Erding - Sechs Jahre ist es her, da lehnte sich der damalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu weit aus dem Fenster: 2010 werde der S-Bahn-Ringschluss fertig sein. Daraus wird nichts. Dennoch glaubt der CSU-Politiker weiterhin an den Ausbau.

Gut erschlossen der Münchner Flughafen nur von Westen her. Im Osten gibt es allerdings noch erheblichen Nachholbedarf. Foto: ham
Am Rande einer Veranstaltung der CSU-Mittelstandsunion versicherte Otto Wiesheu am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass sowohl der S-Bahn-Ringschluss als auch die Walpertskirchener Spange realisiert werden.“ Der Zollinger beruft sich dabei auf seine Erfahrung als bayerischer Wirtschafts- und damit auch Verkehrsminister ab 1993 sowie als Mitglied des Bahn-Vorstandes bis voriges Jahr.
Wiesheu erklärte, dass beide Projekte nicht nur beim Freistaat Bayern, sondern auch bei der Deutschen Bahn als sehr wichtig angesehen würden. „Es gibt keinen Zweifel, dass der Osten des Flughafens München dringend besser erschlossen werden muss“, so Wiesheu. Ihm sei bewusst, „dass die finanziellen Mittel knapp sind“. Dennoch glaube er an die Realisierung. „Der Ringschluss wird nicht über den Bundesverkehrswegeplan finanziert, sondern aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes“, erläuterte der frühere Minister und Manager. Zwar sei auch dieser Topf sehr belastet, allerdings sei die Lage enspannter als bei den Projekten, die über den Bundesverkehrswegeplan finanziert werden. Auf einen Zeitpunkt wollte sich Wiesheu allerdings nicht (mehr) festlegen lassen.
Die Olympiabewerbung 2018 der Stadt München könnte den Ausbauplänen nach Auffassung Wiesheus neuen Schub verleihen. „Wenn wir da die Zusage bekommen, kann das Planung und Umsetzung beflügeln.“ Denn in diesem Fall sei eine zweite Schienenanbindung des Airports an die Landeshauptstadt erst recht wichtig.
Offiziell war Wiesheu am Dienstag Gast beim Kreisverband der CSU-Mittelstandsunion. Deren Vorsitzende Ulrike Scharf hatte den Präsidenten des Wirtschaftsbeirates der Union für ein Referat im Weißbräu gewinnen können. Dabei stellte Wiesheu die Krise in den Kontext der sozialen Marktwirtschaft. Der deutschen Wirtschaft bescheinigte er, die Talfahrt weitgehend überwunden zu haben. Dauerhaft werde es aber nur aufwärts gehen, wenn Wirtschaft und Politik wieder mehr miteinander als schlecht übereinander redeten. Von der Politik erwarte er, sich stärker Klein- und Mittelstand und weniger der Großindustrie zu widmen.
(Hans Moritz)
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