Flughafen - Kehrtwende bei Ministerpräsident Seehofer? Er will die dritte Startbahn erst bauen, wenn die Verkehrserschließung passt. Die Reaktionen vor Ort fallen gemischt aus.
Im „Bericht aus Berlin“ der ARD hat Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer einen Satz gesagt, der in der Flughafenregion nachhallt. Die dritte Startbahn soll erst gebaut werden, wenn die „nötigen Verkehrserschließungsmaßnahmen abgeschlossen sind.“ Welche Projekte er, der erneut Dialogbereitschaft signalisierte, damit konkret meinte, sagte er nicht. In der Region verbindet man damit nicht nur den Ausbau der Flughafentangente-Ost, sondern vor allem den S-Bahn-Ringschluss sowie die Regionalbahnanbindung via Walpertskirchener Spange. Es gibt auch Stimmen, die überzeugt sind, dass Seehofer nicht den Abschluss aller Maßnahmen gemeint hat, sondern die Verbesserung der Infrastruktur allgemein.
„Ich nehme ihm die Aussage ab, er weiß, was auf dem Spiel steht“, kommentiert CSU-Landtagsabgeordneter Jakob Schwimmer die Aussagen. „Das sage ich ihm seit Ewigkeiten im Landtag“, versichert der Bürgermeister von St. Wolfgang. Er ist überzeugt: „Angesichts der hitzigen Diskussionen kommt er da nicht mehr raus.“
Deutlich nüchterner reagiert der frisch aus der CSU ausgetretene Herbert Knur, Bürgermeister von Berglern. „Meine Erfahrungen im Umgang mit Herrn Seehofer lehren mich, da sehr vorsichtig zu sein. Natürlich hoffe ich, dass er es ernst meint und auch zu seinem Wort steht.“ Aber die Hand lege er für den Regierungs- und Parteichef nicht ins Feuer. „Am Ende will er wieder mal missverstanden worden sein, oder er verweist auf die wenigen Projekte, die im Planfeststellungsbeschluss auftauchen, etwa die Verlegung einer Staatsstraße.“
Auch Aufgemuckt-Sprecher Hartmut Binner winkt ab: „Er hat uns schon so viel versprochen, zum Teil direkt ins Gesicht, und sich dann nicht dran gehalten.“ Deswegen schenke er auch der angeblichen Wandlung keinen Glauben. Es bleibe daher auch beim Dialogabbruch.
Flughafensprecher Hans-Joachim Bues, erklärte: „Wir wissen alle, wie wichtig das Thema Erschließung ist.“ Darauf habe der Ministerpräsident erneut hingewiesen. Der Nachbarschaftsbeirat, dem die FMG angehört, habe ja auch in einer Resolution auf die Notwendigkeit des Straßen- und Schienenausbaus aufmerksam gemacht.
(Hans Moritz)
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