Gibt sie jetzt die Richtung vor? Ebersbergs CSU-Kreischefin Angelika Niebler (2. v.r.) mit ihrem Erdinger Kollegen Martin Bayerstorfer, Christian Kopp vom Bezirksverband und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (v. l.). Foto: ham

Nach Kandidaten-Wahldesaster: Erdinger CSU leckt Wunden

Landkreis - Im Erdinger CSU-Kreisvorstand entgleisten am Samstag reihenweise die Gesichtszüge, als klar war, dass eigene Delegierte Bundestagsbewerber Josef Widmann hatten durchfallen lassen. Nun wird aufgearbeitet - und geschimpft.

Mindestens drei Abweichler in den Reihen der 80 Erdinger Delegierten waren es, die den Frauennneuhartinger Andreas Lenz in Forstern zur Bundestagskandidatur verholfen haben. Die 80 Ebersberger Kandidaten hatten geschlossen für den 31-Jährigen gestimmt. Widmann (Erding) musste sich geschlagen geben. Noch in der Versammlung in Forstern wurde klar: Die Gegenstimmen standen vorher fest - ungeachtet zweier Probeabstimmungen, bei denen der 46-Jährige alle 80 Voten bekommen hatte. Seither treibt den Vorstand die Frage um: Sollte Kreischef Martin Bayerstorfer beschädigt werden?

Der versucht, sich gelassen zu geben. „Ich gebe zu, ich war und ich bin nicht glücklich über den Ausgang, zumal sich die Abweichler vorher immer anders verhalten haben.“ Ob es eine gezielte Aktion gewesen sei, deren Ergebnis vorher festgestanden habe, wisse er nicht. „Ich will niemanden verdächtigen“, so der Kreischef. „Vor Überraschungen ist man nie gefeit.“

Dennoch ist Bayerstorfer der Auffassung: „Josef Widmann, dem jetzt auch kein Verliererimage anhaftet, war genau der richtige Mann. Wir werden ihn sicherlich künftig auf dem Schirm behalten. “

Erdings Oberbürgermeister Max Gotz macht keinen Hehl daraus, „dass ich maßlos enttäuscht war“. Widmann könne all das vorweisen, „was sich ein anderer jetzt erst erarbeiten muss“. Dennoch plädiert der Vize-Kreisvorsitzende dafür, „die Spekulationen über die Hintergründe jetzt ganz schnell zu beenden“, denn die brächten im Wahlkampf gar nichts. Vor der Entscheidung über den Landtagskandidaten in knapp zwei Wochen mahnte Gotz „jetzt endlich absolute Geschlossenheit“ an.

Eine der Bewerberinnen ist Ulrike Scharf. Sie sagt von sich: „Ich bin sehr enttäuscht. Wenn’s um die Wurst geht, muss die Familie zammhalten.“ Schließlich sei es ein wichtiges Mandat in einer Zeit vieler drängener Projekte im Kreis Erding. „Wir wären mit einem Mann aus den eigenen Reihen besser aufgestellt.“ Ob die drei Nein-Stimmen Bayerstorfer galten, „das ist reine Vermutung“, so Scharf. Entscheidend sei jetzt: „Wir müssen wieder zueinander finden, um einen guten Wahlkampf zu organisieren und durchzuführen.“

Scharfs Gegenbewerber am 7. März in Taufkirchen ist MdL Jakob Schwimmer. Er ist drüber weg: „Ja, das war ärgerlich, aber heute sehe ich es gelassener.“ Er glaubt nicht, „dass hier jemand sein Mütchen am Vorsitzenden kühlen wollte. Ich meine auch nicht, dass es ausschließlich Landwirte waren“. Schwimmer macht aber deutlich, „dass es nicht korrekt war, vorher Einmütigkeit zu zeigen, um dann auszuscheren“. Aber so sei eben Demokratie, wenn geheim abgestimmt werde.

Um Besänftigung ist Erdings Ehren-Kreisvorsitzender Hans Zehetmair bemüht. Er war am Samstag aus familiären Gründen nicht dabei. „Vielleicht war die Vorbereitung- und Vorstellungszeit für Josef Widmann zu kurz“, mutmaßt er. Lenz habe sich schon vor Wochen bei ihm vorgestellt. „Er ist sehr systematisch vorgegangen“, so der Kultusminister a.D.. „Ich glaube nicht, dass die Abweichler auf Personen gezielt haben - weder auf Widmann noch auf Bayerstorfer.“ Und: „Mit Lenz haben wir einen sehr qualifizierten Mann.“

Bedauerlich sei, wenn sich interne Kritiker „hinter ihrem Stimmzettel verstecken“. So viel Offenheit könne man durchaus verlangen. „So redlich muss jeder einzelne schon sein“, fordert Zehetmair.

(Hans Moritz)

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen