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Erdinger Moos: Sorge ums Erdzeichen

Erdzeichen vom Erdinger Moos: Künstler bangt um Lebenswerk

Erding - Kunst auf über 45.000 Quadratmetern: Wilhelm Holderied hat das gigantische Erdzeichen direkt am Flughafen München erschaffen. 2013 endet der Pachtvertrag. Nun sorgt sich der Künstler um sein Lebenswerk.

© sts

Markante Begrüßung beim Landeanflug: das Erdzeichen von Künstler Wilhelm Holderied am Flughafen München, links hinten die nördliche Startbahn. Klaus Leidorf hat das Bild von seiner Cessna aus aufgenommen.

Kurz nach jedem Start am Flughafen München beginnen aufregende Minuten für Wilhelm Holderied, 71. Der Münchner Künstler fragt dann Stewardessen, Mitreisende, alle, die ihm in die Finger kommen, ob sie es schon gesehen haben. Dieses sagenhafte Kunstwerk auf dem Feld direkt neben dem Flughafen München, dieses 270 x 170 Meter große Erdzeichen in Form einer Acht mit 3,40 Meter tiefen Furchen, über das sie gerade geflogen sind.

So läuft das bei jedem Flug ab München: Holderied ist stolz wie König Ludwig II. Zumindest 20 Sekunden lang, die Zeitspanne, die man das monumentale Kunstwerk vom Flieger aus sieht. Denn: Die „Insel für die Zeit“, so der offizielle Name, ist seine Schöpfung. Zusammen mit vielen Helfern und vier Baggerfahrern hat er es 1995 in die Erde gefurcht. Gesamtkosten damals: 600 000 Mark. „Meine Frau schämt sich im Flugzeug immer fürchterlich, weil ich allen sage, dass es von mir ist“, sagt Holderied lachend. Aber so ist das – Künstler sind nunmal eitel. Es gibt nur ein Problem: Das Erdzeichen ist in Gefahr. Womöglich. Der Pachtvertrag mit der Flughafengesellschaft München GmbH (FMG) läuft Ende 2013 aus, genauso die befristete Baugenehmigung der Stadt Freising. Holderied sorgt sich. 3000 Euro Pacht, sagt er, zahlt er im Jahr an den Flughafen. Das kann, geht es nach ihm, ruhig auch in Zukunft so bleiben. Aber so ganz festlegen will sich der Flughafen noch nicht. „Das Thema wird zeitnah geklärt werden“, hieß es von Seiten der FMG. Noch bestehe ja kein Zugzwang. Holderied sitzt bereits auf Nadeln. „Es ist ein einmaliges bayerisches Kulturdenkmal“, sagt er. „Ein Stempel in der Erde, der von mir ist. Eine Duftmarke. Ein Orientierungszeichen aus der Luft.“ Ein Symbol dafür, dass selbst im Zeitalter der Technik und Entzauberung die archaischen Kräfte der Natur weiter wirken. Falls der Pachtvertrag nicht verlängert wird, müsste Holderied das Erdzeichen eigenhändig platt machen. Er müsste dem Flughafen das Feld im ursprünglichen Zustand zurückgeben. Der Künstler hat das mal durchgerechnet, alleine die Baggerarbeiten würden ihn 40 000 Euro kosten, schätzt er.

Die „Insel für die Zeit“ ist inzwischen ein Markenzeichen der Flughafenregion geworden. Immer wenn er drüber hinweg fliege, sagt Freisings Oberbürgermeister Dieter Thalhammer, habe er „heimatliche Gefühle“. Für ihn steht außer Zweifel: „Die befristete Baugenehmigung wird verlängert.“ Millionen von Fluggästen haben das 45 000 Quadratmeter große Zeichen schon gesehen, zumindest, wenn sie rechtzeitig aus dem Fenster geschaut haben. „Es ist einmalig auf der Welt“, sagt der Künstler. „Man wird von Kunst verabschiedet und begrüßt, wenn man nach Hause kommt. Wie bei einem Seefahrer, der in seinen Heimathafen zurückkehrt.“ Es würde Holderied das Herz brechen, falls sein Kunstwerk irgendwann verschwinden müsste.

Aber ganz zur Not hätte er noch ein anderes Projekt in der Schublade: ein Mondzeichen, von der Erde aus sichtbar, 125 Kilometer lang.

Holderied hat bereits mit einem Herren von der Nasa gesprochen. Man müsste mit Mondfahrzeugen, an denen Besen hängen, arbeiten, hat er ihm erklärt. „Der Mann war etwas erstaunt“, erzählt Holderied. „Hat aber sehr ernst getan.“ Als Künstler muss man manchmal eben seine Träume fliegen lassen: egal, von welchem Himmelskörper aus.

Von Stefan Sessler

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