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Nordumfahrung I: Langengeisling stemmt sich gegen die Blechlawine

Nordumfahrung I: Langengeisling stemmt sich gegen die Blechlawine

Erding/Riedersheim - Die Gegner der Erdinger Nordumfahrung sitzen vor allem in Langengeisling und in Bockhorn. Dies machte die Diskussion im Anschluss an die Bürgerversammlung des Landkreises am Montagabend in Riedersheim (siehe Bericht oben) deutlich.

Diese Lagerbildung verwundert nicht, mussten die Planer des Straßenbauamtes Freising doch einmal mehr zugeben, dass die neuen Betroffenheiten vor allem in dem Erdinger Stadtteil sowie in der Gemeinde östlich der Kreisstadt entstehen. Zum Teil überwiegen hier die neuen Belastungen die Erleichterungen durch den Bau der ED 99.

Bockhorns Bürgermeister Hans Schreiner stellte das gesamte Projekt in Frage. „Ich glaube nicht, dass die erhoffte Verkehrsreduzierung eintritt, nicht einmal in Erding.“ Schreiner schlug vor, lieber auf die B388-Südostumfahrung der Herzogstadt zu setzen. Dazu merkte Bayerstorfer an, dass diese Verlegung „in weiter Ferne liegt, und niemand sagen kann, ob der Bund das bezahlt“. Verkehrsplaner Helmuth Ammerl erklärte, beide Projekte hätten insofern nichts miteinander zu tun, „als die ED 99 Ost-West-Verkehre aufnehmen soll, die B 388 neu aber als Entlastung der Nord-Süd-Achse gedacht ist“. Schreiner und weitere Bockhorner Redner brachten einmal mehr die Verlängerung der ED 99 über Grünbach hinaus ins Spiel.

Grundsätzliche Bedenken meldete auch Martin Naumaier aus Erding an, Vater einer der Trassenvariante Mitte. Er bestritt die Prognose der Gutachter, auf seiner Route liege der Entlastungseffekt um 50 Prozent unter dem der Süd-Lösungen. „Die Alternative wäre doch, dass sich die Fahrzeuge weiter durch Erding quälen müssen. Das macht keiner.“ Bayerstorfer hielt entgegen: „Dann bleibt es bei den unerwünschten Schleichwegen quer durch Fraunberger Flur in Richtung Flughafen.“

Die Bedenken der Langengeislinger lassen sich neben dem Bestreben, Natur und Naherholungsflächen im Norden Erdings zu erhalten, in der Sorge zusammenfassen, eines Tages die Nordumfahrung vor der Tür zu haben, während die Nordanbindung als Parallele zur Alten Römerstraße nicht gebaut wird. Befürchtet wird in diesem Fall eine rapide Zunahme des Zubringerverkehrs zur ED 99 - mitten durchs Dorf.

Hartmut Witting von der Geislinger Bürgerinitiative wollte wissen, ob mit dem Bund schon geredet, und ob die Natur im Bereich Fliegerhorst schon untersucht worden sei. Dies verneinte Stefan Marzelli vom Straßenbauamt Freising mit dem Hinweis: „Das ist nicht unser Auftrag, das ist Sache Erdings.“

Da ergriff Bürgermeister Max Gotz das Wort, der nicht nur daran erinnerte, wie wichtig gute Anbindungen Erdings an die ED99 seien, sondern dass es diesbezüglich auch klare Beschlüsse des Stadtrates gebe, die in Zusammenhang mit der Überplanung des Fliegerhorstes hinsichtlich eines neuen Kreuzungsbahnhofs stünden. Gotz erklärte aber auch, er könne nicht nur die Geislinger vertreten. Er und der Stadtrat repräsentierten mittlerweile 36 000 Bürger. Und dass Erding dringend vom Verkehr entlastet werden müsse, sei unstrittig, „zumal wir mit weiterem Wachstum rechnen müssen, ob wir wollen oder nicht“. Er schloss nicht aus, „dass am Ende ein Ratsbegehren steht. Dann werden wir sehen, was die Erdinger wirklich wollen“.

Max Tauber erklärte, eine Entlastung der Kreisstadt auf Kosten Langengeislings sei mit der Bürgerinitiative nicht zu machen. Die Alte Römerstraße sei schon jetzt überlastet, man stehe im Falle des Baus der ED 99 nicht besser da als die Anlieger der Anton-Bruckner-Straße heute. Dem widersprach Bayerstorfer: „Bei der ED 99 halten wir einen Abstand von mindestens 150 bis 200 Meter ein.“ Weywadel erinnerte die Langengeislinger daran, dass schon der Bau der Nordumfahrung an sich die bestehenden Straßen massiv entlaste. Ammerl ergänzte: „Selbst wenn die Parallele zur Alten Römerstraße nicht kommt, hieße das noch nicht, dass der Verkehr im Dorf zunimmt. „Die meisten wollen zum Flughafen oder nach Erding-West.“

Kaum Verständnis für die Klagen aus Geisling brachte Burkhard Köppen aus Altenerding auf. Er erinnerte an den Bau der B 388-Südumgehung in den 80er Jahren. „Damals gab es auch enorme Widerstände, und heute können wir es uns ohne gar nicht mehr vorstellen.“

Hans Moritz

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