Flughafen - Condor bietet auf Flügen ab und zu eine Show an. Diesmal trat Entertainer Thorsten Havener in der Boeing 757 nach Teneriffa auf.

Die gegenseitige Anziehungskraft der Zeigefinger demonstrierte Thorsten Havener. Antje Mader war amüsiert. foto: akl
Christine Schröder nimmt ihre Kopfhörer ab. Aufgeregt tippt sie ihren Mann Otto an, der in einen Roman vertieft ist. „Schau hi, i hob dir doch gsagt, dass er’s is.“ Sie zeigt auf einen Mann im Anzug, der sich im Mittelgang der Boeing 757 postiert. Antje Mader, Purserette des Condor-Fluges nach Teneriffa, übergibt Gedankenleser und Mentalist Thorsten Havener das Bordmikrofon. Aufgeregt setzen sich die Eheleute aus Regen in Niederbayern auf, Musik und Buch sind schon vergessen. „Guten Abend meine Damen und Herren. Ich bin Thorsten Havener und ich werde Sie in den kommenden 20 Minuten ein wenig unterhalten.“ „Ha! Hob i’s doch gwusst“, zischt Christine.
Michael Wendler
sang auch bei Condor
Gespannt blicken die beiden auf den Mann mit dem Telefonhörer als Mikro. „Versuchen Sie doch einmal, mit ihrem rechten Fuß einen Kreis zu malen und gleichzeitig mit der linken Hand eine sechs in die Luft zu schreiben“, sagt er. Konzentriert machen die Schröders mit. „Es klappt“, freut sich Otto. Manch anderer Fluggast scheitert und bricht in Gelächter aus.
Das sei „einfach ‘ne geile Erfahrung“ und eine Herausforderung, sagt der Münchner Havener. „Das Publikum ist ja nicht hier, um mich zu hören, sondern um in den Urlaub zu fliegen. Und: Ich kann nach diesem Tag behaupten, dass ich an Land, auf dem Wasser und in der Luft aufgetreten bin.“
Einen solchen Auftritt hatte er noch nie erlebt. „Man macht sich natürlich Gedanken. Hören mich alle, können alle etwas sehen, rede ich zu schnell? Das ist alles ganz anders, als auf der großen Bühne, wo alles perfekt abgestimmt ist.“ Eigentlich befasst sich der Familienvater eher mit dem Lesen von Gedanken und der Deutung von Bewegungen. An Gestiken und Mimiken kann der gebürtige Saarbrückener erkennen, was sein Gegenüber denkt. Für den Auftritt im Flugzeug hat er jedoch anderes gewählt. „Die Leute brauchen etwas Leichtes, etwas Lustiges. Daher habe ich etwas gemacht, wo sie mitmachen können.“
Bei seinem 20-minütigen Auftritt macht er die Passagiere vor allem darauf aufmerksam, wie unaufmerksam sie durch ihre Welt gehen. „Tag für Tag tragen wir unsere Armbanduhren. Aber wie sieht eigentlich das Ziffernblatt aus? Wo steht das Datum, wo der Hersteller? Und wie spät ist es jetzt eigentlich?“, wollte er wissen. Die Passagiere durften bei der Beantwortung dieser Fragen natürlich nicht auf ihre Uhr blicken. „Er hat Dinge gezeigt, die tatsächlich stimmen. Man achtet auf manche Sachen einfach nicht mehr bewusst, und ich konnte nicht sagen, welche Farbe mein Ziffernblatt hat“, gesteht Edith Schmutzler aus Bayreuth.
„Die Leute brauchen etwas etwas Lustiges“
Verblüfft wurden die Passagiere auch beim nächsten Versuch. Man sollte die Hände zu einer Pistole formen und danach den Zwischenraum zwischen den Zeigefingern betrachten. „Man konnte genau beobachten, wie der Raum zwischen den Zeigefingern immer kleiner wurde“, sagt Annamaria Gallasch aus Ingolstadt verwundert.
Mit dieser Art von Entertainment begann Havener Mitte der 90er Jahre. Interessiert habe er sich für scheinbar unerklärliche Dinge schon immer, schließlich befasste er sich immer mehr mit Gedanken und Bewegungen. Dann begann er Vorträge und Seminare zu halten, der Erfolg war groß und auch das Fernsehen wurde aufmerksam. Mittlerweile hat der Münchner drei Bücher geschrieben, in denen er erklärt, welchen Bewegungen welche Gedanken zugrunde liegen. Auch die dazugehörigen DVDs sind beliebt.
Die Gabe, diese Dinge zu sehen, hat Havener nach und nach perfektioniert. Viel hänge mit dem bloßem Beobachten zusammen, viel auch von der eigenen Entschlossenheit. „Wenn ich mein Gegenüber dazu zwingen möchte, etwas zu tun, ohne diesen Wunsch aber auszusprechen, muss vor allem ich selbst daran glauben, dass es klappt.“
Dass Havener nun regelmäßig in der Luft auftritt, hält er für unwahrscheinlich. Condor plant jedoch weitere Aktionen an Bord, die die Fluggäste unterhalten sollen. Purserette Antje Mader meint: „Das können wir von mir aus jede Woche machen, ein tolles Erlebnis.“
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