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CSU-Austritte: „Für die klebe ich keine Plakate mehr“

CSU-Austritte: „Für die klebe ich keine Plakate mehr“

Flughafen - Kehrt nach Berglern und Freising der dritte CSU-Ortsvorsitzende der Partei den Rücken? Wartenbergs Chef Eduard Ertl macht’s zwar noch nicht offiziell, hat sich aber wohl schon entschieden.

Eduard Ertl kündigt aus Wartenberg weiteres Unheil für die CSU an.

Zuerst schmiss Herbert Knur und mit ihm der gesamte Berglerner Ortsvorstand sein Parteibuch in die Ecke. Nun folgten beim Nachbarn im Freisinger Stadtrat acht Austritte, die die Räte neben interner Querelen zumindest teilweise mit dem Bau der dritten Startbahn in Verbindung brachten. Für Donnerstagabend beraumte der Erdinger Kreisvorstand eine Krisensitzung an, denn nun deutet sich auch Unheil aus Wartenberg an.

„Wir haben in der Fraktion die Lage sondiert, und es wird sich was tun“, kündigte der Ortsvorsitzende Eduard Ertl. Er wolle aber erst noch die Mitglieder des Ortsvereins benachrichtigen. Sicher ist: Einige der vier CSU-Markträte werden aus der Partei austreten. Als Erster hat bereits Markus Remde Konsequenzen gezogen. Für ihn sei der Planfeststellungsbeschluss zur dritten Startbahn lediglich der letzte Auslöser gewesen, sagte der 36-Jährige. Sein halbes Leben sei er in der Partei gewesen, doch die Art, wie sie inzwischen „Politik nach Tageslaune“ betreibe, habe ihm schon lange nicht mehr gefallen. Zu einer anderen politischen Gruppierung werde er allerdings nicht überwechseln, weil er sich „eher im konservativen Lager“ sieht. Auch wird er weiterhin sein Mandat als Marktrat in Wartenberg wahrnehmen.

Wartenbergs Ortsvorsitzender Ertl wollte noch nicht offiziell bestätigen, dass er die Partie verlassen wird. Doch die Art und Weise, wie der 49-Jährige über seine Kollegen in München redet, lässt darauf schließen. Die 80 000 Einwendungen der betroffenen Bürger gegen die dritte Piste seien mit einem Federstrich weggewischt worden. „Die Begründung, dass die Verkehrsanbindung ausreichend sei, ist eine Watschn für den Flughafenosten“, ärgert sich Ertl und mokiert sich über einen Zeitungsartikel im Bayernkurier. „Dort sind wir als Minderheit vom Moos bezeichnet worden, die die positiven Folgen des Flughafenausbaus nicht erkennt“, erzählt er. Das sei wohl auch die Sichtweise im Landesvorstand.

„Es tut mir leid für den Landkreis und die Kommunen, wo wirklich gute Arbeit geleistet wird“, sagt er. Aber die Landespolitik könne er nicht mehr unterstützen. „Für die klebe ich keine Wahlplakate mehr“, sagt Ertl, der seit 15 Jahren in der Partei ist. Die Hoffnung, dass er als Mitglied etwas ausrichten kann, hat er aufgegeben: „Vor gut zwei Jahren haben die Ortsverbände aus Berglern, Wartenberg und Langenpreising einen Brief an die Landesleitung geschrieben. Meines Wissens haben wir bis heute keine Antwort bekommen.“

Keine Austritte verzeichnet der CSU-Ortsverband Oberding. „Wir haben sogar fünf Neumitglieder“, berichtet Ortschef Bernhard Mücke. Die Partei zu verlassen, hält er für den falschen Weg im Kampf gegen den Flughafenausbau: „Bevor ich davonlaufe, bleibe ich lieber in der Partei. Dann kann ich den hohen Herren doch viel besser auf die Füße treten“, meint Mücke, der mit dem Planfeststellungsbeschluss überhaupt nicht einverstanden ist. „Für 50 Quadratmeter Gewerbegrund bekommst du fünf Ordner mit Auflagen, und die Regierung von Oberbayern genehmigt die dritte Bahn ohne eine einzige Auflage.“

Erdings CSU-Kreischef Martin Bayerstorfer hält die Parteiaustritte - „die ich selbstverständlich akzeptierren muss“ - für einen Fehler. Es sei eher eine Schwächung für die Startbahngegner, wenn Funktionsträger ihr Mitspracherecht freiwilig abgeben. „Außerdem ist der Planfeststellungsbeschluss nicht von der CSU erlassen worden, sondern von der Regierung von Oberbayern. Und das ist eine reine Verwaltungsbehörde.“ Ihn ärgere zudem, dass stets ausschließlich die CSU für den Flughafenausbau verantwortlich gemacht werde, nicht aber die rot-grüne Münchner Stadtführung sowie die Bundesregierung Schröder/Fischer, die in ihrer Amtszeit den Ausbau ebenfalls mitgetragen hätten. (Dieter Priglmeir)

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