Prozess um Doppelmord von Notzing: Christoph W.: „Habe größtes Leid zugefügt“

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    • 29.01.13
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Prozess um Notzing-Mord

Christoph W.: „Habe größtes Leid zugefügt“

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Notzing - Christoph W. hat zum Prozess-Auftakt um den Notzinger Doppelmord die Bluttat gestanden. Zugleich zeigte er Reue. Der Antrag der Verteidigung, die Öffentlichkeit auszuschließen, scheiterte.

© dpa

Der Angeklagte Christoph W. steht am Dienstag im Gerichtssaal.

Die Entscheidung, den Prozess gegen Christoph W. in den größten Saal des Landgerichts zu verlegen, erweist sich als richtig: Schon früh am Morgen strömen Zuhörer, Journalisten und Kameraleute herbei. Sie wollen den 22-jährigen Anlagenmechaniker aus Freising sehen, der am 30. März 2012 das Ehepaar Heidi (54) und Franz R. (60) erstochen und erschlagen haben soll – aus Wut und Rache für die gelöste Verlobung der Tochter Cornelia. Zugleich will er die 17-Jährige für sich zurückerobern, wenn er die verhassten Eltern aus dem Weg geräumt hat.

W. will sich den Kameras nicht stellen. Mit über den Kopf gezogener Häftlingsjacke wird er in den Saal geführt. Die Ärmel seines Sweatshirts hat er hochgeschoben. Auf den Unterarmen sind Schnittverletzungen zu sehen – Ritzungen als Zeichen, dass seine Suizidabsichten ernst zu nehmen sind.

Die über 100 Zuschauer bekommen W. erst zu Gesicht als die Fotografen draußen sind – ein schmächtiger, schüchtern wirkender Mann. Er trägt Handschellen mit Bauchgurt sowie Fußfessel.

Als Staatsanwalt Ralph Reiter die Anklage verliest, schaut W. zu Boden oder auf den Tisch. Nur manchmal erwischt sein Blick fast schüchtern den Ankläger. Kontakt zum Richtertisch vermeidet er ebenso wie zum Publikum. Sein Kiefer mahlt, die Hände sind gefaltet. Man sieht: In dem 22-Jährigen rumort es.

Reiter berichtet von der Bluttat, von 30 Messerstichen gegen Heidi R., nachdem er bereits Franz R. regelrecht niedergemetzelt hat. Davon, wie er die leblosen Körper an den Füßen in den Partykeller des schmucken Einfamilienhauses an der Schlossstraße gezogen hat. Und er erinnert an den dreifachen Versuch, mit der Ex die Leichen verschwinden zu lassen.

Besonders geht der Ankläger auf den Moment ein, als Cornelia R. nichts ahnend von der Berufsschule nach Hause kommt. W. habe sie mit offenem Taschenmesser empfangen und in ihr Zimmer gedrängt. Dort fesselte er sie und nötigte sie, ihm zu helfen. Sie willigte ein, folgte ihm in den Keller zu den toten Eltern. Reiter ist überzeugt: „Er hat aus Rache, Wut und Hass gehandelt. Sein Verhalten war verachtenswert und menschlich auf der tiefsten Stufe.“ Die Tat sei von langer Hand geplant gewesen. Zudem habe ein Übertöten stattgefunden.

Doppelmörder Christoph W. vor Gericht - Bilder vom Notzing-Prozess

Danach ergreift Verteidiger Winfried Folda das Wort – und sorgt für Aufsehen. Er will die Öffentlichkeit ausschließen. Seine Begründung: W. habe die Sorge, die Kammer sei aufgrund der „vorverurteilenden Berichterstattung“ voreingenommen. Geppert unterbricht die Verhandlung. Nach einer Stunde gehen die Türen wieder auf – Antrag abgelehnt.

Folda sagt, sein Mandant werde sich nicht äußern, weil er Details vergessen habe. Dann verliest der Anwalt eine Erklärung: W. „übernimmt die volle und alleinige Verantwortung für die Tat“. Die Gründe seien ihm, der das Geschehene bereue, bis heute nicht klar. „Es tut ihm sehr leid, er ist geschockt und hätte sich eine solche Tat nicht zugetraut.“ Die Angehörigen und seine eigene Familie bittet W. um Verzeihung. „Er weiß, dass er ihnen größtes Leid zugefügt hat“, schließt Folda.

Am Nachmittag berichten Kripobeamte von der Situation an den Tatorten. Anton Wegmaier etwa schildert W. bei der Vernehmung als „stoisch und ruhig“. So sei ihm aber auch Cornelia R. aufgefallen. „Sie hat emotionslos alle Fragen beantwortet“. Das Erlebte sei nach außen hin nicht sichtbar gewesen. Kollege Werner Vogl berichtet, dass W. zugegeben habe, Cornelia mehrmals geschlagen und sie sowie den Vater schon einmal mit dem Tod bedroht zu haben.

Doppelmord: Die Bilder vom Tatort

Im Saal ist auch der Bruder der Getöteten. Er hat nur einen Wunsch – „dass der lebenslänglich mit Sicherungsverwahrung bekommt“. Mit seiner Einschätzung trifft der Münchner die Sicht vieler Beobachter: „Hier geht es doch nur noch darum, wie krank der Mörder ist.“ Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

Hans Moritz

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