemand sollte Tiere töten!

(7.0)%Sie hat Recht - die Tiere sollten nicht lange im Tierheim leiden müssen.

(0.6)%Interessiert mich nicht. Die Diskussion um Tiere ist mir egal.

Nach der Tagesordnung der jüngsten Sitzung war der Antrag des Tierschutzvereins im Landkreis auf Erhöhung des gemeindlichen Zuschusses zu behandeln. Statt wie bislang 20 Cent pro Einwohner sollen 40 Cent jährlich bezahlt werden. Mit 7:1 passierte das Begehren das Gremium. Die Gegenstimme kam - nach kurzer Diskussion - von der streitbaren Frau der Freien Wähler. Beifälliges Kopfnicken hat Roth in der Beratungsrunde ausgemacht. „Doch sagen will‘s keiner.“ Roth betont: „Ich stehe dazu und ich weiß, dass das unpopulär ist.“

Die Gemeinderätin will keinesfalls als „Tierfeindin dastehen“, sondern einfach „keine Tiere leiden sehen“ und appelliert, das von ihr aufgegriffene Thema „differenziert zu betrachten. Es sei durchaus wichtig, Tiere in einem Tierheim unterzubringen. Auch die Tagespflege eines Tieres gegen Entlohnung findet sie okay. Dann kommt aber Roths großes Aber: Ein Haustier sei ein Tier, das auf den Menschen fixiert ist. Und wenn das Tier keinen Menschen mehr habe, „verkümmert es seelisch“. Es fühle sich dann wie im Gefängnis. „Damit wird man dem Tier nicht gerecht.“ Dass dem so ist, sagt sie aus eigenem Erleben: „Selbst das Kaninchen im Stall freut sich, wenn ich auf es zugehe.“

© FWUrsula Roth (FWG) will herrenlose Tiere einschläfern lassen.

Für Roth geht es nicht um den Cent-Betrag pro Einwohner, sondern um die Summen. „Tatsache ist leider oftmals, dass Fundhunde nicht in den Pflegestellen des Tierschutzvereins untergebracht werden konnten und somit für 25 Euro pro Tag sehr, sehr lange im Tierheim München betreut werden mussten“, lautete nämlich ein Satz in der Sitzungsvorlage. Ein anderer: Pro Einzelfall könnten die „tatsächlichen Kosten durchaus bei 1000 Euro liegen“. „Da bekomme ich einen dicken Hals, wenn ich mir vorstelle, von wie wenig manche Menschen täglich leben müssen“, ärgert sich Roth. Sie kommt deshalb auch zu noch einem anderen Stück Systemkritik: „Leute, die Tiere irgendwo anbinden, weil sie diese nicht mehr haben wollen, rechnen aufs Tierheim. Die Existenz von Tierheimen leistet deshalb solchem Verhalten Vorschub.“

Und deshalb sieht Roth auch den vom Tierschutzverein geplanten Bau eines Tierheims im Gewerbegebiet im Ebersberger Norden skeptisch. Grünen-Fraktionssprecher Helmut Obermaier war es, der sich in der Sitzungsrunde noch am weitesten im Sinne seiner FW-Kollegin hinauslehnte: Er könne ihre Aussage durchaus verstehen, die 25 Euro pro Tier und Tag lägen schließlich „weit über dem Hartz IV-Satz“. Eine Lösung sei aber schwierig. Noch zwei Tage später bewundert und lobt er Roths Mut. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) zeigte sich von der Diskussion „schon überrascht“ und verwies darauf, dass eben die Gemeinde ihre ordinäre Aufgabe, sich um Fundtiere zu kümmern, dem Tierschutzverein übertragen habe. Es sei nicht Aufgabe des Gremiums, „hierüber die ethische Diskussion zu führen“, appellierte er.

In diese Kerbe schlägt auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis, Evelyn Bauer aus Vaterstetten: Roth solle sich „nicht wegen des Geldes zur Herrscherin über Leben und Tod aufspielen“. Wie komme Roth dazu, einen gesunden Hund einschläfern zu wollen, „der einfach nur das Pech hat, zur falschen Zeit gerade keinen Besitzer zu finden“, fragt Bauer. Für die Vorsitzende des Tierschutzvereines ist Roths Diskussionsanstoß „unfassbar“. Tiere im Tierheim würden „nicht verkümmern, sondern auch betreut“. Bauer weiter: „Dort gibt es auch Gassi-Geher.“ Die vom Tierschutzverein eingeforderten 40 Cent pro Einwohner und Jahr summieren sich zu einem respektablen Betrag, bei dem der Zornedinger Anteil nur 3560 Euro beträgt. Zahlen alle Landkreisgemeinden den beantragt höheren Zuschuss, kämen insgesamt 51 905,60 Euro zusammen, rechnet Bauer vor. Die tatsächlichen Kosten für die Betreuung liegen laut Tierschutzverein aber bei 63 473 Euro.

Eberhard Rienth

Rubriklistenbild: © dpa

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