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Das Anne-Frank-Gymnasium Erding ist seit Dienstag Partner von Yad Vashem,  hier  Direktorin Helma Wenzl (M.) mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (r.) und Noa Mkayton bei der Unterzeichnung.

Historischer Akt

Anne-Frank-Gymnasium besiegelt Partnerschaft mit Yad Vashem

Erding - Es ist ein historischer Akt: Als eine von drei Schulen in Bayern besiegelte das Anne-Frank-Gymnasium Erding gestern im Landtag eine Partnerschaft mit der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Künftig soll es regelmäßige Kontakte zwischen jungen Leuten in Erding und Israel geben.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm sprach bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden gestern Mittag von einem „historischen Moment im Maximilianeum“. Neben dem Anne-Frank-Gymnasium Erding gehen auch das Katharinen-Gymnasium Ingolstadt und das Melanchthon-Gymnasium Nürnberg dauerhafte Beziehungen mit der weltberühmten Gedenkstätte Yad Vashem ein.

Für Erding unterschrieb Oberstudiendirektorin Helma Wenzl. Neben Stamm nahmen an dem Festakt Bildungspolitiker teil, aber auch der israelische Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser sowie Dr. Noa Mkayton, Leiterin der Abteilung für die deutschsprachigen Länder in der Internationalen Schule für Holocauststudien der Gedenstätte. Sie war einige Jahre Lehrerin am Erdinger Gymnasium und hatte den Kontakt eingefädelt.

1953 wurde die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegründet. Bekannt sind ihr düsterer Raum mit der ewigen Flamme und in einer Kuppel aufgehängten Fotos von Opfern der Schoah

2005 wurde die Schule in Anne-Frank-Gymnasium umbenannt. Seither hat sich die gesamte Schulfamilie verstärkt dem friedlichen Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung sowie für Verständigung und Toleranz verschrieben. Seit einigen Jahren ist die Einrichtung auch Mitglied im Projekt „Schule ohne Rassismus“.

Wenzl erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, „dass Partnerschaft mit Yad Vashem ein neuer Höhepunkt in der Beschäftigung mit Anne Frank ist. Wir haben uns schon länger überlegt, wie wir das Schulprofil in dieser Richtung weiter schärfen und vertiefen können.“ Im Mittelpunkt stehen ihren Worten zufolge bislang Anne-Frank-Botschafter, die die neuen Fünftklässler in die Geschichte und das Vermächtnis der 1945 im Alter von 16 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben gekommenen Jugendlichen einführen. „Das geschieht über Informationen, Filme sowie der Lektüre des Tagebuchs von Anne Frank“, erklärt die Schulleiterin.

Vor etwa zwölf Jahren verließ Lehrerin Barbara Riedner die Schule neben dem Kirchlein Heilig Blut und wanderte nach Israel aus. Dort heiratete sie und trat zum jüdischen Glauben über. Sie nahm den Namen Noa Mkayton an – besagte Verantwortliche für die deutschsprachigen Länder in Yad Vashem. Mkaytons Kontakt in die alte Heimat ist nie abgerissen. Sie wusste auch vom Interesse in Erding, die Arbeit rund um Anne Frank intensivieren zu wollen.

An diesem Punkt kommt Birgit Schiwietz ins Spiel, Leiterin des Schularbeitskreises Anne-Frank-Botschafter. Sie nahm 2012 an einem Seminar der International School for Holocaust Studies teil, das von ihrer Ex-Kollegin Mkayton geleitet wurde.

Bei einem Verwandtenbesuch wenig später, erinnert sich Wenzl, schaute Mkayton in der Schule vorbei, und man besprach Möglichkeiten einer dauerhaften Beziehung. Erleichtert wurde dieses Bemühen durch die intensiven politischen Kontakte zwischen dem Freistaat und Israel. Einer der treibenden Kräfte war und ist der KZ-Überlebende Max Mannheimer, der mindestens einmal im Jahr ans Gymnasium kommt, um den Jugendlichen von seinen schrecklichen Erlebnissen aus der Nazizeit, der Verfolgung und Vernichtung der Juden zu berichten. Auf staatlicher Ebene reifte schließlich der Gedanke, Partnerschaften zwischen Schulen und Gedenkstätte aufzubauen.

Wenzl, Schiwietz und die gesamte Schulfamilie – alle waren begeistert von der neuen Bindung – haben den Kopf voller Ideen, wie die Partnerschaft mit Leben erfüllt werden könnte. „Wir denken etwa an Videokonferenzen der jungen junge Leute, gegenseitige Lektüre und der Austausch darüber. Wünschenswert wäre natürlich, wenn wir beispielsweise mit einer israelischen Schule eine dauerhafte Verbindung eingehen könnten“, hofft Wenzl. Sie fände es sehr reizvoll, wenn sich die jungen Leute gegenseitig besuchten.

Hans Moritz

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