Gut verstanden sich Ulrike Scharf, Abt Johannes und Christoph Kober (v. l.) im Erdinger Weißbräu. Foto: Moritz

Abt Johannes gewährt tiefen Einblick ins moderne Klosterleben

Erding - Prominenter Gast bei CSA und Mittelstandsunion Erding. Abt Johannes aus dem Kloster Andechs sprach.

Die Arbeitswelt wird immer dominanter, sie vergönnt kaum noch Verschnaufpausen. Nicht alle können diesem Tempo standhalten. Wie Menschen das schwierige Rollenleben zwischen Beruf und Familie wieder zusammenführen können, das versuchte Johannes Eckert aufzuzeigen. Abt Johannes vom Kloster Andechs und St. Bonifaz München sprach auf Einladung der CSU-Mittelstandsunion und des Arbeitnehmerflügels CSA.

Deren Vorsitzende Ulrike Scharf und Christoph Kober hatten den 43-Jährigen in den Erdinger Weißbräu eingeladen. Die Herzogstadt war für den promovierten Theologen eine Premiere, „im Haus einer anderen Brauerei als unserer Andechser“ sogar eine ganz besondere, wie der Benediktiner augenzwinkernd versicherte.

Scharf führte Abt Johannes als einen Mann ein, der beide Seiten in einer Person vereine: „Er ist ein Kirchenmann ebenso wie Manager eines Wirtschaftsbetriebs.“ Der erinnerte an den Grundsatz der Regel Benedikt, ora et labora - bete und arbeite. „Auf das UND kommt es an“, erklärte Abt Johannes, mit bürgerlichem Namen Claudius Josef Eckert, der achte Abt Bonifaz’ und der 33. auf dem Heiligen Berg. Im Kloster gebe es feste Gebetszeiten, die wie Inseln der Besinnung und Einkehr seien.

So wie ein Arbeitnehmer die Gratwanderung zwischen Berufs- und Familienleben schaffen müsse, hätten die Benediktiner den Spagat zwischen geistiger Gemeinschaft und Wirtschaftsunternehmen zu meistern. „Dies ist ein Zwiespalt, der auch uns immer wieder vor Probleme stellt“, gab der Kloster-Obere zu und erinnerte beispielsweise an den Zwang, sich von einem schlechten Mitarbeiter nach der zweiten Abmahnung auch einmal trennen zu müssen. „Genauso ergeht es uns, wenn wir einem jungen Mann mitteilen müssen, dass er nicht für das klösterliche Leben geeignet ist.“

Hinzu kämen Zielkonflikte, etwa die christliche Nächstenliebe und die Gastfreundschaft auf der einen Seite, und die Pflicht, den Betrieb wirtschaftlich zu führen. Abt Johannes machte deutlich, dass es wichtig sei, klare Grenzen zu ziehen. „Dazu gehört etwa, dass unser Bräustüberl um 20 Uhr schließt.“ Viele kritisierten das und würden dem Kloster mangelnde Gastfreundschaft vorwerfen. „Auf der anderen Seite unterwerfen wir uns nicht jedem ökonomischen Zwang.“

Das riet Johannes auch in der anschließenden, von JU-Kreisvorsitzendem Alex Wegmaier moderierten Diskussion. Scharf und Kober interessierte vor allem, wie man wirtschaftlich erfolgreich sein könne, ohne die Regeln des christlichen Miteinanders zu verletzen. Der Abt riet zu einer ausgeprägten Mitarbeiterorientierung. „Als wir unser Sudhaus erneuert hatten, waren drei Stellen überflüssig. Wir haben aber niemanden entlassen, sondern alle in das Projekt mit einbezogen.“ Dies habe zu einer sehr hohen Motivation, und damit zu mehr Leistung geführt.

Scharf erinnerte daran, dass es am ehesten dem Mittelstand gelinge, Mitarbeiterfürsorge und unternehmerischen Erfolg zu verknüpfen. Mit Johannes war sie sich aber einig, dass bei allem Miteinander der Bestand eines Unternehmens nicht gefährdet werden dürfe. Der Benediktiner gab unumwunden zu, „dass es Fälle gibt, in denen Entlassungen nicht zu vermeiden sind“.

Kober und Scharf unterstützten den Kirchenmann in seiner Auffassung, dass man dem Kapitalismus nicht blind folgen dürfe. So erteilte Scharf einer Ausweitung der Ladenöffnungszeiten eine strikte Absage. Ob allerdings alle im Saal dem Beispiel von Abt Johannes folgen werden, ist fraglich: „Nach 20 Uhr setze ich mich nicht mehr an den Schreibtisch. Nach neun, zehn Stunden Arbeit muss es auch mal gut sein.“

(Hans Moritz)

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