Endstation Erding? Die Kommunalpolitik will den Anschluss Erdings an den Flughafen und an die Regionalbahn so schnell nicht an den Prellbock fahren. Foto: ham

Kehrtwende beim Ringschluss: Politiker sind entsetzt

Erding - Die indirekte Ankündigung des Wirtschaftsministeriums, S-Bahn-Ringschluss und Walpertskirchener Spange auf Eis zu legen, ist für die Politik ein herber Schlag. Ans Aufgeben denkt aber keiner.

Der Erdinger Bürgermeister und Vize-Landrat Max Gotz (CSU) dürfte die Meinung vieler auf den Punkt gebracht haben: „Noch nie waren wir vom Ziel so weit entfernt. Der Weg ist damit sehr viel länger geworden.“

Landrat Martin Bayerstorfer sieht in dem möglichen Aus für die beiden Schienenprojekte nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der östlichen Flughafenregion in Gefahr, „sondern wegen der Bedeutung des Airports auch die des gesamten Freistaates“. Daher müsse jetzt rasch gehandelt werden. Der Kreischef und CSU-Kreisvorsitzende kündigt an, sich um einen baldigen Termin bei Bundesverkehrsminister und Parteifreund Peter Ramsauer zu bemühen. „Ein Brief reicht da jetzt nicht mehr aus.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer spricht sich gar für ein drittes, kreditfinanziertes Konjunkturprogramm aus. „Im Juli wird der Bundeshaushalt für 2011 aufgestellt, da brauchen wir eine Aufstockung des Etats für die Infrastruktur um etwa 2,5 Milliarden Euro“, fordert der Ebersberger. 500 Millionen Euro müssten nach Bayern fließen. Neben dem Ausbau der Strecken nach Garmisch-Partenkirchen und Lindau sei der nach Südostbayern eines der drei wichtigsten Projekte. Dass der Bund dafür weitere Schulden machen müsste, hält Schurer für vertretbar. „Das rentiert sich. Denn irgendwann ist die Krise vorbei, und spätestens dann brauchen wir leistungsfähigere Transportwege.“

Gotz sieht in diesem Zusammenhang auch den Freistaat in der Pflicht. Als Haupteigentümer des Flughafens müsse das Land auch in die Infrastruktur rundherum investieren, zumal die Regierung hinter dem Ausbau des Airports stehe.

Einig sind sich alle, dass sie trotz aller Finanzierungsschwierigkeiten weiterhin für Ringschluss und Walpertskirchener Spange eintreten werden. „Wir brauchen beides. Wir sind eine Wachstumsregion, die auch ihre Schattenseiten hat“, so Gotz mit Hinweis auf den anschwellenden Verkehr. CSU-Bundestagsabgeordneter Max Lehmer zeigte sich ob der Rückzugsankündigung enttäuscht. „Mir wurde immer etwas anderes mitgeteilt.“ Am Donnerstag will er über die seiner Meinung nach „plötzliche Kehrtwende“ bei einem lange vereinbarten Termin mit Ramsauer sowie Vertretern des Staates und der Bahn reden.

Winfried Busch, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Bahntunnel Erding, ist verwundert. „Es wäre schön, wenn wir mal eine klare Aussage bekämen.“ Die BI werde ihr Engagement für eine Untertunnelung Erdings ungebremst fortsetzen. „Sollte der Ringschluss doch kommen, darf dieser trotz klammer öffentlicher Kassen keinesfalls oberirdisch geführt werden“, erklärt Busch. Eine Forderung, an der auch Gotz nicht rütteln lassen will.

(Hans Moritz)

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