Freising - Auf den ersten Blick ist Timmy ein gewöhnlicher Kater: neugierig, verschmust und manchmal ein bisschen eifersüchtig. Dass das rüstige Tier im Mai 20 Jahre alt wird und seinem Frauchen Elisabeth Herdam immer die Treue gehalten hat, ist was ganz Besonderes.

Am 1. Mai gibt es wieder einen dicken Geburtstagsschmatzer
„Er hat mich gefunden“, sagt Elisabeth Herdam. Für sie war die Begegnung mit dem damals noch blutjungen Kater ein Wink des Schicksals. Die Freisingerin arbeitete als Reinigungskraft im Kindergarten St. Jakob in Vötting, als eine Betreuerin ihr die kleine, umherstreunende Mieze zeigte. „Bei mir hat es sofort gefunkt, als ich ihn da sitzen sah“, erzählt Herdam. „Und als wir den Kindergarten verließen, da ging er mir nicht aus dem Kopf.“ So fasste sich die 52-Jährige ein Herz - und nahm den Kleinen einfach mit. Dass dieser Kater - „Timmy“ hat sie in getauft - für die nächsten 20 Jahre an ihrer Seite weilen würde, das hätte sie sich „niemals erträumen lassen“.
Anfangs noch ein bisschen schüchtern, lebte sich Timmy nach einigen Tagen in seinem neuen, vielleicht ersten, Zuhause ein. Kein Wunder: Ist Elisabeth Herdam doch eine Tierliebhaberin mit Leib und Seele: „Ich bin mit vielen Tieren aufgewachsen. Wir hatten Wellensittiche, Kanarienvögel und Hamster.“ So schnell sich das Katzenbaby eingelebt hatte, so schnell war es auch stubenrein. „Ich habe ihn ein paar Mal ans Katzenklo geführt, und er wusste nach kurzer Zeit, was Sache war.“
Doch auch sonst ist Timmy ein typischer Hauskater. „Er schmust gern, wenn er nicht gerade schläft“, erzählt Herdam. Da kann es auch einmal vorkommen, dass der kleine Racker anfängt zu meckern, wenn er seine tägliche Dosis Streicheleinheiten nicht bekommt. Da gibt es das volle Programm: „Er liebt Massagen“, weiß Elisabeth Herdam - vor allem an den Ohren.
Auch wenn es um das Thema Futter geht, ist der Stubentiger ein echter Genießer. Und ein richtiger Feinschmecker braucht natürlich Abwechslung: „Er will jeden Tag eine andere Sorte serviert haben“, berichtet Herdam. Da wird die Futterschüssel schon hier und da mal links liegen gelassen, wenn das „Gericht“ nicht so mundet. „Wenn der Hunger dann aber Überhand nimmt, erbarmt sich der Kleine aber doch.“ Manchmal ist allerdings auch das Abendessen nicht vor ihm sicher: Eine Portion Rührei hatte es dem Kater einmal besonders angetan. „Als niemand aufpasste, saß Timmy schon auf dem Tisch und wollte sich gerade bei meinem Teller bedienen.“
Selbst auf seine alten Tage hat der Kater mit dem ruhigen Gemüt seine, wie Frau Herdam es nennt, „sonnigen fünf Minuten“. Da rennt er dann quer durch die Wohnung, von einem Eck ins andere - „da merkt man ihm sein Rekordalter gar nicht an“.
Timmy ist das beste Beispiel dafür, wie wichtig Haustiere für ihre Besitzer sind. „Wenn ich schlechte Laune habe oder bedrückt von der Arbeit komme, merkt er das“, sagt Herdam. Dann ist Timmy an der Reihe, Schmuse- und Streicheleinheiten zu verteilen. „Das macht er so lange, bis es mir besser geht.“ So entwickelte sich in diesen 20 Jahren eine innige Beziehung: „Er ist mehr als ein Haustier“, erzählt Herdam weiter, „er ist ein Familienmitglied.“
Ein recht gesundes sogar: In den 20 Jahren - in Menschenjahren wären das stolze 100 - war Timmy nie ernsthaft krank. Vor einigen Jahren suchte ihn ein Lebervirus heim, den er aber nach einer Woche und dank der entsprechenden Arznei überstand. „Sonst war er immer wohl auf - schon ein kleines Wunder“, findet Herdam. Dem Familienmitglied wird natürlich zu seinem Geburtstag gratuliert: Pünktlich zum 1. Mai gibt es jedes Jahr einen dicken „Geburtagsschmatzer“, wie Elisabeth Herdam selbst sagt.
Sie ist um jeden Tag froh, den sie mit ihrem Timmy hat: „In seinem Alter macht man sich schon Gedanken, wie es ihm heute geht.“ Da freue es einen jedes Mal umso mehr, wenn man nach einem anstrengenden Tag schnurrend begrüßt wird.

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