Fraunberg - Das BürgerForum des Bayerischen Rundfunks war zu Gast in Fraunberg. Thema der Diskussion: die dritte Startbahn.

Gut 40, in einem Rechteck angeordnete Scheinwerfer erhellen den Saal des Gasthauses Stulberger in Fraunberg. Gemeinsam mit den rund 200 Zuhörern heizen sie den Raum kräftig auf. Quasi ein Brutkasten für die Diskussion, der neue Erkenntnisse zum Bau der dritten Startbahn entwachsen sollen: So hofft es das Bayerische Fernsehen. Und das in 45 Minuten, der Sendezeit des BürgerForum Live.
Vier Kameras sind auf den Mann gerichtet, der jetzt von Moderator Tilmann Schöberl das Wort bekommt. Alfred Alschinger hat ein schwarzes T-Shirt über sein sein blau-weiß kariertes Hemd gezogen. „Keine Dritte Startbahn“ steht darauf in weißen Lettern - das Erkennungsmerkmal der großen Attachinger Fraktion an diesem Abend. „Warum samma hier in Fraunberg, und nicht in Attaching?“, fragt er. „Habts ihr uns schon abgeschrieben?“ Schöberl begründet das damit, dass der Wirt nunmal genug Platz biete, um ihn in ein T-Studio zu verwandeln. „Wenn die Startbahn kommt und die Flughöhe auf 50 bis 80 Meter über der Ortschaft sinkt, dann ist das so laut, wie eine Motorsäge, die neben einem Holz schneidet“, sagt der Attachinger.
Auch berichten die Mitglieder der T-Shirt-Fraktion von Dachschindeln, die sie zusätzlich befestigen müssen, damit sie nicht von den Wirbeln der Tiefflieger davongetragen werden. Sie erzählen von einer Sportanlage, die wegen des Lärms aufgegeben wird, und Kindern, die aus dem gleichen Grund drinnen spielen müssen. „Sie zerstören eine Dorfgemeinschaft. Wie menschenverachtend kann jemand sein?“, fragt Michael Buchberger in Richtung FMG-Geschäftsführer Michael Kerkloh und erntet Applaus.
Bei dessen Antwort geht ein ungläubiges Raunen durch den Saal. Er spricht von einer Abwägungsentscheidung und versichert, dass die neue Bahn nachts nur im äußersten Notfall geöffnet würde. Die Ausführungen von Finanzminister Georg Fahrenschon bekommen ein passende Klangkulisse: Ein Flugzeug dröhnt über dem Wirtshaussaal.
Schöberl gibt der Diskussion Nahrung, fragt Kerkloh, ob man nicht erst die vorhandenen Schulden tilgen sollte, bevor man baut. Für Kerkloh ein Leckerbissen, schließlich ist auch er gut vorbereitet und antwortet gekonnt: „Bei der dritten Startbahn sieht es so aus, als müssten wir gar kein Geld aufnehmen.“
Äpfel mit
Kerosin-Schleier
Das erste fruchtbare Argument liefert Erdings Kreisbäuerin Elisabeth Mayr, in Form eines Apfels. Sie hält ihn in die Kamera, die eine BR-Angestellte mit großem Kopfhörer hastig in ihre Richtung dirigiert. Die Adamsfrucht trägt einen grauen Schleier. Spuren des Kerosins, vermutet Mayr. Dann macht sich die Pro-Startbahn-Gruppe erstmals lautstark bemerkbar. Auch bei Hellmut Gebhardt, Geschäftsführer einer FMG-Tochter, ist etwas gewachsen. Nämlich die Mitarbeiterzahl seiner Firma. Und das macht er am Airport fest.
Schöberl blickt nervös in Richtung der Regie. Die Sendezeit neigt sich ihrem Ende zu. Die Argumentationskette des Freisinger Architekten Robert Flux wird vom Moderator durchtrennt. Er braucht zu lange, um - eigentlich gut durchdacht - den Zwiespalt zwischen dem Aufruf der bayerischen Regierung zum Klimaschutz und dem Mammutprojekt im Erdinger Moos auszubrüten.
Noch kurz darf der evangelische Dekan Jochen Hauer die Frage nach den ethischen Grenzen des Wachstums ins Scheinwerfer-Rechteck werfen. Kerkloh lächelt. Schöberl gibt ab zur Rundschau, und tätowierte Techniker ziehen die Stecker. Ein neues Argument oder gar eine Lösung in der Startbahn-Debatte entwächst dem Brutkasten nicht.
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