Erding - Sollte Erdings Bürgermeister Max Gotz Silvestefeuerwerk in der Altstadt tatsächlich verbieten, würde er damit auf nahezu einhellige Zustimmung stoßen. Vor allem Sicherheitsexperten raten ihm dazu, deutlich härter durchzugreifen.

Lebensgefährlich können harmlos erscheinende Böller werden. Ihre Sprengkraft ist enorm.
Der Bericht des Einsatzzugs der Erdinger Polizei aus der Silvesternacht hat Max Gotz sensibilisiert. Von „kriegsähnlichen Zuständen mit Dauerfeuer bei der Versorgung einer Schwerverletzten“ musste der Bürgermeister lesen. Beamte, Feuerwehrler und Sanitäter seien kreuz und quer regelrecht beschossen worden. Gotz reicht’s: Schon heuer dürfte es mit der Knallerei in der Innenstadt vorbei sein.
„Richtig so“, kommentiert Erdings Vize-Polizeichef Bodo Urban das Ansinnen. „Es kann nicht sein, dass der Rettungsdienst die Unterstützung der Polizei braucht, um zu einer Patientin zu gelangen.“ Die Stadt könne sich wie in Freising auf die allgemeine Sprengstoffverordnung berufen, die Böller etwa in unmittelbarer Nähe zu Kirchen untersagt. Sie könne aber auch eine eigene Satzung erlassen. „Wer das Verbot dann kontrolliert, das müsste aber noch geklärt werden“, so Urban.
Auch beim BRK-Rettungsdienst rennt Gotz offene Türen ein. Dessen Chef Hans Maisch berichtet: „Unsere Leute müssen hier unter extrem erschwerten Bedingungen arbeiten.“ Gerade das waagrechte Abschießen von Raketen stelle eine enorme Gefahr da. „Jetzt ist es eskaliert, und darum muss jetzt reagiert werden. Die Menschenansammlungen sind einfach zu groß, dass jeder rumballern kann, wie er will“, so Maisch.
Die schwerverletzte 18-Jährige landete übrigens auf dem OP-Tisch des Kreiskrankenhauses Erding und wurde dort von den Chirurgen um Dr. Cvetan Taskov versorgt. Auf den konkreten Fall darf der Chefarzt für Plastische Chirurgie wegen der Schweigepflicht nicht eingehen. Aber: „Mindestens einen Schwerverletzten haben wir hier jedes Jahr. Es sind nicht nur übelste, teils entstellende Verbrennungen, sondern auch Explosionsverletzungen. Abgerissene Glieder seien keine Seltenheit.
Auch auf der Facebook-Seite der Heimatzeitung wird das drohende Verbot diskutiert. Bemerkenswert: Hier sprechen sich alle Kommentatoren ebenfalls klar für das Verbot aus. Ein User weist darauf hin, dass in den meisten Ländern Feuerwerke Sache der öffentlichen Hand seien. „Es wird geballert ohne Maß und Ziel. Da bekommt man es schon mit der Angst zu tun“, meint eine Frau. Ein Online-Leser verweist auf die hohe Brandlast in der Altstadt. Ein weiterer stellt in Frage, ob viele Hobbyfeuerwerker zu vorgerückter Stunde „überhaupt noch zurechnungsfähig“ seien. Ihn störe, dass so viele Menschen auf engem Raum zusammenkämen. „Das Gefahrenpotenzial ist zu hoch.“ Eine Facebook-Nutzerin schreibt, in Erding gebe es genug Freiflächen, wo man böllern könne, ohne andere zu gefährden.
(Hans Moritz)
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