Erding - Die CSU will Großprojekte beschleunigen und dazu den Klageweg beschneiden. In der Klausur in Kreuth soll ein Grundsatzpapier beschlossen werden. Im Landkreis stößt die Idee auf unterschiedliche Reaktionen.

© Fotos: Archiv
Der S-Bahn-Ringschluss wird seit über 30 Jahren projektiert
Das Erdinger Land ist ein Paradebeispiel für Großprojekte, die zum Teil seit Jahrzehnten in der Planung stecken – etwa die Flughafentangente mit 36-jähriger Planungs- und Bauzeit, die endlose Geschichte um die Autobahn A 94 durchs Isental, der S-Bahn-Ringschluss mit Walpertskirchener Spange, der Ausbau der Bahnstrecke München – Mühldorf – Freilassing und nicht zuletzt die dritte Start- und Landebahn am Flughafen. Den CSU-Bundestagsabgeordneten dauern die Verfahren viel zu lange. Jetzt soll eine Gesetzesänderung her, damit Vorhaben überregionaler Bedeutung rascher umgesetzt werden können. Dazu soll in der Klausur in Wildbad Kreuth ein neues Grundsatzpapier beschlossen werden. Die Bürgerinitiativen sind wachsam. Aber auch Befürworter warnen davor, die Mitspracherechte Betroffener zu sehr zu beschränken.
Sehr kritisch betrachtet Helga Stieglmeier, Grünen-Kreisvorsitzende und Mitglied des Aufgemuckt-Sprecherrates, den Vorstoß. „Bürgerbeteiligung stelle ich mir anders vor als den Klageweg zu beschränken.“ Grundsätzlich sei es zu begrüßen, wenn die CSU für mehr Transparenz in der Anfangsphase eintrete. „Es kann aber nicht ein, dass wir am Anfang Kritik üben dürfen, die Betroffenen vor Ort dann aber keinen Einfluss mehr auf den Lauf der Dinge haben“, so Stieglmeier. Der Rechtsweg mache auch deswegen Sinn, „weil oft erst hier Dinge auf den Tisch kommen, von denen vorher keiner was wusste.“
Kein Verständnis hat Jakob Baumgartner vom Bund Naturschutz Dorfen und Mitglied der Aktionsgemeinschaft gegen die Isentalautobahn. „In Bayern ist der Klageweg über die Verwaltungsgerichte ohnehin schon sehr knapp. Es gibt faktisch nur eine Instanz. Und oft wird dann auch die Möglichkeit der Revision gar nicht erst zugelassen.“ Das Klagerecht müsse als Waffe betroffener Bürger unbedingt erhalten werden. „Alles andere wäre ein massiver Abbau von demokratischen Grundrechten“, so Baumgartner.
Hans Moritz
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