St. Prosper 2013: Zu viele Pointen für nur einen Preis

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    • 20.01.13
    • Erding
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St. Prosper 2013: Zu viele Pointen für nur einen Preis

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Erding - Der Nachwuchspreis St. Prosper ist zur festen Größe geworden. Alle Kandidaten zeigten kabarettistische Klasse.

Feinsten Humor von Alltags-Gags über Skurriles bis hin zu Politsatire erlebten die Gäste des Nachwuchs-Kabarettwettbewerbs St. Prosper am Samstag. Die Künstler trieben den Erdingern in der ausverkauften Schiaßn die Lachtränen in die Augen und die Jury fast zur Verzweiflung. Die Entscheidung war zu schwer. Mit Wortwitz, vollem Körpereinsatz und Vielseitigkeit überzeugte schießlich Özcan Cosar die Mehrheit des dreiköpfigen Komitees. Dessen Votum machte den türkisch-stämmigen Stuttgarter zum Gewinner 2013. Der 20-jährige Martin Frank aus dem Bayerischen Wald war allerdings derart haushoch der Liebling des Auditoriums, dass die Veranstalter schnell noch einen Publikumspreis kreierten.

Damit sollte Moderator Matthias Matuschik fast Recht behalten. „Eure Meinung zählt mehr als die von einem Schreiberling, einem Musiker und einem Bier-Fuzzi“, hatte er den Gästen am Anfang entgegengerufen. Ihre addierten Stimmkarten hätten nur im Zweifelsfall mehr Gewicht gehabt als die Meinung der Juroren (Andi Brenninger, Gebietsverkaufsleiter vom Erdinger Weißbräu, Pianist und Stadtrat Peter Heger sowie der Autor dieser Zeilen). Börnie Sparakowski von der Sinnflut Kultur GmbH war es am Ende dennoch eine Freude, dem jungen Frank als Extraprämie eine Solo-Show in der Schiaßn zu gewähren. Cosars Hauptpreis besteht aus fünf Auftritten auf bayerischen Bühnen mit garantierter Gage.

Bayern-3-Mann Matuschik führte durch den Abend, und seine Moderationen waren schon ein Kabarettprogramm für sich. Den Auftakt machten die Vorjahressieger von Creme Bavarese. Mit ihrem Warteschleifen-Song brachten sie den Irrsinn der Callcenter auf den Punkt.

Bilder vom Nachwuchs-Kabarettwettbewerb St. Prosper 2013

Auf dem ausgeknobelten ersten Wettbewerbsplatz heizte Frank dem Publikum sofort ein. Sein grenz-debiler Hinterwäldler-Charme machte die Gäste fassungslos. Seine Beschreibung der verlotterten „Männerwirtschaft“ auf dem Bauernhof seines Vaters ließ sie vor Lachen aufkreischen.

Ihm folgte gleich der Sieger. Cosar kokettierte unterhaltsam mit seiner türkischen Herkunft. Schon im Kindergarten habe er gemerkt, dass andere Südländer bei den Deutschen höher im Kurs stünden. „Papa, dann will ich Italiener sein“, habe er gesagt - vergeblich. Der Brüller war seine Präsentation verschiedener Disco-Tanzstile.

Skurril-komisch und spontan war der Auftritt von Gymmick. Der Nürnberger dichtete auf Zuruf Kalauer über Frisuren und den „Suizid süßer Tiere“: „Krokodil, Stein ans Bein, ab in den Nil“.

Ein Kandidat mit politischen Anspruch war Tano Bokämper aus München. Er widmete deutschen Islamisten wie dem fiktiven „Rüdiger Mohammed Islam“ bitter-böse Pointen und empfahl sich als Texter von CSU-Wahlkampf-Slogans („Alte Tanten statt Migranten“).

Schwarzen Wiener Humor samt Publikumsbeschimpfung und Bühnenschlägerei lieferte das Duo „2gewinnt“. Die Performance hinterließ manche ratlos, doch Fans von alpenländischem Sarkasmus lachten laut.

Eine Materialschlacht bot der Schweizer This Maag. Er enterte die Bühne mit übermannsgroßem Rucksack und zauberte daraus typisch Eidgenössisches hervor. Darunter ein Käsefondue, das er an Gäste in den ersten Reihen verfütterte. Maag fantasierte vom Beitritt der EU zur Schweiz. Der Vorteil als Bürger dieser „Großschweiz“: „Sie brauchen keine Meinung mehr, Sie sind jetzt neutral.“

Gleichgültig hinterlässt die zweite Auflage des St. Prosper keinen Kabarettbegeisterten. Knapp zwei Dutzend Künstler hatten sich beworben. Die besten sechs zeigten bei dem „Nachwuchs-Wettbewerb“ professionelle Bühnenkunst.

(Timo Aichele)

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