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Wie jetzt im Prozess bekannt wurde: Angeklagter Christoph W. kündigte Doppelmord an.

Paukenschlag im Prozess

Christoph W. kündigte Notzinger Doppelmord an

Notzing/Landshut - Ein Paukenschlag im Prozess um den Notzinger Doppelmord: Wie jetzt bekannt wurde, hatte der Angeklagte Christoph W. die Tat zuvor angekündigt.

Wie Tochter Cornelia W. (18) in ihrem eigenen Verfahren vor dem Freisinger Jugendrichter erklärt hatte, habe ihr Ex-Verlobter Christoph W. (22) aus Freising bereits vor der Trennung bei einem Streit angekündigt, ihre Eltern Franz-Xaver (60) und Heidi R. (54) umzubringen.

Vor nur mehr spärlich besetzten Zuhörerreihen wurde am Nachmittag des fünften Verhandlungstages im Prozess um den brutalen und grausamen Mord an dem Notzinger Ehepaar noch einmal der Freisinger Jugendrichter Boris Schätz vernommen, der im Dezember das Verfahren gegen die Tochter Cornelia R. wegen Beihilfe zur versuchten Strafvereitelung durchgeführt hatte. Die Auszubildende war wegen ihrer Mithilfe bei der versuchten Beseitigung der Leichen zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Tochter noch immer stark traumatisiert

Dagegen hat die 18-Jährige Berufung eingelegt und inzwischen über ihren Anwalt Robert Alavi erklären lassen, im Prozess gegen ihren Ex-Verlobten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen, da sie durch das Geschehene noch stark traumatisiert sei.

Alle Infos zum Doppelmord in Notzing finden Sie hier.

Über Jugendrichter Schätz führte die Schwurgerichtskammer jetzt die damals über ihren Verteidiger abgegebene fünfseitige Erklärung ein, in der die 18-Jährige zunächst über das Kennenlernen im Jahr 2008 berichtete. Da habe der Anlagenmechaniker noch eine andere Freundin gehabt. Ab Mai 2010 sei die Beziehung dann intensiver und sie selbst, so die Auszubildende, immer stärker unter seinen Einfluss geraten. So habe er ihr Verbote auferlegt: Sie durfte nicht mehr mit anderen Personen, auch nicht mit Arbeitskollegen im Autohaus, privat sprechen oder sie gar anlächeln. Nach Arbeitsschluss habe es wie an den Wochenenden Kontrollanrufe gegeben, bei denen sie präzise ihren Tagesablauf schildern musste.

Christoph W. stellte Regeln für ihre Kleidung auf

Auch was ihre Kleidung anging, habe es Vorschriften gegeben: Keine Röcke, die über dem Knie endeten, keine „Dreiviertelhosen”, kein T-shirt mit Ausschnitt und nur flache Schuhe. Auch Schminken und Schmuck waren tabu. In der Berufsschule war ihr der Kontakt zu Mitschülern untersagt. Er habe sich sogar einmal mit in die Klasse setzen wollen, um sie zu kontrollieren. Auch ihr Handy habe er permanent nach Kontakten und SMS gefilzt, eines zerstört.

Weil sie ihm ab Herbst 2011 nicht mehr „folgte”, habe er sie an Weihnachten in der Wohnung seiner Mutter in Freising eingesperrt, dann auch noch einmal eine Woche lang ab dem Neujahrstag 2012. Als sie flüchten wollte, habe er sie mit einem Teppichmesser verfolgt und zum Umkehren bewegt. Immer wieder sei er auch ausgerastet, habe sie geschlagen, einmal sogar gewürgt und mit einem Messer bedroht.

Doppelmörder Christoph W. vor Gericht - Bilder vom Notzing-Prozess

Doppelmörder Christoph W. vor Gericht - Bilder vom Notzing-Prozess

An den Wochenenden habe er praktisch permanent an dem Haus in Lengdorf gebaut. Dabei habe sie ihm mehrfach helfen und sogar Geld geben müssen - einmal 200 Euro, erinnerte sich die 18-Jährige. Wenn man sich in der Wohnung seiner Mutter aufgehalten habe, sei er meistens vor dem Computer gesessen oder an der Playstation. Disco oder andere Feiern seien tabu gewesen.

Weil sie Angst vor ihm gehabt habe und mutlos gewesen sei, sei sie bei ihm geblieben und habe auch, als sie eingesperrt gewesen sei bzw. ihm bei der Beseitigung der Leichen helfen musste, Fluchtmöglichkeiten nicht genutzt, hatte die 18-Jährige über ihren Verteidiger erklären lassen und dann der Paukenschlag: Bei einem Streit kurz vor der Trennung habe er zunächst angekündigt, dass er sich selbst umbringen werde. Als sie ihm entgegnet habe, dass ihm dazu der Mut fehle, habe er angekündigt: „Dann bring ich halt deine Eltern um.”

Nur sehr „oberflächlich” sei die Verteidigererklärung gewesen, was die Ereignisse am Tattag betroffen habe, so der Jugendrichter. Mit getürkten SMS von den Handys der bereits ermordeten Eltern habe er sie nach Hause gelockt und mit Drohungen - auch mit einem Messer - gezwungen, bei der Beseitigung der Leichen zu helfen. Sie habe funktioniert „wie eine Maschine”, permanent Angst gehabt. Er habe wieder seine Dominanz ausgespielt und sie sei in alte Verhaltensmuster zurückgefallen. Ihrem Tagebuch hatte Cornelia R. anvertraut: „Ich fasse es nicht, dass er es fertig gebracht hat, Mamma und Pappa zu töten und mich da reinzuziehen.”

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

ötl

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