Erding - Walpertskirchener Spange und Erdinger Ringschluss – zwei lange geplante Gleisstrecken drohen an widerstreitenden Interessen zu scheitern. Der Erdinger Bürgermeister Max Gotz hält das endgültige Aus des Bahnprojekts für möglich.

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Die Bahnprojekte: gestrichelt die Spangen. Im neuen Bedarfsplan für Bundesschienenwege ist bereits nur noch die Süd-Variante eingezeichnet. Grün der Erdinger Ringschluss.
Nordtrasse oder Südtrasse, das ist derzeit die Gretchenfrage in Erding. Die Kommunalpolitiker diskutieren mit Verve, wie die Bahnlinie zwischen der Stadt Erding und dem Flughafen München geführt wird, so dass die Erdinger endlich mit der Bahn zum nahen Flughafen fahren könnten. Dieser Erdinger Ringschluss soll nur kommen, wenn gleichzeitig die Walpertskirchener Spange – also die Verbindung der Mühldorfer Schienenstrecke mit der Erdinger S-Bahn-Trasse – gebaut wird. Irgendwo muss die Spange in die S 2-Strecke einmünden – und hier beginnen die Probleme, die viele Erdinger Stadträte schier verzweifeln lassen.
Ursprünglich hatte der Freistaat mit der sogenannten Nordeinschleifung geliebäugelt. Sie beginnt nordöstlich von Walpertskirchen und trifft im Stadtgebiet von Erding auf die Bahnlinie der heutigen S 2. Am Fliegerhorst würden beide Gleisstränge zusammengeführt. Der bestehende Bahnhof Erding würde zu Gunsten eines Fliegerhorst-Bahnhofs aufgegeben. In diesem würden sich Regional- und S-Bahn-Züge auf zwei Ebenen kreuzen. Dafür liegt sogar ein Bebauungsplan vor.
Bürgermeister Max Gotz (CSU) ist enttäuscht. Das Wirtschaftsministerium wolle eine „Minimallösung“ mit möglichst kurzem Tunnel, höhengleichen Bahnübergängen und „0,0 Lärmschutz“, fürchtet er. Sein Urteil: „inakzeptabel“. Am morgigen Dienstag diskutiert der Stadtrat über die Entwicklung.
Auch wenn der Stadtrat die von Zeil favorisierte Südeinschleifung beschließen sollte, bedeutet das nicht, dass das Projekt tatsächlich kommt. Es droht vielmehr, wieder einmal, auch am fehlenden Geld zu scheitern.
Dazu genügt ein Blick in den im November überprüften Bedarfsplan für die Bundesschienenwege. Denn anders als zuvor soll die Walpertskirchener Spange „auf Wunsch des Freistaates Bayern“ rein aus Bundesmitteln finanziert werden. Nach aktuellen Schätzungen kostet die Strecke 96 Millionen Euro, sie ist ein Bestandteil des „Bahnknoten München“, der unter anderem auch den viergleisigen Ausbau der Strecke Daglfing-Johanneskirchen sowie den Ausbau des Pasinger Bahnhofs vorsieht.
96 Millionen – das ist eigentlich nicht viel. Doch der Bau der Spange beeinträchtigt kurioserweise den sogenannten Nutzen-Kosten-Faktor (NKV) des „Bahnknotens“. Dieser ist bei der Beurteilung von Bahnstrecken entscheidend. Der NKV beträgt mit Spange nur 2,3, ohne aber 2,7. Den Grund kennt der Abteilungsleiter Verkehr im Wirtschaftsministerium, Hans Peter Göttler: Spange und Ringschluss sind mit sechs Zügen pro Stunde und Richtung nur vergleichsweise gering ausgelastet. Das schlägt negativ zu Buche. Der Grünen-Verkehrsexperte im Bundestag, Toni Hofreiter, sieht den Bau der Spange daher „in weite Ferne gerückt“.
Vorerst hält das Bundesverkehrsministerium im Bedarfsplan an der Spange fest – es müsse versucht werden, den NKV zu verbessern, indem man Nutzen aus der Verknüpfung von Luft- und Bahnverkehr ziehe, heißt es vage – schließlich sei dann der Flughafen besser an die Schiene angebunden.
Ein Hammer kommt indes zum Abschluss des Kapitels im Bedarfsplan: Voraussetzung für den Bau der Spange, so heißt es da, sei die Elektrifizierung der Freilassinger Strecke, „da in den unterirdischen Flughafenbahnhof nur Züge mit Elektrotraktion einfahren dürfen“. Diese Elektrifizierung indes ist gleichfalls schon lange gefordert – und bislang unerreichbar.
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